Schweinfurt

Mitreißend, weit und licht: Konzert in St. Johannis

Das weihnachtliche Konzert der Kantoreien war gleichzeitig ein Treffen der Generationen.
Die Kinder- und Jugendkantorei und die Kantorei St. Johannis, dazu der Mädchenchor "Junge Stimmen Schweinfurt" vereinigten sich beim Weihnachtskonzert zu einem großen Klangkörper. Foto: Elke Tober-Vogt

Selbst die Jüngsten durften mitsingen: Beim großen Chorkonzert in der St. Johanniskirche vereinigten sich die Jungen Stimmen Schweinfurt, die Kinder- und Jugendkantorei und die Kantorei St. Johannis zu einem großen vokalen Klangkörper. Begleitet vom Bruckner Akademie Orchester erklangen unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin (KMD) Andrea Balzer zwei größere chorsinfonische Werke, die in spannendem Kontrast zueinander standen.

Zunächst die Weihnachtskantate "Der Stern von Bethlehem" des spätromantischen Komponisten Joseph Gabriel Rheinberger: Ihm wird beschieden, dass seine Musik "zu Herzen geht". Dies bestätigt sich in durchwegs angenehmen Klängen, schlichten, mitunter fast volkstümlich liedhaften Melodien, reicher Harmonik. Die Behandlung der Chorstimmen gab der Kantorei vielfache Möglichkeiten, sich mit einem hellen, runden und absolut ausgewogenen Gesamtklang zu präsentieren. Der einfach gehaltene Text von Rheinbergers Frau, Franziska von Hofnaaß, gewann durch die gute Aussprache im Chor.

Schön das Wechselspiel zwischen Männer- und Frauenstimmen, dazu die hohen und absolut reinen Klänge des Mädchenchors "Junge Stimmen". Tonmalerisches galt es zu übermitteln, Textbestandteile wie "Zerstreuet euch, stürmende Wolken" oder "Die Könige, trauerbefangen" überzeugten in ihrer differenzierten Darstellung. Die Anbetung der Weisen gelang den Männern der Kantorei in bester Manier einer Männerchortradition des 19. Jahrhunderts, sehr gefühlvoll und Ehre erbietend.

Großer Auftritt aller Chöre

Als Solist überzeugte der Bariton Johannes Weinhuber in jeder Hinsicht: Seine kraftvolle, voluminöse, klar und warm strahlende Stimme fesselte in Verbindung mit ausgezeichneter textinterpretatorischer Tiefe. Die Sopranistin Stephanie Krug hatte an diesem Abend ihre Stärken vor allem in der hohen Lage und bei kräftiger Dynamik. Sie wirkte leicht indisponiert, angespannt und unruhig.

Während Rheinberger auch vor Pathetik nicht zurückschreckte und so manche Wendung kompositorisch nicht ganz glücklich löste, konnte die "Mass Of The Children" des Zeitgenossen John Rutter durchgängig faszinieren. Alle Chöre waren nun dabei, die Kinder sangen auswendig, hochkonzentriert, wie die "Großen" perfekt vorbereitet - diese Nachwuchs- und Chorarbeit überzeugt!

Die Kinder- und Jugendkantorei und die Kantorei St. Johannis, dazu der Mädchenchor "Junge Stimmen Schweinfurt" vereinigten sich beim Weihnachtskonzert zu einem großen Klangkörper. Foto: Elke Tober-Vogt

Weite und Lichte breiteten sich aus, trotz dichten Satzes und erweiterter Harmonik. Stilmittel aus dem populären und folkloristischen Bereich, metrische und rhythmische Vielfalt, Farbtupfer auch von Schlaginstrumenten flossen ein. Balzer führte sicher, fügte zusammen, ließ mitreißende Kraft und Schönheit dieser Musik wirksam werden. Auch das Projektorchester war den Anforderungen hier gut gewachsen.

Ein Höhepunkt war das Agnus Dei: Der Kinderchor sang hier besonders anrührend, zart und schlicht, vereinte sich mit dem Erwachsenenchor in sanfter musikalischer Liebkosung. Johannes Weinhuber gelang im Finale eine strahlende und warme Lobpreisung, bevor sich das Werk musikalisch dem schwebend leichten Ende zuneigte. Friedvoll geriet der Schluss, innig und intensiv, mit gehörig Gänsehaut-Potenzial. So war es nicht verwunderlich, dass es begeisterten Applaus und Standing Ovations gab, ehrlich gemeint und nicht nur von den vielen Eltern, Verwandten und Freunden der Akteure gespendet.

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