Schweinfurt

Mobile Brunnen in Schweinfurt: Flasche füllen, Plastik sparen

Wien macht es vor: An 1000 Brunnen kann man dort seine Wasserflasche auffüllen, kostenlos und der Umwelt zuliebe. Ein Modell, das hier Schule machen soll. Was bringt es?
Immer mehr Städte setzen sich für den freien Zugang zu Wasser ein und bieten Trinkbrunnen an. Großer Vorreiter in dieser Sache ist Wien. Schweinfurt will davon lernen, zumindest im Kleinen. Foto: Michael Hanschke/DPA

Es war eine Meldung, die 2018 nicht nur CSU-Stadträtin Stefanie Stockinger-von-Lackum aufgeschreckt hat: 2050 soll mehr Plastik im Meer schwimmen als Fische, warnten Wissenschaftler. Die Plastik-Flut in den Ozeanen ist längst ein Dauerthema – und der Prüfantrag, den die Stadträtin 2018 an die Verwaltung gestellt hatte, ein richtiger Antrag zum Haushalt. Im Namen der CSU-Fraktion fordert sie, zunächst 15 000 Euro in den Haushalt einzustellen, um an geeigneten und öffentlich zugänglichen Stellen Leitungswasser-Spender aufzustellen. Was das bringen soll? Statt sich eine Plastikflasche Wasser zu kaufen, kann jeder an diesen Brunnen kostenlos seine eigene Wasserflasche auffüllen.

Armin Seebauer, Personalleiter der Stadt, hat sich in der Sache schlau gemacht. Sein Vorschlag: die Stadt wird einen mobilen Trinkbrunnen anschaffen und ihn abwechselnd an verschiedenen Orten im Stadtgebiet aufstellen. Angeschlossen werden kann der Brunnen an jedem Hydranten und damit direkt an der Trinkwasserleitung der Stadt. Je nachdem, wie das Angebot angenommen würde, könne man über weitere Brunnen nachdenken. Möglich wäre wahrscheinlich auch, ein solches Gerät zu leihen oder zu leasen, so Seebauer auf die Anregung von Sinan Öztürk (Die Linke) in der Haushaltsberatung des Haupt- und Finanzausschusses. Der Ausschuss schnürt in dieser Woche das Etatpaket der Stadt für 2020.

Der Antrag wurde einstimmig angenommen, auch wenn es manchen zuwenig war. Thomas Schmitt von Bündnis 90/Die Grünen hätte sich einen Start mit zehn Geräten gewünscht. Auch das wäre noch zuwenig, meinte Ulrike Schneider (Schweinfurter Liste). Aber, darin waren sich Oberbürgermeister Sebastian Remelé und die Antragstellerin Stefanie Stockinger von Lackum einig: Es ist ein erster Schritt, ein Versuch. Nach einer Saison solle man dann Bilanz ziehen und über eine Ausweitung des Modells entscheide. 

Wien macht es vor und ist europaweit Vorreiter

Der Blick aus Schweinfurt geht dabei ziemlich weit – nach Wien. Das ist, so Seebauer, europaweit Vorreiter, was Trinkbrunnen in der Stadt betrifft. 1000 solcher Brunnen sind im Stadtgebiet aufgestellt, damit Einwohner und Gäste frisches Trinkwasser zapfen können. Und dabei geht es nicht um schöne, steinerne und alte Brunnen, sondern um Geräte wie Schweinfurt eines kaufen oder leasen möchte. Die haben, so Seebauer aus Nachfrage aus dem Gremium, auch einen großen Vorteil: sie sind einfacher zu warten und die Hygiene ist besser zu garantieren. Theoretisch allerdings wäre es möglich, jeden Brunnen in der Stadt mit Trinkwasser zu versorgen.

Prüfen wird die Verwaltung nach dem Antrag nun auch, ob sich Schweinfurt an dem Projekt Refill Deutschland beteiligen wird. Dieses listet auf seiner Homepage alle Trinkwasserbrunnen-Standorte auf und bietet Aufkleber an, die im Stadtgebiet angebracht werden können und auf den Trinkwasserbrunnen verweisen. Aktuell verzeichnet Refill über 4700 Stationen deutschlandweit.

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