STAMMHEIM

Museum ganz auf Powerfrauen eingestellt

Auch Hochtouren läuft im Museum für Militär- und Zeitgeschichte in Stammheim der Aufbau der Sonderausstellung „Frauenpower . . . statt Quote“. Mitten unter den Helfern (3. von rechts) Museumsleiter Günter Weißenseel. Foto: Norbert Vollmann

Das Museum für Militär- und Zeitgeschichte in Stammheim ist beim Museumsfrühling am Wochenende 24./25. März diesmal fest in Frauenhand. Mit dem großen Spektakel wird traditionell die neue Museumssaison eingeläutet. Wurden in der Vergangenheit schwerpunktmäßig eher militärhistorische Ereignisse aufgegriffen, so widmet sich Deutschlands größtes Privatmuseum seiner Art in diesem Jahr unter dem Motto „Frauenpower ... statt Quote“ einem rein zeitgeschichtlichen, gesellschaftspolitisch aber unvermindert aktuellen und heißen Thema.

Die exemplarische Würdigung herausragender weiblicher Persönlichkeiten von der Vergangenheit bis in die Gegenwart steht auch im Mittelpunkt der großen Sonderausstellung zum Museumsfrühling. Besondere Anerkennung findet darin aber auch der enorme Einsatz unzähliger Frauen, die aus Trümmern den Wiederaufbau Deutschlands ermöglicht haben.

Frauen, die ihren Mann stehen

Museumsleiter Günter Weißenseel betont: „Seit Beginn der Industrialisierung standen die Frauen ihren Mann, sei es in der Wissenschaft, in Kriegszeiten, bei Hilfsorganisationen, im Medizinwesen, im Sport oder als sogenannte 'Trümmerfrauen' durch ihre Mithilfe beim Wiederaufbau vieler nach dem Zweiten Weltkrieg in Schutt und Trümmern liegenden deutschen Großstädte.“ Nicht zu vergessen seien auch die vielen hart arbeitenden Bäuerinnen und Landfrauen.

Egal, ob als Mütter und Familienmanagerinnen oder in Führungspositionen verschiedenster Art, hätten diese Frauen stets durch Leistung überzeugt und nicht durch Quote beziehungsweise deren Beanspruchung ihren Weg gemacht.

Rechte mussten erst erkämpft werden

Auch das wird insbesondere bei der Sonderausstellung deutlich: In der Geschichte hatten die Frauen, zumindest in der Öffentlichkeit, lange keinerlei Rechte und traditionsgemäß auch nichts zu sagen. Ausnahmen gab es vor allem nur in der damals vorherrschenden Adelsschicht.

Die Beteiligung von Frauen am Sturm auf die Bastille bei der Französischen Revolution oder bei der März-Revolution, als sie 1848 in Berlin mit auf die Barrikaden gingen, setzte einen allmählichen Umschwung im Rollenverständnis der Frau in Gang. Bei Ereignissen wie diesen deutete sich an, welche Leistungen Frauen vollbringen können, wenn sie aus ihrer vom Mann vorgegebenen Rolle als „Heimchen am Herd“ ausbrechen.

In Deutschland hatte sich dies zuvor bereits gezeigt, als einzelne Frauen in den sogenannten Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 in eine bis dahin bestehende Männerdomäne einbrachen. Sie kämpften aktiv gegen die Armee Napoleons. Allerdings konnten sie dies wie Eleonore Prochaska („Herr Leutnant, ich bin ein Mädchen“) nur verkleidet als „Mann“ tun. So mussten und müssen sich die Frauen bis heute Stück für Stück auf der Welt ihre Rechte erkämpfen, sei es, wenn es ums Wählen und Gewählt werden, ums Studieren oder darum geht, einen Führerschein machen und Autofahren zu dürfen.

Beispiele für besondere Powerfrauen

Als „Powerfrauen“ besonders herausgestellt werden in der Sonderausstellung zum Beispiel Lina Morgenstern, die Gründerin der Volksküchen, Fanny Koenig, die erste „Managerin“ Deutschlands an der Spitze des Würzburger Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer, die Paketfallschirmerfinderin Käthe Paulus, Autopionierin Bertha Benz, Künstlerein Käthe Kollwitz oder die Widerstandskämpferin Sophie Scholl.

Dazu aus der aktuellen Jetztzeit die Eisschnellläuferin und siebenmalige Olympia-Teilnehmerin Claudia Pechstein oder aus der hiesigen Region die Unternehmerin Mara-Elisabeth Schaeffler-Thumann (Firma Schaeffler, INA und FAG) und Christina Kohlhauser-Vollmuth, die erste Chefärztin einer Kinderklinik in Bayern, der „Kinderklinik am Mönchberg“ in Würzburg.

Birgit Kelle hält den Festvortrag

Besonders gespannt sein, so Günter Weißenseel, dürfen alle Besucherinnen und Besucher auf den Fest- und Gastvortrag der Journalistin und Bestsellerautorin Birgit Kelle sein. Besondere Aufmerksamkeit erregte die vierfache Mutter mit ihrem Buch „Dann macht doch die Bluse zu“, einem „Aufschrei gegen den Gleichheitswahn“, so der Untertitel, und ihrem jüngsten Werk „Muttertier“.

Die Schirmherrschaft über den Museumsfrühling 2018 hat die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber übernommen. Neben ihr haben weitere hohe weibliche Persönlichkeiten ihr Kommen zur Eröffnungsveranstaltung angekündigt, so Museumsleiter Günter Weißenseel.

Der Museumsfrühling ist auch diesmal wieder mit einem umfangreichen Rahmenprogramm verbunden.

Das Programm

Das Programm im Überblick.

Samstag, 24. März: 10 Uhr Eröffnung mit einem Festakt unter der Schirmherrschaft der hiesigen Bundestagsabgeordneten Anja Weißgerber; Festvortrag der bekannten Powerfrau und Bestsellerautorin Birgit Kelle

12.30 Uhr Rundgang mit Eröffnung der Sonderausstellung; 19 Uhr Gemütliches Beisammensein mit Darstellern und Gästen.

Sonntag, 25. März: 10 Uhr Weißwurstfrühstück, geführte Museumsrundgänge, Filmvorführungen.

Weitere Höhepunkte an beiden Tagen: „Frau steht ihren Mann" in lebendigen Darstellungen, Essen aus der Feldküche und Feldbäckerei, Funktions-Modellbau, Feldbahnfahren und Panzerfahren im Gelände.

Mehr zum Museum für Militär- und Zeitgeschichte in Stammheim unter www.museum-stammheim.de

Ein Helfer legt beim Aufbau der Sonderausstellung „Frauenpower . . . statt Quote“ im Museum in Stammheim letzte Hand an die Puppe der Rot-Kreuz-Schwester an. Foto: Norbert Vollmann
Nichts ging nach dem Zweiten Weltkrieg ohne Frauen, sei es an der Drehbank oder beim Wegräumen von Schutt und Trümmern zerbombter Städte. Foto: Norbert Vollmann
Wenn das Anziehen des Frauenschuhs für die Sonderausstellung beim Museumsfrühling 2018 Männersache ist. Foto: Norbert Vollmann

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