Schweinfurt

Nach Ausbremsen Griff zum Pfefferspray

Wildwest an der Tankstelle? Nachdem er knapp vor einem Auto aus der Tankstelle gefahren war, soll der 36-jährige Ford-Fahrer den Wagen hinter ihm ausgebremst haben.
Wildwest an der Tankstelle vor Gericht: Ein 36-Jähriger bremste beim Ausfahren aus einer Tankstelle eine Autofahrerin aus – und hielt dann an, um den aufgebrachten Beifahrer zu maßregeln.
Wildwest an der Tankstelle vor Gericht: Ein 36-Jähriger bremste beim Ausfahren aus einer Tankstelle eine Autofahrerin aus – und hielt dann an, um den aufgebrachten Beifahrer zu maßregeln. Foto: Patty Varasano

Am Nachmittag des 5. Oktober 2019 fährt der 36-Jährige mit seinem Ford aus einer Tankstelle in Dittelbrunn auf die Hauptstraße in Richtung Schweinfurt. Es ist so knapp, dass eine Fahrerin, die in dieser Richtung unterwegs ist, ihren Mazda abbremsen muss. Sie oder ihr Beifahrer drückt auf die Hupe, worauf der Ford-Fahrer anhält und aussteigt, um die Fahrerin zu maßregeln.

Halsabschneidergesten?

Es kommt zur Konfrontation mit dem Beifahrer des ausgebremsten Wagens, wobei der Ford-Fahrer mit einem Pfefferspray in der Hand auf ihn zugeht. Nach der verbalen Auseinandersetzung fährt er rückwärts auf den Beifahrer zu, um – so heißt es im Strafbefehl der Staatsanwaltschaft – den Mann zum Ausweichen zu bewegen. Diese beiden Fälle der "verwerflichen Maßregelung" sieht die Staatsanwaltschaft als Nötigung an, weshalb sie einen Strafbefehl gegen den 36-Jährigen erließ.

Dagegen hat dieser Einspruch eingelegt, weshalb es die kurze Wildwest-Einlage an der Dorf-Tankstelle in den Amtsgerichtssaal in Schweinfurt schafft. Der Ford-Fahrer schildert die Sache etwas anders. "Mindestens zwei oder drei Autolängen" vor dem Mazda sei er vom Tankstellengelände in die Straße eingebogen – nach seiner Ansicht, ohne die Fahrerin auszubremsen. Daraufhin habe er im Rückspiegel gesehen, wie ihr Beifahrer "Halsabschneidergesten" gemacht habe.  

Er hat sich "verschalten"

Dann habe er angehalten, zum Pfefferspray in der Tür gegriffen, sei ausgestiegen und von dem Beifahrer mit Ausdrücken und als "zu dumm zum Autofahren" beschimpft worden. "Ich habe das Pfefferspray zur Gefahrenabwehr", habe er diesem gesagt. "Mein Mandant darf anhalten, wenn er beleidigt wird", sagt der Verteidiger. Das Abbremsen bis zum Stillstand sei wohl eine Nötigung, aber keine verwerfliche. Und: Nachdem er wieder eingestiegen war, habe er sich vor Aufregung "verschalten", weshalb der Wagen eine kurze Strecke und langsam rückwärts gerollt sei.   

Moderne Technik hilft in diesem Fall bei der Wahrheitssuche. Die Aufzeichnung einer Dashcam im Auto des Angeklagten lässt ein paar Schlüsse auf Abstände, Geschwindigkeit und das Rückwärtsfahren zu. Um großes Verkehrs-Rowdytum geht's hier offenbar nicht, doch nötigend sei das Verhalten des Angeklagten gewesen, meint die Staatsanwaltschaft.

500 Euro für die Lebenshilfe

Der Verteidiger will auf eine Einstellung hinaus. Nur gegen Geldauflage, sagt die Staatsanwältin, und die dürfe nicht nur 200 Euro betragen, wie vom Verteidiger ins Spiel gebracht. Unter 500 Euro mache sie nicht mit. Damit ist am Ende auch der Angeklagte einverstanden: 500 Euro für die Lebenshilfe, in drei Raten. 

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