Grafenrheinfeld

Nach dem Sieg von Christian Keller: CSU im Freudentaumel 

Erste Stimmen nach dem überraschend hohen Sieg von Christian Keller in Grafenrheinfeld. Die CSU jubelt. Gedrückte Stimmung dagegen bei den anderen Gruppierungen.
Kerstin und Christian Keller werden mit Jubel empfangen nach der gewonnen Wahl.  Foto: Martina Müller

"Hoch soll er leben", singen die Anhänger von Christian Keller, die in großer Zahl in der alten Scheune versammelt sind.  Der Jubel bei der CSU ist riesig. Dass ihr Kandidat auf den Bürgermeistersitz gleich im ersten Wahlgang fast eine Zweidrittelmehrheit erreicht (66,91 Prozent), hatte keiner zu hoffen gewagt.

Keller selbst steigt auf den Stuhl, um sich Gehör zu verschaffen, endlich kann er aufhören zu schwitzen. "Wir haben’s geschafft", ruft er seinen Anhängern zu, und die jubeln und applaudieren scheinbar endlos. Fast alle CSU-Bürgermeister aus dem Landkreis sind inzwischen eingetroffen, Innenstaatssekretär Gerhard Eck betont, das sei das Ergebnis "kontinuierlicher Arbeit", man müsse halt "immer dranbleiben". Die Schwebheimer Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber fasst die Glückwünsche zusammen: "Wenn jemand authentisch und mit Herzblut für seine Gemeinde kämpft, dann bist du das."

Die Briefwahl wurde im Rathaus ausgezählt.  Foto: Martina Müller

Davon ist auch Oliver Iff überzeugt. Er ist mit Keller befreundet und weiß: "Der hatte schon immer nur Politik im Kopf und hätte den Job sogar ehrenamtlich gemacht." Charismatisch, bodenständig sei er und brenne für seine Gemeinde, erklärt Christian Schulz.

Einem frischgewählten Bürgermeister zu gratulieren, gehöre zu den schönsten Aufgaben eines Landrats, meint Florian Töpper, der ebenfalls gekommen ist.

Auf der Straße ist die Einschätzung wohlwollend realistisch. "Der wird seinen Job machen, muss halt reinwachsen", erklärt Heiko Engel, und Thomas Weigand ergänzt: "Der macht sein Ding." Keller dankt derweil seinem Team und seiner Frau Kerstin. "Es braucht die Leut' im Hintergrund, die ehrlich zu einem sind," stellt er fest und bittet: "Bleibt ehrlich."

Landrat Florian Töpper gratuliert Kerstin und Christian Keller. Foto: Martina Müller

Bei den Anhängern der anderen beiden Bewerber ums Bürgermeisteramt ist die Stimmung gedrückt. Nur in einem sind sich alle einig: "Der Wahlkampf war fair."

Im Nachhinein gibt es vereinzelt Kritik an Christian Kellers Wahlplakat.  Foto: Anand Anders

Die Unterstützer von Michael Niklaus (13,46 Prozent), der für die der FBL (Freie Bürger Liste) antrat, haben sich schnell verlaufen, oder wollen lieber nichts sagen. "Der Wählerwille war eindeutig", stellt Walter Kaspar fest, er ist Gemeinderat der FBL. Jetzt müsse Keller halt die Versprechungen, die er gemacht hat, erfüllen, meint er, schließlich kämen große Aufgaben auf die Gemeinde zu.

CSU hat Mehrheit im Gemeinderat 

Keller sei sich wohl bewusst, dass er die anderen Fraktionen brauche, und man wisse ja nicht, wie die Kommunalwahlen ausgingen. Durch Kellers Wahl zum Bürgermeister hat die CSU-Fraktion jetzt die Mehrheit im Gemeinderat, "für sechs Monate", betont Kaspar. Niklaus hinterfragt Kellers Versprechungen, den Sand- und Kiesabbau zu verhindern. Das könne man zwar versuchen, aber die Gemeinde habe da wenig Einflussmöglichkeiten, weiß er als Verwaltungsfachwirt und Mitarbeiter der Gemeinde.

Kritik an Kellers Wahlplakaten 

Die Anhänger von Ursula Weidinger (19,63 Prozent) sind redseliger, sie machen ihrer Enttäuschung Luft. Eine Dame regt sich vor allem über die Wahlplakate von Keller auf, die seien eine Mogelpackung, nirgends sei zu erkennen gewesen, dass er für die CSU antrete. "Ich bin gespannt auf die Veränderungen, die er versprochen hat, ich behalte ihn im Auge", sagt sie.

Sabine Braun hofft, dass das dominante Grün auf seinen Wahlplakaten keine "Fake News" waren. Und, "dass er jetzt die Zeit hat, die er als Jugendbeauftragter der Gemeinde nicht hatte, zu den Fridays-for-Future-Demonstrationen zu gehen."

Michael Niklaus und Ursula Weidinger beim Warten auf das Wahlergebnis.  Foto: Martina Müller

Gunter Häckler kommt nicht aus der Gemeinde und räumt ein, die anderen Kandidaten nicht näher zu kennen, dennoch hätte er es sich anders gewünscht. Es müssten mehr Frauen in dieses Amt, mehr Sacharbeiterinnen, die Visionen umsetzen wollen. In Grafenrheinfeld sei aber eher nach Parteibuch entschieden worden, vermutet er und betont: "Für mich hat Parteipolitik auf kommunaler Ebene nichts verloren."

Wer rückt jetzt für Christian Keller in den Gemeinderat nach? Nach dem Wahlergebnis von 2014 ist erster Kandidat Alois Lutz. Ob er das Mandat auch annimmt, war am Montag noch nicht bekannt. 

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