SCHWEINFURT

Nachsommer: Eine einzige Liebeserklärung

Man kann es Zauber nennen oder einfach nur sehr gut gemachte Musik. Nein, diese Erklärung wäre zu einfach. Die Faszination der kubanischen Combo Soneros De Verdad lässt sich mit Worten nur schwer beschreiben. Was bringt Konzertbesucher dazu, gleich nach dem ersten Titel aufzustehen und sich auf dem Gang zu heißen Salsarhythmen zu bewegen, zu tanzen und zu versinken in dem berauschenden Gemisch aus Gitarrensolo und Bongotrommeln, aus Trompetenmelodien und Liedern von Liebe und Melancholie? Der Veranstalter kündigte sie an als die „Lordsiegelbewahrer“ des wahren Klangs, einer genetischen Weiterentwicklung des traditionellen Son Cubano.

Dem haben sich die Soneros de Verdad verschrieben, dieser Vereinigung von afrokubanischen Rhythmen und spanischer Gitarrenmusik. Fließende Rhythmen, unterlegt mit dem immergleichen Trommelschlag und ausdrucksstarke Gesänge leben vom Herzblut und von der Leidenschaft, sie sind Klang gewordene Geschichte und hörbares Gefühl. Es ist eine einzige Liebeserklärung an das Land und die Musik ihrer Heimat. Das dunkle Petrol des Nachsommerlogos vereint sich mit den warmen Farben der Melodien, Farben und Klang senken sich auf das Publikum.

Zwei Typen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, bilden das Gesicht der Band. Da ist Luis Frank Arias. Sparsam in seinen Bewegungen sind es seine Blicke und seine warme Stimme, die den Zuschauer treffen und die Musik in dessen Herz pflanzen. Da ist sofort eine Verbindung zum Publikum, der Worte bedarf es nicht, denn die kubanischen Liedtexte versteht ohnehin kaum jemand.

Und dann ist da Mayito Rivera, erotisch bis in die Haarspitzen verkörpert er den Verführer und spielt mit diesem Appeal. Mit seiner Stimme jazzt und weint, betört und verführt er. Die beiden Sänger wechseln sich ab, bewegen sich mit tänzelnden Schritten. „Eres Cuba“, eine hochmelodische Hymne, oder „Vereda tropical“, Referenz an einen großen kubanischen Sänger. Die Musiker verschmelzen mit ihren Instrumenten und lachen miteinander, sie leben diese Musik und verschenken sie mit großzügiger Offenherzigkeit.

Lázaro Dilout jauchzt mit der Trompete, „El Vivo“ und Fabian Sirgado Pérez setzen die Rhythmen, am Bass führt der musikalische Leiter Nicolás Sirgado Llanes den Grundschlag. „Rio Seco“ erzählt von den weiten Tabakplantagen. Irgendwann animiert Luis Frank Arias die Zuhörer zum Mitsingen und die tun eifrig mit. Es könnte noch stundenlang so weitergehen. Das kommt an beim Publikum, selig lächelnde Tänzer und Tänzerinnen lassen die Hüften kreisen. Mayito Rivera holt zwei von diesen Frauen auf die Bühne und schmiegt sich zwischen beide. Er genießt es sichtlich und befeuert sie mit seinem Gesang. Ein Sonderapplaus ist ihnen sicher. Sie nehmen den Zauber mit hinaus in die noch warme Nacht.

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