SCHWEINFURT

Natascha Kohnen: Dickes Lob für Schweinfurts Haltung gegen Rechts

Wahlkampf mal anders: Bayerns SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen diskutierte mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil im Festzelt auf dem Ufra-Gelände. Foto: Anand Anders

Mit Beifall werden Bayerns SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen und der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil empfangen. Als sie durchs Festzelt auf dem ufra-Gelände zur Bühne marschieren, erheben sich nach und nach die Genossen von den Bänken. Am Tisch ganz vorne werden sogar zaghaft zwei rote Fahnen geschwenkt.

Das war's dann aber schon mit den Emotionen. Auch auf der Bühne. Denn Kohnen setzt auf „Sachlichkeit in der Politik“. So wie der nüchterne Norddeutsche. „Ich kann auch Bierzelt. Aber wenn man Politik mit Bierzelt verwechselt, ist das ein Riesenfehler“, teilt Weil gleich mal aus.

Nach AfD und CSU war die SPD nun die dritte Partei, die Wahlkampf im Festzelt am ufra-Gelände machte. Die Schweinfurter Landtagsabgeordnete Kathi Petersen hatte dazu die bayerische SPD-Spitzenkandidatin mit ihrer „Kohnen-Plus“-Veranstaltung eingeladen.

Das Plus steht für den Gast, den Kohnen jeweils mitbringt. In Schweinfurt war es der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, der bei den Landtagswahlen 2013 in seinem Land die SPD zurück auf die Regierungsbank gebracht hatte. Davon träumen die Genossen auch hierzulande, wenngleich sie mit nur elf Prozent das bisher schlechteste Umfrageergebnis der jüngeren Geschichte eingefahren haben.

Neuer politischer Stil

Natascha Kohnen scheint davon unbeeindruckt. Sie setzt auf einen neuen politischen Stil mit weniger Ego-Show, mehr Sachlichkeit und mehr Ernsthaftigkeit. Ihr Ziel: mehr Zusammenhalt und Gemeinschaft in Bayern schaffen. Wie das geht, diskutiert sie mit ihrem prominenten Gast auf der Festzelt-Bühne bei Weißbier und Wasser.

Zuerst etwas Smalltalk über Kindheit und Jugend und wie man zur Politik kam, dann kommen die brennenden Themen auf den Tisch. „Wir brauchen einen starken Staat und Innere Sicherheit“, gibt Kohnen das Stichwort vor und Weil erklärt, was die SPD darunter versteht: nämlich einen Staat, der sich für sichere Arbeitsplätze, bezahlbaren Wohnraum, faire Lebens- und Bildungschancen einsetzt und den Menschen die Sorge vor Altersarmut nimmt. „Darum bin ich Sozi geworden“, bekennt Weil.

Kitagebühren abschaffen

Chancengleichheit beginnt für die SPD bei einer durchgehend kostenfreien Bildung. In Niedersachsen hat die SPD-Regierung die Studien- und Kitagebühren abgeschafft. „Darauf bin ich stolz“, sagt Weil. Kohnen will das auch in Bayern erreichen. Und sie will einen kostenfreien öffentlichen Personennahverkehr. „Wenn Studenten sich in Bayern schon keine bezahlbare Wohnung an ihrem Studienort leisten können, dann müssen sie wenigsten kostenlos dorthin kommen.“ Beifall.

Thema Klimaschutz: Hier gibt es Nachholbedarf, erkennen beide Politiker. Allerdings dürfe die Industrienation Deutschland nicht geschwächt werden. Beim Kohleausstieg mahnt Kohnen erst recht zu Bedacht, weil der damit verbundene Arbeitsplatzverlust in der Lausitz der AfD im Osten noch mehr Auftrieb geben könnte. Widerspruch kommt von einer Genossin aus dem Publikum: „Wenn die SPD in Sachen Energie nicht endlich ins 21. Jahrhundert springt, wird das nix mit 30 oder 40 Prozent.“ Auch hier gibt es Beifall.

Schrittweiser Kohleausstieg

Kohnen hingegen mahnt, nicht mit dem Zeigefinger auf die Kohleländer zu zeigen, wo Bayern als „Atomland Nummer 1“ ja nicht einmal ein Endlager besitze. Und Weil warnt davor, den Menschen in der Lausitz die Versäumnisse der Politik büßen zu lassen. Der Ausstieg müsse schrittweise erfolgen, „das ist soziale Politik“.

Diese liegt den hiesigen Genossen sehr am Herzen, wie die Diskussionsbeiträge aus dem Publikum zum Thema Tarifbindung und Arbeitnehmerrechte zeigen. „Da hat sich richtig was verschoben“, erkennt auch Weil, „das zurückzudrehen, ist aber ein harter politischer Kampf.“

Am Ende gibt es noch ein dickes Lob von den Politikern für die Menschen in Schweinfurt: „Es gibt kaum eine Region, die so stark gegen Rechts auftritt wie Schweinfurt.“

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