TRAUSTADT

Nationalpark: „Die Entscheidung fällt in dieser Region“

Faszinierende alte Wälder: Hubert Weiger kam bei seinem Vortrag in Traustadt nicht am Thema Nationalpark vorbei.
Ein Indikator für alte Buchenwälder, um deren Schutz im Steigerwald gestritten wird, ist der Mittelspecht. Für ihn werde... Foto: Maximilian Dorsch

Faszinierende alte Wälder – so lautete das Thema, weswegen mit Professor Hubert Weiger der oberste Vertreter des Bund Naturschutz in Bund und Land nach Traustadt gekommen war.

Mit zunehmendem Verlauf geriet der mit eindrucksvollen Naturfotografien illustrierte Vortrag zu einem leidenschaftlichen Plädoyer für einen ersten Nationalpark in Franken. Zur dauerhaften rechtlichen Sicherung der alten Buchenwälder im nördlichen Steigerwald, wie der Redner eindringlich unterstrich.

Vielleicht braucht es eines promovierten Forstwirts wie Hubert Weiger, um das Kapital, die Schutzwürdigkeit und das für Mensch und Natur in einem Titel wie Nationalpark oder Welterbe steckende Potenzial für die Region vollumfänglich aufzuzeigen, ohne zugleich die Förster für ihre Arbeit zu verdammen.

Die letzten großen Rotbuchenwälder

Ausgangspunkt für Weigers Ausführungen bei dem gut besuchten Vortrag im Kapellenhof der Familie Braun war die Feststellung, dass das, was man heute etwa noch im Steigerwald, im Spessart oder der Rhön vorfinde, die letzten Überbleibsel großer, zusammenhängender Rotbuchenwälder in Europa seien.

So seien die Buchenwälder im Steigerwald als Lebensraumtyp von weltweiter Bedeutung nicht von ungefähr in einer 2007 an die Unesco gemeldeten Rangliste des Bundesumweltministeriums unter 24 deutschen Buchenwaldgebieten auf Rang vier gesetzt worden.

Allerdings fehle die rechtliche Bindung, um die auf Staatswaldgebiet gelegenen alten Buchenbestände im Steigerwald dauerhaft zu schützen. Dieser Mangel sei der Grund für die Überlegungen zur Ausweisung eines eigenständigen, größeren Schutzgebietes im nördlichen Steigerwald gewesen.

Das besondere Merkmal dieser Wälder sei das gelüftete Geheimnis um die faszinierende Lebensgemeinschaft des Mykorrhiza-Pilzes und der von ihm mit den Waldpflanzen eingegangenen Wurzelsymbiose.

Der Pilz liefere der Buche auch in Trockenzeiten wie ein nie versiegender Mineraldünger Nährsalze und Wasser. Im Gegensatz revanchiere sich der Baum als riesige, lebensspendende Zuckerfabrik für den Pilz.

Was man aber dennoch kaum im Steigerwald mehr habe, seien richtig alte Buchen über 160 Jahre. Die Mehrzahl würde im Alter von 120 bis 140 Jahren geerntet und damit zur Zeit ihrer „Jungferntage“, sagte Weiger, wenn man wisse, dass Buchen unter günstigen Standortbedingungen bis zu 300 Jahre oder älter werden. Kennzeichnende Vogelart dieser Buchenwälder sei der Schwarzspecht, so Weiger. Er brauche aber gerade die alten Bäume ab 120 Jahre aufwärts zum Bau seiner Nisthöhlen. Darin würden schließlich bis zu 60 Nachmieter einziehen. Angefangen von Wildbiene, Hohltaube und Halsbandschnäpper, über Raufußkauz, Mittelspecht und Mopsfledermaus bis hin zum auch Juchtenkäfer genannten Eremiten.

Auch der Igelstachelbart-Pilz komme in Wirtschaftswäldern so gut wie nicht vor, nannte der Redner ein weiteres Beispiel für die höhere Artenvielfalt in nutzungsfreien Wäldern.

Hubert Weiger betonte: „Es muss doch in Bayern auf zehn Prozent der Staatswaldfläche möglich sein, unsere Wälder älter werden zu lassen und so die Zersetzungs- und Zerfallsprozesse zuzulassen, wie sie für das Leben und Überleben der Arten wichtig und im ökonomisch genutzten Wirtschaftswald nicht möglich sind.“

Überhaupt entspringe der Einsatz für einen Nationalpark im Steigerwald keinem Hirngespinst. Die Forderung fuße vielmehr auf verbindlichen internationalen Konventionen, die die Bundesregierung seinerzeit im Rahmen der Biodiversitätsstrategie mit unterschrieben habe.

Außerhalb Bayerns würde über die Zielsetzung, zehn Prozent der Staatswaldfläche bis 2020 aus der Nutzung zu nehmen, längst nicht mehr diskutiert, unabhängig davon, welche Partei nun die Landesregierung stelle, klagte Weiger beim Blick auf den Freistaat. Der Buchen-Nationalpark im Steigerwald würde eine Lücke im süddeutschen Raum schließen. Hierzu müsse es als Grundlage endlich möglich sein, seitens der Staatsregierung eine Potenzialanalyse zu erstellen, um alle Daten und Fakten zur Abwägung der Vor- und Nachteile eines Nationalparks im Nördlichen Steigerwald auf den Tisch zu legen.

Hubert Weiger zeigte sich in Traustadt auf dem Weg dahin zuversichtlich. Er betonte: „Die Stimmung beginnt zu kippen, auch in München. Das Argument, die Menschen im Steigerwald wollen keine Nationalpark, greift immer weniger, seitdem es mit dem Verein Nationalpark Nordsteigerwald eine eigenständige Kraft aus der Region selbst gibt.“

Weiger: Befürworter sind mehr geworden

Die Befürworter hätten durchgehalten und seien nicht weniger, sondern ganz im Gegenteil mehr geworden. Das gebe Kraft, sagte Weiger.

Für den Bundes- und Landesvorsitzenden des BN steht fest: „Die Entscheidung fällt in dieser Region.“

Moderiert wurde die Informationsveranstaltung in Traustadt vom Vorsitzenden der BN-Kreisgruppe Schweinfurt, Edo Günther. Er hatte eingangs aus aktuellem Anlass seine Freude über die Aufnahme des früheren Standortübungsplatzes Brönnhof bei Schweinfurt mit einer Fläche von 1300 Hektar ins „Nationale Naturerbe“ zum Ausdruck gebracht.

Nur in bestimmten Bereichen, wie hier dem Naturwaldreservat Waldhaus bei Ebrach, dürfen die Buchen im Steigerwald so ric... Foto: Norbert Vollmann

Schlagworte

  • Ebrach
  • Traustadt
  • Norbert Vollmann
  • Buchenwälder
  • Bundesumweltministerium
  • Edo Günther
  • Nationalparks
  • Naturschutz
  • UNESCO
  • Vorträge
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!