Region Steigerwald/Ebrach

Nationalparkverein kontra Staatsforsten

War die Hiebsmaßnahme im "Hohen Buchenen Wald", wie hier in der Abteilung "Steinkreuz", verhältnismäßig oder nicht. Darüber wogt der Streit im Steigerwald weiter hin und her. Scharfe Kritik des Nationalparkvereins kontern die Bayerischen Staatsforsten mit einer zwischenzeitlichen Überprüfung durch das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Bamberg. Foto: Uwe Gratzky (Verein Nationalpark Steigerwald)

Mit "Dringlichkeitsschreiben" hat der Verein Nationalpark Steigerwald laut seiner Pressemitteilung die Vorstände der Bayerischen Staatsforsten, Martin Neumeyer und Reinhardt Neft, sowie Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber auf die Situation im Steigerwald hingewiesen. Die Vereinsmitglieder und viele Bürger seien entsetzt, dass nun bereits zahlreiche dicke Bäume der Säge zum Opfer gefallen sind. Viele wirklich „dicke“ Bäume, sogar mit einem Durchmesser in Brusthöhe von über 80 Zentimeter seien dabei. Auch krasse Fälle von über 140 Jahre alten gefällten Buchen fänden sich darunter, behauptet der Verein.

Auch die Bayerischen Staatsforsten in Regensburg haben sich zu Wort gemeldet. Demnach haben am Dienstag Mitarbeiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Bamberg den kritisierten Hieb in der Waldabteilung Steinkreuz überprüft. Nach mündlicher Aussage dieser Mitarbeiter gebe es keinen Grund zur Beanstandung, so der Sprecher der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) in der Zentrale in Regensburg, Jan-Paul Schmidt. Es sei bestätigt worden, dass der Hieb sehr vorsichtig geführt worden sei. Und die Förderung der Eiche sei klar erkennbar, so Schmidt weiter.

Der Nationalparkverein bezeichnet das Absägen von dicken Bäumen in einem Wald, der wie kein anderer in Franken unter Beobachtung stehe, hingegen als eine Respektlosigkeit und Provokation. Der Vorstandsvorsitzende der BaySF Martin Neumeyer hätte zugesagt, dass in diesem Winter keine dicken Bäume fallen würden. Jetzt heiße es aber: „dick“ sei über 80 Zentimeter. Nachdem diese Starkbäume jedoch ohnehin als Methusalembäume geschützt waren und sind, werde offensichtlich, dass hier getrickst werde, heißt es dazu in der Pressemitteilung des Vereins.

Und weiter: Bürger seien tief empört über diese brachialen Einschnitte. Dies umso stärker, weil klar werde, dass Zusagen und Selbstverpflichtungen der Bayerischen Staatsforsten nicht eingehalten würden. Man können dem Bürger nicht derart die Gewalt der Staatsmacht demonstrieren. Die Reaktionen der Steigerwälder würden von "Unverständnis, persönlicher Verzweiflung bis zur blanken Wut reichen".

Der Verein Nationalpark Steigerwald fordert die Bayerischen Staatsforsten dringend auf, Zusagen einzuhalten und die Fällungen, speziell der kartierten Starkbäume, unverzüglich einzustellen. Jede Starkbuche im ehemaligen Klosterwald sei genau per GPS eingemessen und dokumentiert worden und könne so detailliert nachgewiesen werden. Es könne nicht sein, dass Rendite vor Naturschutz gehe.

Schließlich habe das Bundesverwaltungsgericht bereits am 31. Mai 1990 entschieden: „Die Bewirtschaftung des Körperschafts- und Staatswaldes dient vorrangig der Umwelt- und Erholungsfunktion des Waldes, nicht der Sicherung von Absatz und Verwertung forstwirtschaftlicher Erzeugnisse“. Deshalb solle der „Hohe Buchene Wald“ nach Meinung des Vereins Nationalpark Steigerwald als nutzungsfreies Schutzgebiet ausgewiesen werden. Umso mehr, als laut Koalitionsvertrag der aktuellen Staatsregierung aus CSU und Freien Wählern, zehn Prozent der Staatswälder aus der Nutzung genommen werden sollen.

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