Grafenrheinfeld

Netzausbau: Eine Trasse entfällt, die zweite kommt als Erdkabel

Der Protest hat sich gelohnt: Die geplante Wechselstromtrasse P44 von Thüringen nach Grafenrheinfeld wird nicht gebaut. Die Schattenseite: P43 wird kommen.
Symbolbild Energie
Symbolbild Energie Foto: Uli Deck

Die Bayerische Staatsregierung spricht von einer spürbaren Entlastung, Landrat Florian Töpper sieht aber nur einen Zwischenschritt in der von Bund und Land erzielten Einigung bezüglich der umstrittenen Netzausbauprojekte P43 und P44. Demnach haben sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sowie die Amtskollegen aus Hessen und Thüringen darauf verständigt, dass die geplante Wechselstromleitung P44 von Thüringen nach Bayern komplett gestrichen und somit keine neue Trasse durch die Haßberge nach Grafenrheinfeld gebaut wird. Die andere Wechselstromleitung P43 aus Hessen mit Endpunkt in Bergrheinfeld aber wird dennoch kommen. Sie soll aber als Erdkabel realisiert werden.

"Die Einigung zum Netzausbau enthält Licht und Schatten", kommentieren denn auch Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber und Landtagsabgeordneter Gerhard Eck die am Dienstag von der Bayerischen Staatsregierung verkündete Einigung zum Netzausbau. Positiv sei, dass die geplante Trasse P44 komplett entfalle. Hier habe der gemeinsame Einsatz von Bürgern, Kommunen, Abgeordneten, Initiativen und Verbänden Wirkung gezeigt. Die Region hatte im Oktober 2017 ihren Widerstand gegen weitere Stromtrassen mit Endpunkt in Bergrheinfeld/Grafenrheinfeld in einer gemeinsamen Resolution manifestiert.  Die Schattenseite aber sei, dass die andere Wechselstromleitung P43 vom hessischen Mecklar nach Bergrheinfeld in den Bundesbedarfsplangesetz aufgenommen wird. "Seit 2015 haben wir dafür gekämpft, dass diese Trasse nicht bei uns endet", verweisen Weisgerber und Eck in einer gemeinsamen Pressemitteilung auf die hohe Belastung der Region durch bereits bestehende Stromtrassen. Sie fordern daher, dass P43 in der Region komplett als Erdkabel verlegt wird, wenn möglich zeitgleich und gebündelt mit dem Gleichstromkabel von SuedLink. 

"Warum fällt dann nicht auch P43 weg, wenn eine Trasse nicht ohne die andere sein kann."
Landrat Florian Töpper

Landrat Florian Töpper zeigt sich bezüglich der Entscheidung zur Trasse P44 zwar zufrieden, insbesondere weil das bislang unberührte Schweinfurter Oberland nun keine Durchschneidung mit einer Stromtrasse mehr befürchten muss. Andererseits sieht er in dem Wegfall von P44 aber nur eine Zwischenlösung. Denn bislang sei stets argumentiert worden, dass P43 und P44 nur als gemeinsames Vorhaben verwirklicht werden können, um netzdienlich zu sein. "Warum fällt dann nicht auch P43 weg, wenn eine Trasse nicht ohne die andere sein kann", fragt Töpper.

Hubert Aiwanger hatte als neuer bayerischer Wirtschaftsminister bei seinem Besuch im November 2018 in Bergrheinfeld ein "Gegenmodell" angekündigt, das nach Möglichkeit neue Stromleitungen verhindern sollte. Mit einer langlaufenden erdverkabelten Wechselstromleitung P43 werde aber genau wie mit dem SuedLink die geplante Form der zukünftigen Energieerzeugung zementiert und eine weitergehende Dezentralisierung, wie sie der Landkreis Schweinfurt stets gefordert habe, verhindert, sagt Töpper. Was die Entlastung der Region anbetrifft, stellt er nüchtern fest, dass nun gerade mal eine Trasse weniger als geplant errichtet wird. "Die damals von den bundespolitischen Mandatsträgern getroffenen Aussagen, dass von fünf Leitungen vier nicht kommen werden, haben sich nicht bestätigt und damit die Glaubwürdigkeit der Politik in diesem Bereich weiter geschädigt." Der Gemeinde Bergrheinfeld sagt der Landrat weiterhin die Unterstützung des Landkreises zu.

"Wir kämpfen weiter", kündigt auch die Bürgerinitiative "Bergrheinfeld sagt Nein" an. Der Wegfall von P44 sei zwar ein Erfolg, so deren Sprecher Norbert Kolb, das Festhalten an P43 und am SuedLink aber keine nachhaltige Entlastung für die Region.

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