SENNFELD

Netzwerkprojekt für Flüchtlinge: Bessere Chancen haben

Flüchtlingsprojekt Die Diakonie Schweinfurt trägt das

Netzwerkprojekt Elternbegleitung im Mainbogen

Die neu gegründete internationale Mutter-Kind-Gruppe in Gochsheim, geleitet von Susanne Bartsch (zweite von rechts), ist eine Maßnahme des Netzwerkprojekts Elternbegleitung. Mütter und ihre Kinder können sich dort austauschen und aussprechen. Foto: Silvia Eidel/Diakonie

Geflüchtete junge Eltern, Mütter und ihre kleinen Kinder, müssen mehr ins Blickfeld genommen werden. Gerade sie brauchen Begleitung, damit sie hier, in einem für sie fremden Kulturraum, schneller Fuß fassen. Und damit die Kinder ihre Entwicklungspotenziale nutzen können. Diese Ziele nennt das Projekt „Netzwerk Elternbegleitung Schweinfurter Mainbogen“, das die Diakonie Schweinfurt im Rahmen eines Bundesmodellprogramms trägt.

50 Standorte gibt es deutschlandweit für das Projekt „Starke Netzwerke Elternbegleitung für geflüchtete Familien“, das das Bundesfamilienministerium fördert. Einer liegt im Schweinfurter Mainbogen, in den Gemeinden Gochsheim, Grafenrheinfeld, Grettstadt, Röthlein, Schwebheim, Sennfeld. Die Diakonie Schweinfurt, die die Asylsozialarbeit in Stadt und Landkreis Schweinfurt ausübt, hat sich darum beworben, erläuterte Vorstand Pfarrer Jochen Keßler-Rosa bei der Vorstellung im evangelischen Gemeindehaus „Senntrum“ in Sennfeld.

Dort gibt es bereits seit zwei Jahren ehrenamtliche Flüchtlingshilfe, in einem ökumenischen Projekt, wie Pfarrer Stefan Stauch unterstrich. Auch in den anderen Mainbogengemeinden bildeten sich längst Helferkreise, teilweise auch Begegnungscafés, also beste Voraussetzungen für das geplante Elternprojekt.

Ziel: Informationen sollen fließen

Denn die Hauptamtlichen der Diakonie und die ehrenamtlich Engagierten haben gemerkt, dass viele Flüchtlinge nicht in die angebotenen Sprechstunden oder zu den Beratungsangeboten kommen, weil sie nichts davon wissen oder es nicht verstehen. „Aber wir müssen dafür sorgen, dass die Informationen fließen“, sagte Keßler-Rosa. Gerade aus den Erfahrungen einer schlechten Integration von 2015 heraus, wo sich zu wenig um die Geflüchteten gekümmert wurde.

Für den Zeitraum von Mai 2017 bis Dezember 2020 stellt das Bundesfamilienministerium der Diakonie nun 200.000 Euro für Mitarbeiterinnen und Honorarkräfte zur Verfügung, die Diakonie muss das Projekt darüber hinaus mitfinanzieren. Eingebunden sind Netzwerkpartner wie Evangelisches Bildungswerk, das Amt für Jugend und Familie am Landratsamt, aber auch die Allianz Schweinfurter Mainbogen oder Schwangerenberatungsstellen.

Niederschwellig, also einfach zu erreichen für die jungen Flüchtlingsfamilien und -mütter, muss die Begleitung angelegt werden, erläuterte Monika Hofmann, die das Netzwerk-Projekt leitet. Wie alle anderen einheimische Familien auch sollen sie Zugang zur frühen Bildung haben, zur Krippe, Kita, zum Arztbesuch oder zur Bibliothek. Denn dass deutsches Leben den Flüchtlingen viele Orientierungsprobleme bereite, verdeutlichte sie am Beispiel eines aufgehängt präsentierten Hartz IV-Antrags mit einer Vielzahl von Formularblättern.

Mutter-Kind-Gruppen eingerichtet

Konkret wurden Mutter-Kind-Gruppen in Grafenrheinfeld und Gochsheim eingerichtet. Darüber hinaus sorgte Kerstin Stauch auch in den Conn-Barracks bei Geldersheim, einer Gemeinschaftsunterkunft mit derzeit 200 Flüchtlingen, für solch eine Gruppe. Denn dort leben immer mehr Familien, darunter aktuell 26 Kleinkinder bis sechs Jahre - ohne Krippen- oder Kitaplatz. Anders als in den Mainbogen-Dörfern „ist dort in den ehemaligen Soldatenunterkünften eine bedrückende Atmosphäre“, meint Stauche. Die Mütter sind den ganzen Tag mit ihren Kindern allein, Kontakte untereinander aufgrund unterschiedlicher Nationen nicht einfach.

In den internationalen Mutter-Kind-Gruppen geht es neben alltäglichen Dingen auch um Informationen über Impfungen für die Kinder. Oder um Möglichkeiten eines Besuchs beim Frauenarzt. Oder um Verhütungsmittel.

„Wir haben gemerkt, die Muttis brauchen Hilfe“, berichtet beispielsweise Susanne Bartsch, die in Gochsheim auch zu den Familien hingeht. Beispielsweise hat sie für eine Hausaufgabenhilfe für drei syrische Flüchtlingskinder eine 10. Schulklasse als Paten gefunden. Netzwerken, auch mit den Schulen, den Kitas, aber auch Ärzten, ihnen die anschaulichen Infopakete anbieten, das zähle ebenfalls zu den Maßnahmen, sagte Hofmann.

Von der „Familienzeit“ in der evangelischen Kita Sennfeld erzählte Erzieherin Saskia Peter. Zunächst gab es ein Projekt mit einem Kinderbuch, das auf Deutsch, Arabisch und Farsi erschienen ist und mit den Kindern gemeinsam angeschaut werden konnte. Seit September steht Backen und Kochen hoch im Kurs. Dazu kommen die Eltern in die Kita, um gemeinsam Leckeres auszuprobieren. „Heute gibt es Muffins“, freuten sich vier Kita-Kinder. Der Kontakt zu den Flüchtlingseltern, so berichtet die Erzieherin, sei dadurch viel besser geworden.

Wie umfangreich und für Flüchtlingsfamilien kaum zu bewältigen ein Hartz IV-Antrag ist, verdeutlichte im Senntrum diese Präsentation der Formulare für einen einzigen Antrag.
Zweisprachige Kinderbücher ermöglichen gemeinsames Betrachten von deutschen und ausländischen Kindern.

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