KUNSTSALONG

Neue deutsche Romantik und eigenwillige Gefäße

Elisabeth Tgahrt-Philipp: Aus der Serie „running boxes“.
Elisabeth Tgahrt-Philipp: Aus der Serie „running boxes“.

Ausstellungen von Künstler-Paaren sind immer spannend, denn die meisten arbeiten zwar in ganz unterschiedlichen Techniken zu unterschiedlichen Themen, ihre Werke können aber meist sehr gut nebeneinander stehen, ergänzen sich, zeigen vielleicht zwei Seiten einer Medaille. Auch das Ehepaar Elisabeth Tgahrt-Philipp und Ulrich Philipp kommt aus zwei künstlerischen Richtungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: sie ist Keramikerin, er Fotograf. Gemeinsam ist ihren Arbeiten ein gesellschaftskritischer Aspekt. Und der resultiert aus ihrem jahrzehntelangen Engagement, unter anderem für die Organisation amnesty international.

Unter dem Titel „Zeitzeichen – Doppelspiel“ stellt der Kunstverein ab 26. Juni Werke der beiden Schweinfurter Künstler aus. Elisabeth Tgahrt-Philipp arbeitet seit den 1960er-Jahren mit dem Werkstoff Ton. Ihr Thema ist nach wie vor das klassische Gefäß. Aber seit Jahren spielt sie mit dessen Form, löst sie manchmal auf, arbeitet ungewöhnliche Materialien ein oder benutzt die Oberfläche als Untergrund, auf dem sich schreiben und drucken lässt. In der jüngsten Serie haben ihre Gefäße Beine bekommen. Die Keramikerin, die lange in Canada gelebt hat, nennt sie „running boxes“. Eine dieser Boxen hat nicht nur viele Augen, die auf beweglichen Antennen ihre Umgebung beobachten, sondern auch neun Beine. Aber nur acht gehen gemeinsam in eine Richtung, das neunte Bein stemmt sich gegen den Strom.

Ulrich Philipp kaufte sich schon 1959 seine erste Kamera, eine Zeiss Ikarex. Seit dieser Zeit setzt sich der Autodidakt mit der Fotografie auseinander. Philipp arbeitet oft in Serien an einem großen Thema. Ein wesentliches Element kann man als „inszenierte Wirklichkeit“ bezeichnen. Das heißt, Philipp setzt seine Bilder aus unterschiedlichen Fotografien zusammen. Damit will er eine neue Perspektive auf bekannte Orte oder Themen geben.

Seine aktuelle Serie „Neue deutsche Romantik“ nimmt zwar formal Bezug auf Caspar David Friedrichs Landschaftsbilder – im Vordergrund ist immer eine Person oder eine Gruppe von hinten zu sehen, die in die Landschaft blickt – aber bei Philipp sind die Landschaften alles andere als romantisch. Er zeigt Kernkraftwerke oder vom Bergbau zerstörte Gegenden.

Außerdem gibt es – passend zum Ausstellungsort in der Kunsthalle – ein Wiedersehen mit der Serie, die Ulrich Philipp vor Jahren im gerade geschlossenen Ernst-Sachs-Bad gemacht hat.

Die Philipps: Die Ausstellung im Salong des Kunstvereins wird am Donnerstag, 25. Juni, 19 Uhr, eröffnet und ist bis 12. Juli zu sehen.

Ulrich Philipp: Aus der Serie „Neue deutsche Romantik“.
Ulrich Philipp: Aus der Serie „Neue deutsche Romantik“. Foto: Ulrich Philipp

Rückblick

  1. Voller Gefühl und mit Seele
  2. Ein angstfreies und virtuoses Spiel
  3. Wie ein Museum zum Verschiebebahnhof wird
  4. Eine ganz besondere Wand
  5. Neue Stücke im kommenden Spielplan
  6. Rückblick und Ausblick
  7. 30 Künstler beim Kunst-Kaufhaus
  8. Die Spraybanane und die Freiheit
  9. Die Stadt mit anderen Augen sehen
  10. „Talent kennt kein Geschlecht“ bis 12. Juli im MGS
  11. Tiere und Heilige prägen sein Werk
  12. Ausgrabungen mit neuen Erkenntnissen
  13. Braun sind meine Farben
  14. Das „kom,ma“ startet wieder
  15. Treffen unter dem Nussbaum
  16. Kunst mit allen Sinnen erleben
  17. „Kunst Club“ für Kinder
  18. Kräuterdüfte, Gerstensaft und Wein
  19. Hula und Salsa mit Abstand
  20. Ludger Hinses Ausstellung „Lich T Raum“ bis 5. Juli
  21. Peter Wörfel stellt in Dresden aus
  22. Wegen Corona: Museumsfest ist abgesagt
  23. Schweinfurts Theater in Zeiten der Corona-Krise
  24. Neue Theaterspielzeit
  25. Neue Theaterspielzeit
  26. Neue Theaterspielzeit
  27. Neue Theaterspielzeit
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  30. Neue Theaterspielzeit
  31. Neue Theaterspielzeit
  32. Neue Theaterspielzeit
  33. Neue Theaterspielzeit
  34. Neue Theaterspielzeit
  35. Kunsthalle zeigt Werke von Beuys
  36. Das Museum Georg Schäfer verlängert Sonderausstellung
  37. Die Schätze des Schweinfurter Kunstvereins
  38. Neues, Bewährtes, Überraschendes
  39. Objekte mit ganz viel Geschichte
  40. Schweinfurts Kultur öffnet sich wieder
  41. „Zwischenräume“ und „Aufbruch“
  42. Franz Xaver Müller ist gestorben
  43. Der Hirnschrittmacher des Kabaretts
  44. Neue Ideen für digitales Lernen sind gefragt
  45. Von Hexen, Pest und Volksfesten
  46. Ein „Nick-Pick“ im Atelier
  47. Erfolgreiche Spendenaktion
  48. Nachsommer wird ausgesetzt
  49. Das ganz besondere Nachsommer-Gefühl
  50. Poetry Slam hat sich etabliert

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