Geldersheim

Neues Denken zwischen Fernost und Wildwest

Der 'Herr der Schöpfung' dreht sich mit der Zeit selbst das Wasser ab: Gisbert Niklaus und Claudia Cebulla vor dem Bild 'Gezeiten'.
Der "Herr der Schöpfung" dreht sich mit der Zeit selbst das Wasser ab: Gisbert Niklaus und Claudia Cebulla vor dem Bild "Gezeiten". Foto: Uwe Eichler

Niemand tritt die Natur ungestraft mit Füßen. An diesem Abend ging es zufällig gleich zweimal um Schlangen, die für die Indianer in enger Verbindung mit der Schöpfung stehen. Im "Dschungelcamp" sorgte ein harmloses Exemplar für Panik unter zivilisationsgeschädigten Zweibeinern. Kurz zuvor, zur Eröffnung der Ausstellung "Phantastischer Realismus" in der Gadengalerie, hatte Künstler Gisbert Niklaus, Jahrgang 1961, von einer Motorradreise durch Vietnam berichtet.

Die Erdtunnel aus dem Krieg gibt es noch immer. Versuchten die GIs den "Vietcong" aufzuspüren, kamen wechselseitig Giftschlangen zum Einsatz. Die Folgen der Dschungel-Apokalypse, vor allem des Entlaubungsmittels Agent Orange, sind nach wie vor sichtbar, in Form verstümmelter Bäume und Kinder. "Indianischer Kultur & Zen-Buddhismus" sind die Denkansätze des Üchtelhäusers, der sich mit dem Fernen Osten ebenso beschäftigt wie mit dem "Wilden Westen". Gitarrist Wilfried Höhne und Tochter Theresa Balling steuerten westliche Songs zur Vernissage bei, aber auch ein chinesisches Liebeslied.

Entfremdung von natürlichen Gegebenheiten

Die Bilder und Skulpturen erzählen vom (selbst-)zerstörerischen Umgang mit der Natur und indigenen Völkern. "In was für einer Welt leben wir eigentlich?" Claudia Cebulla schlug als Vorsitzende des Gadenvereins den Bogen zu Alexander Gerst, der auf der Raumstation ISS den wunderschönen blauen Planeten bewundert hat. Zugleich eine Welt voll sinnloser Kriege und Umweltzerstörung, die "nicht im allerbesten Zustand" an die Enkel weitergegeben wird. "Die Erde hat keinen Mittelpunkt mehr", nennt sich eines der Werke von Gisbert Niklaus, in denen es um die Konsequenzen der Entfremdung von "natürlichen Gegebenheiten" geht. Bekannt wurde der gelernte SKF-Maschinenschlosser durch den Totempfahl an der Uferpromenade der Stadt, ebenso mit Airbrushbildern auf Motorradtanks oder Garagentoren. Auf dem zweiten Bildungsweg folgten einige Semester Physik, in Bayreuth. Das Mitglied im Künstlerkreis Schweinfurter Oberland hat zahlreiche Ausstellungen organisiert, nicht zuletzt im bedrohten Kunstreservat der "Kirchbergschule Üchtelhausen".

Immer eine Botschaft

Manche der Gemälde erinnern an Dalí: Anders als der Surrealist male er nicht unbewusst, es gebe schon eine Botschaft, sagt Niklaus. Die Werke, in Öl, Airbrush oder Acryl, drehen sich um 500 Jahre Ausbeutung Amerikas oder um "Wounded Knee", Ort des Massakers von 1890 wie von Indianerprotesten der 70er Jahre. Am Treppenaufgang findet sich ein indianischer Sinnspruch, neben Lederschuhen: "Großer Geist, bewahre mich davor, über einen Menschen zu urteilen, ehe ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin". Besucher können eine Weile durch die Bilderwelt des Gisbert Niklaus gehen: Sonntags von 15 bis 17 Uhr, bis einschließlich 24. März.

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