Gerolzhofen

Neues Schuljahr: Von vollen und leeren Lehrermärkten

Das Schuljahr 2019/20 beginnt. Wie sind die fünf Gerolzhöfer Schulen aufgestellt? Und lassen sich Hotelbau und Unterricht in nächster Nachbarschaft vereinen?
Die Schulranzen werden wieder gepackt. Für rund 1500 Schüler und 160 Lehrer beginnt an diesem Dienstag der Unterricht an den fünf Gerolzhöfer Schulen.
Die Schulranzen werden wieder gepackt. Für rund 1500 Schüler und 160 Lehrer beginnt an diesem Dienstag der Unterricht an den fünf Gerolzhöfer Schulen. Foto: Ole Spata

Knapp 1500 Schüler vom ABC-Schützen bis zum Zehntklässler an Realschule und Gymnasium schlagen in Gerolzhofen ab diesem Dienstag wieder Bücher und Hefte auf oder schalten digitale Lernmittel ein, um fürs Leben zu lernen. Die großen Ferien sind vorbei, der Alltag kehrt für die meisten wieder ein. Das gilt auch für etwa 160 Lehrer an den fünf Gerolzhöfer Schulen.

Noch kein Alltag ist die Schule für die 67 Erstklässler an der Grundschule Gerolzhofen. Diese Zahl würde um 20 höher liegen, wenn da nicht der neue Einschulungskorridor wäre. Bisher war ein Kind, das bis zum 30. September sechs Jahre alt wurde, schulpflichtig. Jetzt können Eltern, deren Sprösslinge zwischen Juli und September sechs werden, entscheiden, ob sie ihr Kind in die Schule schicken oder es ein Jahr zurückstellen lassen.

Die Eltern von 20 ABC-Schützen haben von diesem Recht Gebrauch gemacht, erklärt Grundschulrektor Helmut Schmid. Das ist eine ganze Klasse. Somit wird es zum Start für das Schuljahr 2019/20 nur noch drei statt bisher vier Klassen der ersten Jahrgangsstufe geben.

Dazu kommen von vier auf drei reduzierte zweite, vier dritte und vier vierte Klassen mit Schülerzahlen zwischen 18 und 27. In die Grundschulstandorte in Gerolzhofen am Lülsfelder  Weg und in die Grabenschule gehen 217, in die in Oberschwarzacher Schule 104 Kinder.

Dünne Personaldecke

Mit 31 Lehrern ist die Personaldecke sehr dünn, berichtet Helmut Schmid. Er bedauert, dass sich die Schule über das Pflichtstundenmaß hinaus nichts leisten kann, etwa im musischen, künstlerischen oder sportlichen Bereich. "Der Lehrermarkt ist bei Grund- und Mittelschulen leer gefegt", erklärt Schmid. So kommt es, dass jetzt zwei sogenannte Zweitqualifikanten an der Grundschüler Gerolzhofen unterrichten. Das sind gelernte Gymnasiallehrer, die eine zusätzliche Qualifikation für die Grundschule hinter sich gebracht haben.

Spannend wird das neue Schuljahr besonders für Lehrer und Schüler an der Grabenschule. Im September beginnen nämlich die Bauarbeiten für das 110-Betten-Hotel "Wilder Mann" in unmittelbarer Nachbarschaft der Schule. Für den Fall, dass die Bauarbeiten doch zu laut werden, ist bereits vorgesorgt. "Wir haben uns schon Räume im VHS-Gebäude an der Pestalozzistraße und in der Mittelschule angeschaut. Dorthin können wir zur Not ausweichen." Bei Vorgesprächen hätten sowohl Bauherr Rainer Krapf als auch Bürgermeister Thorsten Wozniak bestens kooperiert.

Für die Eltern der Schüler in der Grabenschule wird es zu Schuljahresbeginn einen eigenen Informationsabend geben, bei dem auch der Bürgermeister und Rainer Krapf anwesend sein werden. Dabei geht es auch um die Schulwegsicherheit im Umfeld der Großbaustelle.

Quereinsteiger im M-Zug

330 Schüler gehen in der Mittelschule an den Start. Sie sind  in 15 Klassen (eine weniger als im Vorjahr) zwischen 17 und 29 Schülern eingeteilt. Zum ersten Mal seit längerem gibt es wieder zwei 10. Klassen mit zusammen 45 Schülern, die die Mittlere Reife anstreben. Hier berichtet Rektor Horst Fröhling von etlichen Quereinsteigern in den M-Zug, die aus der eigenen Schule, der Realschule oder dem Gymnasium kommen.

Auch Horst Fröhling spricht von einer knappen Stundenzuteilung, die wie an der Grundschule auf Lehrermangel zurückzuführen ist. An der Mittelschule unterrichten 34 Lehrer, 28 davon sind Stammkräfte. Es gibt eine mobile Reservekraft in Vollzeit. "Hoffentlich behalten wir die möglichst lange", meint der Schulleiter.

Mit 455 Schülern ist die Ludwig-Derleth-Realschule die größte Bildungseinrichtung in der Stadt. Anders als ihre Kollegen von Grund- und Mittelschule weist Rektorin Elisabeth Grimanelis auf eine gute Versorgung mit Lehrern hin. An der Schule unterrichten rund 40 Lehrkräfte. Sie verfügt über 28 zusätzliche Stunden, um Unterrichtsausfall zu kompensieren und Angebote über den Regelunterricht hinaus machen zu können. "Wir haben vier zusätzliche Planstellen, damit bin ich rundum zufrieden", freut sich Grimanelis. Der Schulleiterin steht mit Stefan Greb auch ein neuer Konrektor zur Seite.

74 Realschulneulinge

19 Klassen von 15 bis 29 Schülern gehen in der Realschule ins neue Schuljahr, davon 74 als Realschulneulinge. Neu im Lehrplan für die 7. Klassen ist das Thema Digitalisierung. Hier sollen sich die Schüler soziale und rechtliche Kompetenzen aneignen und einen Medienführerschein erwerben.

275 von etwa 1000 Schülern am Frankenlandschulheim Schloss Gaibach (FLSH) gehen in die Außenstelle Gerolzhofen. "Wir haben hier den Vorteil des großen Bruders in Gaibach", sagt Außenstellenleiter Joachim Müller. Bei Ausfall einer Lehrkraft kann er auf einen großen Pool von rund 100 Kollegen zurückgreifen. Im Normalfall sind von diesen 100 Lehrern am FLSH rund 50 auch in Gerolzhofen im Einsatz.

Das wiedereingeführte G-9-System kommt im neuen Schuljahr bei den siebten Klassen an. Ab der achten Klasse wird noch nach G 8 unterrichtet. Die G-8-Schüler bleiben bis zum Abitur in diesem System, erklärt Joachim Müller, ein Wechsel ab dieser Stufe ist nicht mehr möglich. Im G-9-Lehrplan wird unter anderem mehr Wert auf Medienausbildung gelegt als in G 8. In Gerolzhofen haben die Gymnasiasten die Wahl zwischen dem sprachlichen, dem naturwissenschaftlich-technologischen und dem wirtschaftswissenschaftlichen Zweig.

Nachmittagsbetreuung wird wichtiger

Gut angenommen wird nach Aussage von Joachim Müller die Offene Ganztagsschule für Fünft- bis Achtklässler. 21 Schüler besuchen sie und bekommen am Nachmittag eine strukturierte Hausaufgabenbetreuung. Diese Einrichtung wird in Zukunft noch wichtiger werden, weil durch die Rückkehr von G 9 weniger Nachmittagsunterricht stattfindet, so dass Schüler mit berufstätigen Eltern stärker auf eine Nachmittagsbetreuung angewiesen sind.

Gleich neben Realschule und Gymnasium liegt die Julius-Kardinal-Döpfner-Schule, ein Förderzentrum für Sprache. Im Schulbereich gibt es eine erste und eine zweite Klasse mit elf beziehungsweise zwölf Kindern. Der Einzugsbereich kann nicht so exakt festgelegt werden wie bei einer Sprengelschule. Er ist in etwa deckungsgleich mit dem Landkreis Schweinfurt.

Neben der Schule gibt es die Schulvorbereitende Einrichtung für Kinder von drei bis sechs Jahren, deren Sprachentwicklung gestört ist. Diese Einrichtung besuchen 47 Kinder. Die vier Gruppen werden von je zwei Förderpädagogen betreut. An der von Simone Bernard geleiteten Schule gibt es ebenfalls eine heilpädagogische Tagesstätte.

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