SCHWEINFURT

Neujahrsempfang: Schweigeminute für Terror-Opfer

Was hat die Stadt bewegt? Beim Neujahrsempfang in der Rathausdiele blickte OB Sebastian Remelé auf das Jahr zurück. Foto: Anand Anders

„Je suis Charlie“: „Ich bin Charlie“, der Slogan, mit dem seit dem Attentat auf die französische Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ Menschen weltweit ihre Anteilnahme und Bestürzung ausdrücken, spielt auch beim Neujahrsempfang der Stadt eine Rolle. Eine Frau trägt ihn am Revers. Das Attentat ist bei vielen Gesprächen Thema. Irgendwie kann keiner so recht fassen, was da passiert ist. Oberbürgermeister Sebastian Remelé bittet um eine Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer. „Das geht uns alle an“, sagt er. „Hier werden europäische Werte bedroht, die Grundrechte Meinungs-und Pressefreiheit.“

Fotoserie

Neujahrsempfang Stadt, Rathausdiele

zur Fotoansicht

Was so ernst anfängt, entwickelt sich zu einem Rückblick auf die prägenden Ereignisse für und in der Stadt. Und es geht auch immer um die große Politik: Weltweite Ereignisse, die sich auf die Stadt auswirken. Trends, die nicht nur in Schweinfurt aktuell sind. Geringe Wahlbeteiligung zum Beispiel. Bei den Stadtratswahlen 2008 gingen 45,12 Prozent zur Wahl. Beim ersten Wahlgang der OB-Wahl 2010 47,55 Prozent, vergangenes Jahr lag die Beteiligung bei der Stadtrats-und OB-Wahl bei 42,6 Prozent. „Wenig schmeichelhaft für unsere Stadt“. Die Erklärungen der Wahlexperten seien auch nicht befriedigend: entweder ein schlechtes Zeichen, weil die Bürger desinteressiert seien oder ein positives Signal für allgemeine Zufriedenheit.

Als zentrales Ereignis 2014 sieht Sebastian Remelé den Abzug der Amerikaner im September 2014. Damit verbunden die Frage, was aus den gut 100 Hektar städtischer Flächen werden soll, die nach dem Abzug frei sind. Es geht aber auch darum, die außenpolitischen Interessen Europas und den Schutz der Grenzen jetzt selbst übernehmen zu müssen. „Wir werden bald die Frage beantworten müssen, wie lange Europa noch zusehen will, wie an seinen Rändern Mörderbanden grausamste Verbrechen angeblich im Namen des Islam begehen.“ Die Folgen dieses Vernichtungsfeldzuges werde man in Schweinfurt konkret im Sommer spüren, wenn auf dem Gelände der Ledward-Kaserne eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber eröffnet. Remelé spricht in diesem Zusammenhang von zwiespältigen Reaktionen in der Bevölkerung. Verständnis und Hilfsbereitschaft war zu spüren, es gab aber auch kritische Töne. „Nicht immer sachlich, auch auf primitivstem Niveau.“ Auch diese Stimmen müsse man hören. „Alle kritischen und skeptischen Bürger in die so genannte rechtsradikale Ecke zu stellen, ist nicht nur allzu bequem, sondern ignorant.“ Remelé sieht die Bundesregierung in der Pflicht, ein qualifiziertes Einwanderungsrecht zu schaffen, unterscheidet zwischen Kriegsflüchtlingen und Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen kommen.

Im Juli werden wohl die ersten Menschen in die Erstaufnahmeeinrichtung einziehen. Keinem Schweinfurter werde es dann schlechter gehen, keinem werde Wohnraum genommen, keiner verliere seinen Arbeitsplatz. „Vergessen wir nicht, dass bis vor kurzem 12 000 Amerikaner bei uns gelebt haben, die Aufnahme von 500 Flüchtlingen und Asylbewerbern kann daher unsere Kräfte nicht überfordern, vielmehr kann Zuwanderung bei entsprechender Integrationsbereitschaft und Integrationsfähigkeit beider Seiten zum Nutzen werden.“ Generell sei Konversion nicht nur eine Herausforderung. Sie eröffne auch ungeahnte Chancen für die Zukunft. In Askren Manor entsteht Wohnraum, da

s Gelände der Conn Barracks soll zu einem Gewerbepark werden.

Große Politik kommt wieder beim Thema Energie zum Zug. Mit der Eröffnung des ersten Windparks haben die Stadtwerke Pionierland betreten. Dies sei ein Beitrag zur Energiewende, drängende Fragen zur Energiesicherheit seien aber noch unbeantwortet. Auch nach Abschaltung der letzten Kernkraftwerke müsse Strom sicher, finanzierbar und zuverlässig fließen. Viele fordern zwar die Energiewende, protestieren jedoch, teilweise angeführt von Bürgermeistern und Landräten, wenn sich Auswirkungen in ihrer Nähe zeigen. Vielleicht hätte man reinen Wein einschenken sollen beim „überhasteten Ausstieg“ aus der Kernenergie. Niemand durfte davon ausgehen, die Energiewende sei schmerzfrei oder trage zur Landschaftsästhetik bei.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Schweinfurt
  • Susanne Wiedemann
  • Anschläge
  • Attentate
  • Charlie Hebdo
  • Energiewende
  • Grundrechte
  • Pressefreiheit
  • Sebastian Remelé
  • Terrorismus
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!