GEROLZHOFEN

Nicht nur die Spuren waren verweht

Stadtführerin Evamaria Bräuer erläuterte die Inschrift am Grabstein des ehemaligen Gerolzhöfer Lehrers Joseph Löb Kellermann.
Stadtführerin Evamaria Bräuer erläuterte die Inschrift am Grabstein des ehemaligen Gerolzhöfer Lehrers Joseph Löb Kellermann. Foto: Peter Pfannes

Der Grabstein des ehemaligen Gerolzhöfer Lehrers Joseph Löb Kellermann stand im Mittelpunkt einer Führung über den israelitischen Friedhof in Gerolzhofen.

Stadtführerin Evamaria Bräuer nahm etwa 20 kleine und große Gäste mit auf eine kurzweilige Zeitreise. Die Exkursion auf der letzten Ruhestätte war der Auftakt einer Trilogie unter dem Titel „Verwehte Spuren“. Zentrale Themen sind dabei das „Gedenken“ und das „Erinnern“. Dass trotz des stürmischen Wetters so viele Menschen an der Führung teilnahmen, freute Evamaria Bräuer ganz besonders.

Im Windschatten des Tahara-Hauses neben dem Eingangstor des Friedhofs startete die Tour. Im Tahara-Haus wurden einst die Leichen rituellen Waschungen unterzogen. Wer wollte, konnte im Innern des Gebäudes den originalen Waschstein besichtigen, auf dem die Toten auf das Begräbnis vorbereitet wurden.

Evamaria Bräuer nannte Zahlen und Fakten des 1631 angelegten Friedhofsreals, das an einem Nordhang am Stadtrand liegt. 500 Grabsteine in 44 Reihen stehen 10 000 Quadratmeter als steinerne Zeugnisse. Vielen von ihnen haben Wind und Wetter stark zugesetzt. An ihnen nagt der Zahn der Zeit.

Die Grabsteine sind katalogisiert – eine Arbeit, die Evamaria Bräuer vor 16 Jahren zusammen mit einer Prichsenstädter Schulklasse erledigte. Die Hälfte der Gräber sind nach den Orten und die anderen 50 Prozent nach den Namen der Verstorbenen zugeordnet.

Am Grabstein von Joseph Löb Kellermann ging die Stadtführerin auf den Alltag der Lehrerfamilie in Gerolzhofen ein. Der jüdische Religionslehrer repräsentierte seine Gemeinde gegenüber der Stadt und sei, so Bräuer, ein geachteter Bürger gewesen. Er verstarb am 17. Oktober 1883 und wurde auf dem israelitischen Friedhof Gerolzhofen bestattet. Kellermann hinterließ damals seine Frau mit sieben noch minderjährigen Kindern.

Die Trilogie „Verwehte Spuren“ wird am Freitag, 10. November mit einem innerstädtischen Rundgang fortgesetzt. Unter dem Motto „Erfahren sie mehr zu den Menschen und zur Geschichte der Häuser, in denen sie lebten“, trifft man sich um 15 Uhr in der Bahnhofstraße 16.

Das Finale steigt am Sonntag, 10. Dezember, um 11 Uhr im Foyer des Bürgerspitals in der Spitalstraße 10. Dabei wird die Stadt Gerolzhofen den Kellermanns Sohn Benzion mit der Benennung des Verbindungsweges zwischen Schuh- und Bleichstraße als „Dr.-Benzion-Kellermann-Stiege“ ehren. Der in Gerolzhofen geborene jüdische Reformer verstarb 1923 in Berlin. Er ist auf dem jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee beerdigt.

Zur Person

Evamaria Bräuer ist seit 1993 als ehrenamtliche Stadt- und Museumsführerin im Auftrag der Stadt Gerolzhofen tätig. Weitere Infos gibt es auf ihrer Internetseite unter www.evamaria-braeuer.de

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