SCHWEINFURT

Nichts für Ungeduldige

Ulrich J. Wolff: Der bei Karlsruhe lebende Künstler in seiner Ausstellung in der Sparkassengalerie. Foto: Katharina Winterhalter

Der Laie ahnt nicht, wie viel Zeit, wie viele Arbeitsschritte, wie viel Ausprobieren, Verwerfen und Noch-einmal-darüber-Gehen, wie viel Nachdenken hinter diesen Arbeiten steckt. Radierungen, vor allem in den Kombinationen wie sie Ulrich J. Wolff entwickelt hat, sind nichts für Ungeduldige. An manchen seiner Bilder, die er nun in der Sparkassengalerie zeigt, hat er über Monate gearbeitet. Manchmal, wenn er nicht weiterkommt, legt er ein Bild zur Seite, um es nach Monaten wieder hervorzuholen und ihm dann – in einem letzten Schritt – das zu geben, was noch fehlte.

Warum Radierungen?

Das Thema Druckgrafik hat Wolff schon als jungen Künstler interessiert. Seit mehr als 30 Jahren unterrichtet er nun Radierung und Siebdruck an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, wo er selbst einmal studiert hat: Malerei und Grafik. Längst ist die Radierung in allen möglichen, auch von ihm selbst weiterentwickelten Varianten, sein Hauptmedium. Er ist sich sicher, dass er diese Tiefe und Vielschichtigkeit mit der Malerei nie erreichen würde.

In Schweinfurt zeigt der 60-Jährige, bei Karlsruhe lebende Künstler unter dem Titel „LandStadt“ aktuelle Arbeiten: einerseits abstrakt anmutende Farbradierungen, die zwar den Titel „Landschaft“ tragen, aber eher die inneren Bilder eines auf dem Land aufgewachsenen Mannes zeigen, seine Assoziationen zu Landschaft. Und andererseits faszinierende Aquatinta-Radierungen, denen Fotografien von Ländern und Städten zugrunde liegen.

So unterschiedlich die beiden Gruppen sind, einiges haben sie doch gemeinsam: Alle Arbeiten sind Unikate, was bei Drucktechnik eher ungewöhnlich ist. Alle sind in einem langen Prozess mit unzähligen Arbeitsschritten und mehreren Techniken entstanden und fast alle tragen geheimnisvolle Prägestrukturen, die nur in einem bestimmten Licht gut zu sehen sind. Dazu trägt Wolff den synthetischen Stoff Carborundum an bestimmten Stellen auf die Druckplatte auf. Diese Erhöhungen pressen sich beim Drucken in das sehr kräftige Büttenpapier ein. Diese Prägestrukturen verstärken die Tiefenwirkung und verleihen den Blättern eine fast reliefartige Wirkung. Und sie können, gerade in den Stadtansichten, abstrahierte Akzente in eine gegenständliche Szene setzen.

Mit Licht zeichnen

Bleiben wir bei den schwarzen Foto-Aquatinta-Radierungen. Ausgangspunkt sind Fotografien, die Wolff entweder im Internet findet oder selbst gemacht hat. Die Auflösung spielt keine Rolle, wichtig bei dieser Serie ist nur, dass es Nachtaufnahmen sind. Denn nur in einem Schwarzraum funktioniert seine Idee, mit Weiß, also mit Licht zu zeichnen. Wolff überträgt die digitale Fotografie auf ein analoges Negativ, mit dem die Zinkplatte belichtet wird. Beim Ätzen in mehreren Stufen gehen noch einmal Details der ursprünglichen Aufnahme verloren. Der Prozess ist aufwändig und erfordert die ganze Erfahrung des Druckgrafikers.

In der Sparkassengalerie sind den Stadtansichten Bilder von nächtlichen Wäldern gegenübergestellt. Die Dunkelheit überlagert die großen Unterschiede dieser beiden Erfahrungsräume. Bei Wolff wirken die Megacitys dieser Welt und die Wälder seiner Heimat als geheimnisvolle Orte. Und es kommt auf die Erfahrungen des Betrachters an, ob er das eine oder andere als bedrohlich und abweisend wahrnimmt oder als aufregend, vielleicht sogar beschützend.

Bei einigen Serien gibt Wolff dem dunklen Raum eine viel kleinere monochrome Farbfläche als Partner. Es ist spannend zu sehen, wie stark diese kleine Fläche die Wirkung der Großen verändert, wie sie etwas wegnimmt von deren Wucht.

Diese meist großformatigen Bilder sind sehr beeindruckend und man wünscht sich, lange vor ihnen verweilen zu können. Bei den Landschaften sind die reduzierten am stärksten. Die feinen, in denen die Formen der Fläche genug Raum lassen. In denen der Betrachter einen Blick von oben auf Landschaft sehen oder an eine Kalligrafie denken kann.

LandStadt: Radierungen von Ulrich J. Wolff in der Sparkassengalerie. Bis 11. Dezember.

Großes Format: Eine Stadtansicht als Foto-Aquatinta-Radierung. Foto: Ulrich J. Wolff.

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