Schweinfurt

Niedrige Zinsen machen auch Stiftungen zu schaffen

Stiftungsexperte Chris Fojutn (Zweiter von links) mit den Vorständen der VR-Bank Schweinfurt-Stiftung Frank Hefner, Uwe Benkert und Wolfgang Schech (von links). Foto: Markus Feser

In Deutschland gibt es knapp 23 000 gemeinnützige Stiftungen. Die Zahl der Neustiftungen ist in den letzten Jahren jedoch deutlich zurückgegangen. Von gut 800 auf zuletzt 554. Das hat seine Ursache in der Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank. Vor allem kleinere Stiftungen können kaum noch Ertrag erwirtschaften. Die Folge ist, dass potenzielle Stifter für eine bestehende Stiftung zustiften beziehungsweise spenden.

Auf Einladung der VR-Bank Schweinfurt-Stiftung zum inzwischen etablierten Runden Tisch, zu dem 14 Stiftungen aus der Region eingeladen waren, zeigte der Stiftungsmanager der DZ-Bank, Chris Fojuth, die aus dieser Situation resultierenden rechtlichen Änderungen und mögliche Alternativen auf.

19 Prozent der Stiftungen haben einen Kapitalstock von weniger als 100 000 Euro, 47 Prozent bewegen sich zwischen 100 000 und einer Million Euro, 27 Prozent zwischen einer und zehn Millionen Euro, sieben Prozent verfügen über mehr als zehn Millionen Euro.

Stiftungsrecht soll geändert werden

Die Änderung des Stiftungsrechts läuft seit einiger Zeit im Bundestag, mit Entscheidungen rechnet Fojuth jedoch erst im kommenden Jahr. Dabei gehe es unter anderem um mögliche Satzungsänderungen, etwa die des Satzungszwecks, die Abgrenzung zwischen zu erhaltendem Grundstockvermögen und dem sonstigen Vermögen. Die Umwandlung des Grundstocks- in ein Verbrauchsvermögen. Die Pflicht zur zeitnahen Verwendung des Stiftungserlöses soll ausgedehnt werden. Auch soll die Zusammenlegung von Stiftungen oder deren Kooperation im Detail geregelt werden.

Inzwischen geben sich viele Stiftungsaufsichten nicht mehr damit zufrieden, wenn das Vermögen auf einem Festgeldkonto angelegt ist. Sie verlangen einerseits den Erhalt des Grundstocks, fordern jedoch gleichzeitig dazu auf, risikofreudigerer Anlagen zu treffen. Wie Fojuth erläuterte, müssen die Stiftungsvorstände belegen, dass sie die Risiken sorgfältig abgewogen haben. Dabei sei es durchaus erlaubt, dass das Vermögen über Jahre hinweg schwankt. Ratsam sei es, dass sich Stiftungen Anlagerichtlinien geben.

Kritisch wird auch auf die Verwaltungskostenquote, das Verhältnis von Ertrag und Kosten, geachtet. In großen Stiftungen gibt es auch festangestelltes Personal. Die Quote müsse angemessen sein, betonte Fojuth. In der Praxis liege sie zwischen 20 und 30 Prozent.

Bei der Begrüßung sprach der Vorsitzende der VR-Bank Stiftung und Vorstandschef der Bank, Frank Hefner, von einer angespannten Situation, ausgelöst durch die EZB. Er rechne noch für lange Zeit mit der Niedrigzinspolitik. Auch die VR-Bank-Stiftung sei von der Aufsicht bei der Regierung von Unterfranken angehalten worden, "das Geld nicht einfach auf dem Konto liegen zu lassen".

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