Gerolzhofen

Nützelbachsee als großes Goldfischglas

Wenn der Gartenteich zu klein wird, setzen Tierfreunde ihre Goldfische im See aus. Doch die Fische stellen eine ernste Bedrohung für die Population seltener Amphibien dar.
Goldfische gehören ins Aquarium oder in den Gartenteich, nicht aber in öffentliche Gewässer, wie zum Beispiel in den unteren Nützelbachsee in Gerolzhofen.
Goldfische gehören ins Aquarium oder in den Gartenteich, nicht aber in öffentliche Gewässer, wie zum Beispiel in den unteren Nützelbachsee in Gerolzhofen. Foto: Markus Scholz

Wer sich beim Spazierengehen vorsichtig dem Ufer des unteren Nützelbachsees in Gerolzhofen nähert, der sieht im seichten und damit wärmeren Wasser an der Oberfläche etwas Orangefarbenes aufleuchten. Beim näheren Hinsehen stellt man dann fest, dass es sich um Schwärme von Goldfischen handelt, die allerdings sehr scheu sind und beim kleinsten sich nähernden Schatten schnell abtauchen. Stellt sich die Frage: Was tun mit diesen Fischen, die ursprünglich kein Bestandteil der freien Natur sind? Die Stadt und das Landratsamt Schweinfurt denken über eine Lösung des Problems nach.

Die Konstellation ist nicht neu. In den Sommern 2016 und 2017 stand der flache See im Süden der Stadt jeweils kurz vor dem Umkippen. Eine der Ursachen dafür war der hohe Fischbesatz. Im Oktober 2017 wurde das Gewässer deshalb abgelassen und nach Absprache mit dem Fischereifachverband abgefischt. Mitglieder des Sportangelclubs Gerolzhofen halfen mit. Schon damals zeigte sich beim Absenken des Wasserpegels, dass im See auch viele Goldfische unterwegs waren.

Im See ausgewildert

Doch wie kommen die Zierfische in den See? Offenbar haben einige Tierfreunde ihre Goldfische, wenn es zu Hause im Aquarium oder im Gartenteich mit der Zeit zu eng wurde, unzulässigerweise einfach in den See ausgewildert. Und dort im warmen Wasser fanden die winterharten Tiere aus der Familie der Karpfenfische ideale Bedingungen vor und vermehrten sich rasant.

Der Umstand, dass viele Spaziergänger aus Unvernunft die Wildenten auf dem See füttern, kommt den Goldfischen zugute, weil auch für sie stets noch einige Krümel abfallen.

Der hohe Fischbestand, aber auch der massive Eintrag an Entenkot, sorgten letztlich dafür, dass die Wasserqualität gerade in der heißen Jahreszeit sich stark verschlechterte und die Stadt im Oktober 2017 die Reißleine zog.

Im unteren Nützelbachsee hat sich eine große Goldfisch-Population entwickelt.
Im unteren Nützelbachsee hat sich eine große Goldfisch-Population entwickelt. Foto: Klaus Vogt

Doch entweder wurden vor gut eineinhalb Jahren beim damaligen Abfischen nicht alle Goldfische erwischt, oder es wurden in der Zwischenzeit schon wieder überschüssige Tiere ausgewildert – auf jeden Fall hat sich der Nützelbachsee jetzt wieder in ein großes Goldfischglas verwandelt.

Die Stadt Gerolzhofen habe das Problem bereits zur Kenntnis genommen, teilt Stadtbaumeisterin Maria Hoffmann auf Anfrage dieser Redaktion mit. Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Schweinfurt prüfe derzeit, wie damit umzugehen sei. "Sie wird der Stadt sicherlich Vorschläge im Umgang mit den Tieren geben."

Ablassen des Sees ist nicht möglich

Ein Ablassen des Sees werde das Landratsamt diesmal voraussichtlich aber nicht gestatten, sagt Hoffmann, weil sich inzwischen der Biber am Nützelbach angesiedelt habe. Maria Hoffmann hat recht.  "Ein erneutes Ablassen der Seen ist auf Grund des dort ansässigen Bibers aktuell nicht möglich", teilt Uta Baumann, Pressesprecherin des Landratsamtes Schweinfurt, auf Anfrage mit. Das heißt: Die Goldfische bleiben vorerst im See. Denn ein Einfangen der flinken Fische ohne deutlich abgelassenen Wasserstand ist nicht möglich.

Goldfisch ist ein Haustier

Der Goldfisch ist ein Süßwasserfisch aus der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae), lässt sich im Internetlexikon Wikipedia nachlesen. Vor etwa eintausend Jahren im östlichen China durch züchterische Selektion entstanden, ist der Goldfisch das älteste bekannte Haustier, das ohne direkten, wirtschaftlichen Nutzen als Haltungs- und Zuchtgrund gehalten wird. "Aus naturschutzrechtlicher Sicht ist das Ausbringen von Tierarten in der freien Natur, die nicht natürlich im Gebiet vorkommen, verboten", teilt Uta Baumann mit. Naturschutzfachlich sei es nicht wünschenswert, dass gebietsfremde Arten, wie zum Beispiel Goldfische, in Gewässern in der freien Natur vorkommen.

Gefahr für Kaulquappen

Das Problem: Die scheinbar harmlosen Zierfische werden schnell zu einer ernsten Gefahr für die heimische Tierwelt. Sie vermehren sich rasant und sind bei der Nahrung nicht wählerisch. So stehen etwa Kaulquappen, Molch- und Libellenlarven auf dem Speiseplan der Goldfische. 

„Leider müssen wir immer wieder beobachten, dass Stillgewässer über Nacht zum Goldfischteich werden, weil vermeintliche Tierfreunde ihre überzähligen Exemplare darin aussetzen. Das mag gut gemeint sein, ist aber für darin laichende Frösche, Kröten und Molche oft das Aus“, schreibt Rainer Michalski in einer Pressemitteilung des Naturschutzbunds Deutschland (NABU). Hätten sich Goldfische erst einmal erfolgreich vermehrt, sei der "Plage" kaum noch Herr zu werden. "Selbst natürliche Feinde wie Graureiher, Eisvogel und Kormoran können die Bestände kaum mehr reduzieren." Nicht ohne Grund sei die Aussetzung gebietsfremder Arten durch die Naturschutzgesetze verboten. "Daher appellieren wir dringend an alle Teichbesitzer, ihre überzähligen Goldfische nicht in freier Natur zu entsorgen und stattdessen im Zoohandel oder bei befreundeten Teichbesitzern nach Ersatzquartieren Ausschau zu halten", rät der Naturschützer.

Es drohen Bußgelder

Wer Fische auswildert, der begeht einen Verstoß gegen die Fischereigesetzgebung, die Naturschutzgesetzgebung, das Tierschutzgesetz und möglicherweise auch gegen die Tierseuchengesetzgebung. Solche Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden. 

Offizielle Empfehlungen, wie mit den illegal ausgewilderten Goldfischen umgegangen werden kann, gibt es nicht. Das Bundesamt für Naturschutz habe zwar, so Uta Baumann, eine Unionsliste veröffentlicht, in der die sogenannte invasive Arten aufgeführt werden, für die es schon Managementpläne gibt. Aber: "Der Goldfisch ist darin nicht enthalten."

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