Schweinfurt

OB-Wahl: Was ist zu tun für Arbeits-, Kita-, Pflegeplätze?

Die von der KAB veranstaltete Podiumsdiskussion drehte sich – wenig überraschend – um Arbeitnehmer- und Familienfragen. Was würden die drei OB-Kandidaten tun?
Was tun sie für Arbeitnehmer und Familien? Von links: Die OB-Kandidaten Sebastian Remelé (CSU), Marietta Eder (SPD) und Holger Laschka (Grüne) bei der KAB-Podiumsdiskussion im Pfarrzentrum Christkönig.
Was tun sie für Arbeitnehmer und Familien? Von links: Die OB-Kandidaten Sebastian Remelé (CSU), Marietta Eder (SPD) und Holger Laschka (Grüne) bei der KAB-Podiumsdiskussion im Pfarrzentrum Christkönig. Foto: Stefan Sauer

Was kann eine Stadt tun angesichts des erst am Anfang stehenden digitalen Wandels der Arbeitswelt und der Elektrifizierung der Mobilität, die viele gut bezahlte Industrie-Arbeitsplätze gefährden können? Und: Was würden die drei Kandidaten als Oberbürgermeister unternehmen, damit Familie und Beruf besser zu vereinbaren sind? Etwa 80 Besucher kamen am Freitagabend ins Pfarrzentrum Christkönig im Bergl zur Podiumsdiskussion des Stadtverbands Schweinfurt der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), bei der diese Fragen im Mittelpunkt standen.

Transformation: Chance oder Risiko?

Der Verbrennungsmotor wird in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören, Digitalisierung und Robotik schreiten vorn. Dies werde Arbeitsplätze kosten – und neue würden entstehen. Damit dieser Transformationsprozess sozial, ökologisch und demokratisch abläuft, fordert Marietta Eder (SPD) einen regionalen Wirtschaftsdialog mit Arbeitgebern, Betriebsräten, Gewerkschaften, Wissenschaft, Bildungseinrichtungen und dem Bund Naturschutz. "Entweder wir gestalten die Transformation, dann gibt es Chancen, oder wir lassen sie geschehen, dann sehe ich erhebliche Risiken", so Eder.

"Ob der E-Motor sich durchsetzt oder nicht, diese Entscheidung wird nicht in Schweinfurt gefällt, sondern in der Wirtschaft", meint Holger Laschka (Grüne). Hiesige Unternehmen wie ZF oder Senertec gingen gut voran. Die 10-H-Regelung der CSU zum Abstand von Windrädern zur Wohnbebauung "muss weg", sagt er – in Übereinstimmung mit Eder. Es lohne sich, in die Wasserstofftechnologie einzusteigen, aber nur mit grüner Energie. Zur Digitalisierung: Man müsse sich überlegen, ob man alles mit Klicks macht und an Amazon zahlt oder Geld auch in heimischen Geschäften und Betrieben lässt.

Wird Arbeit neu definiert?

Transformation sei ein "andauernder Zustand, den die Stadt seit dem 19. Jahrhundert ständig durchläuft", sagt Sebastian Remelé (CSU) – von der Farbenherstellung über die Fahrradnabe und Lagerproduktion bis zur E-Mobilität. Von der Digitalisierung dürfe man sich nicht bange machen lassen. "Ich bin zuversichtlich, weil Schweinfurter das Transformationsgen in sich tragen." Weil das Maintal aber fast voll sei, werde das Conn-Areal entwickelt, um weitere Betriebe hierher zu locken. Im Ledward-Gelände würden Start-Ups, Robotik und die Hochschule – auch mit internationalen Studenten – und die Wissenswerkstatt fit gemacht.

Konkret würde sie, weil die Stadt mit 1000 Beschäftigten selbst ein großer Arbeitgeber sei, eine "Rathausakademie" einrichten, so Eder, sowie ein Netzwerk für Bildungsorganisationen. Laschka sieht noch keine Situation, in der im großen Stil Arbeitsplätze abgebaut würden. Wenn es zu Umbrüchen kommen sollte, glaubt er nicht so richtig an das Konzept einer städtischen Qualifizierungsgesellschaft wie das 2017 insolvent gegangene Afz. Es gebe auch "externe Angebote". Weiterbildung der Mitarbeiter ist für Remelé "zuerst und ureigen" Aufgabe der Betriebe. Arbeit werde aber neu definiert, sie müsse flexibler werden mit Home-Office, zeitweisem Kürzertreten, aber auch der Möglichkeit, im höheren Alter noch zu arbeiten.

Kinderbetreuung: Stadt muss mehr tun

Wie steht es um die Kinderbetreuung? Nur wenige Unternehmen bieten eigene Plätze für Mitarbeiterkinder an. In Schweinfurt liegt sie überwiegend in der Hand von kirchlichen oder anderen Trägern. Remelé verweist auf viele Plätze in der Ferienbetreuung. Laut Laschka muss die Stadt da "viel stärker einsteigen". Den seit 2013 geltenden Rechtsanspruch auf Betreuung aller Kinder könne die Stadt nicht einlösen. Wenn 2025 ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung bestehe, "sollte das besser laufen als bei der Kinderbetreuung".  Auch Eder meint, die Stadt tue hier "deutlich zu wenig" und müsse Kinderbetreuung auch in die eigene Hand nehmen.  

Thema Pflege: In wenigen Jahren kommen geburtenstarke Jahrgänge ins Rentenalter. Dass wie jetzt noch etwa 70 Prozent der Alten von Kindern gepflegt würden, werde dann nicht mehr in diesem Umfang funktionieren. Dann würden mehr Kurzzeit-, Tages- und insgesamt Pflegeplätze gebraucht, so Remelé. Dabei werde die Stadt nicht alles leisten können. "Wir brauchen auch die Unterstützung der Bürgerschaft." Er wisse, dass Stationen in Heimen geschlossen seien, weil Pflegekräfte fehlten. 

Für "Pflegeübungszentrum"

Laschka würde es begrüßen, wenn Kurzzeit- und Tagespflegeplätze im Stadtgebiet ausgebaut werden. Er plädiert dafür, ein "regionales Pflegeübungszentrum" einzurichten, damit die Menschen Erfahrungen sammeln könnten. "Pflegenotstand haben wird. Wir können heute nur noch hinterher bauen und hinterher ausbilden." Schweinfurt werde heute "als Hotspot der privaten Träger in der Altenpflege gesehen", sagt Marietta Eder, "keine Bezahlung nach Tarif, häufige Wechsel". Den Missstand bekomme man nur in den Griff, "wenn sich die Arbeitsbedingungen und Löhne dauerhaft verbessern". Und: Kurzzeitpflegeplätze müssten dauerhaft vorgehalten werden. Es dürfe nicht dem Zufall überlassen sein, ob gerade etwas frei sei.

Bei allen Unterschieden und Nuancen – in einer Frage aus dem Publikum waren sich die drei Kandidaten einig: Nach der Schließung des Lidl-Marktes in Obendorf kann auch heute keiner von ihnen Hoffnung machen, dass hier wieder ein Lebensmittelmarkt hinkommt.

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