SCHWEINFURTSCHWEINFURT

ÖDP: Mehr Demokratie dem Volk

Stefan Bretscher strebt als ÖDP-Kandidat im Stimmkreis Schweinfurt in den bayerischen Landtag. Foto: Josef Schäfer

Spricht man mit Stefan Bretscher, kommt einem schnell das Bild eines Idealisten in den Sinn. Doch der Grafenrheinfelder setzt viele seiner Ansichten in seinem Alltagsleben um. Dass er für die ÖDP für den Landtag als Direktkandidat antritt, hat viel mit einem globalen Politikansatz zu tun.

„Es geht um ein komplettes Umdenken“, sagt Bretscher. Denn er sieht die Lebensgrundlagen der Menschen in Gefahr: Sonne, saubere Luft, sauberes Wasser, schadstofffreie Natur und ein persönlichen Schutzraum. Bis auf die Sonne könne der Mensch alle Faktoren beeinflussen, sagt der studierte Elektrotechniker und heutige Sozialarbeiter. Alleine die Umweltprobleme, auch in Bayern, seien gravierender als bislang sichtbar.

Stabilität statt rigoroses Wachsen

Durch Vergiftung der Böden mit Pflanzenschutzmitteln und durch Monokulturen sei der Bestand an Insekten um drei Viertel zurückgegangen. Dies führe auch zu einer Verringerung der Biomasse und der Kleinstlebewesen im Boden.

Der Ansatz der ÖDP gehe nicht von einem rigorosen Wachstum aus, sondern vom Halten des Standards. Auch wenn das an manchen Stellen zu einem Verzicht an Konsum und Bequemlichkeit führen kann. Noch ein Beispiel: Schweden habe eine ökologische Steuerreform durchgeführt. Belastet würden energieintensive Unternehmen, die zu ökologischerem Wirtschaften gezwungen würden. Die Steuergelder senken demnach die Sozialabgaben für die Arbeitnehmer. „Da hat man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.“

Wie lässt sich ein weltumspannender Ansatz auf eine Landtagswahl verdichten? Stefan Bretscher nennt den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien; dass bei dem Bau von Windkraftanlagen die 10H-Regel, die den Mindestabstand zu Wohnhäusern vorschreibt, kippen muss, steht für ihn fest. Zudem müssten mehr Anreize für Energie- und Ressourcensparen gesetzt werden. Sein Wohnhaus selbst ist bei Wärme und Elektrizität fast autark; er fährt ein Elektroauto.

Vereinfachte Volksbegehren

Vor allem aber setze seine Partei auf direktere Bürgerbeteiligungen. Volksbegehren und -entscheide seien heute kompliziert und aufwändig, dadurch würden Themen wie die von der ÖDP mitgetragenen Initiative gegen die „Betonflut“ torpediert. Den Kopf schüttelt Bretscher über ein Ansinnen, mit dem die CSU die durch das Verfassungsgericht aufgehobene Fünf-Prozent-Hürde für das EU-Parlamentswahl (die ÖDP hat einen Abgeordneten) mit einer neuen Drei-Prozent-Schranke aushebeln wolle.

Krake Lobbyismus

Ausführlich und wiederholt spricht Bretscher über Lobbyismus: Einflüsse der Wirtschaft und Parteispender hätten „Bindungen geschaffen, die den Willen des Volks aushebeln“. Das beste Beispiel sei der Umgang mit dem VW-Diesel-Skandal. Die ÖDP sei die einzige Partei, die keine Spenden annehme. In Bretschers Augen ein wichtiger Grundsatz, auch wenn er für die Partei negative Folgen hat: „Aber unabhängige Politik kann man nur in Unabhängigkeit machen.“

Steckbrief

Stefan Bretscher bewirbt sich im Stimmkreis Schweinfurt um ein Landtagsmandat für die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP). Der 49-jährige Grafenrheinfelder ist bereits 1991 auf das Umfeld der Partei gestoßen. Seit einigen Jahren engagiert er sich dort aktiv. Bretscher hat Elektrotechnik studiert, in mehreren Berufen gearbeitet und sich anschließend nochmals weitergebildet. Inzwischen arbeitet er als Sozialarbeiter und betreut im Auftrag eines gemeinnützigen Vereins selbstständig lebende Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Bretscher ist verheiratet und hat drei Kinder.

Veränderung der Politik ist einfach: So schreibt es Stefan Bretscher (ÖDP) auf den Bierdeckel mit seinen politischen Kernaussagen. Foto: Josef Schäfer

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