KOLITZHEIM

Ökumenische Hilfe für Kolitzheimer Wallfahrer

Ausweichmöglichkeit: Weil die Kirche zum Heiligen Blut in Iphofen wegen Renovierung zurzeit geschlossen ist, wichen die Kolitzheimer Wallfahrer auf die andere Straßenseite aus. Dort steht das Bürgerspital mit der heute evangelischen Spitalkirche, die die Wallfahrer für ihren Gottesdienst nutzen durften. Foto: ArchivRobert Haaß

2015 drohte die Wallfahrt der Kolitzheimer nach Iphofen zu platzen, da die Blutskirche in Iphofen wegen Renovierung zurzeit geschlossen ist. Pfarrer Andreas Engert nahm jedoch Kontakt mit dem Pfarrer der evangelischen Spitalkirche auf. Sie liegt schräg gegenüber der Blutskirche. Er bekam die Zusage, dass man dort einen Wallfahrtsgottesdienst feiern dürfe.

Die Iphöfer Spitalkirche war unter dem Würzburger Fürstbischof Julius Echter restauriert worden. Sie war bis 1983 eine katholische Kirche. Die Kolitzheimer Mesner sorgten dafür, dass alles, was für den katholischen Gottesdienst gebraucht wird in der Spitalkirche an Ort und Stelle war.

So konnte Pfarrer Engert unterstützt von den drei Ministranten Janis Pfaff (11 Jahre), Stefan Treutlein (11) und Ludwig Heß (13) mit den Wallfahrern die Messe feiern.

Die Radwallfahrer, eine Gruppe von 27 Personen, von denen 23 aus Kolitzheim und vier aus Stammheim kamen, waren schon 5 Uhr in der Früh aufgebrochen, um bis nach Iphofen zu radeln. Um diese Uhrzeit war auch der jüngste Radfahrer, Jakob Heß schon mit von der Partie. Roman Schöpf (11), Bastian Haupeltshofer (10) und Samuel Heß (10) sind nicht viel älter. Ältester Teilnehmer war Adolf Weißenseel aus Stammheim mit 81 Jahren.

Nach einem gemeinsamen Gebet an der alten Sommeracher Straße fuhren die Radwallfahrer bis nach Schwarzach zum Schneiders Bäck, wo sie mit Gebäck frisch aus dem Backofen versorgt wurden. Nach dieser Rast ging es weiter bis kurz vor Großlangheim. An einem Bildstock gedachten die Radwallfahrer noch einmal im Gebet der Verehrung des Heiligen Blutes. Zügig fuhr die Gruppe dann weiter zum Rödelseer Tor in Iphofen.

Dort trafen sie die Buswallfahrer und diejenigen, die mit dem eigenen Auto angereist waren. Gemeinsam zogen alle in Begleitung der Musikkapelle durch Iphofen zur Spitalkirche, um den Wallfahrtsgottesdienst zu feiern. Rund 65 Wallfahrer wurden danach vom Frauenbund Iphofen im Pfarrheim mit einem üppigen Frühstück versorgt. Nach dem Segen zum Auszug machten sich alle Wallfahrer wieder gut gelaunt auf den Weg nach Hause. Geleitet hatte die Wallfahrt Gottfried Hell.

Das Iphöfer Bürgerspital und die Spitalkirche

Berhold Schurig, ein vermögender Mann, gründete das Bürgerspital in Iphofen im Jahr 1338. Dort wurde für alte und kranke Menschen gesorgt. Für arme Witwen mit gutem Leumund und Waisen gab es im Spital ebenfalls eine Unterkunft.

Um 1600 wurde das Spital grundlegend restauriert. Es war die Zeit der Gegenreformation. In Würzburg residierte damals Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn.

Im Dreißigjährigen Krieg verfiel das Spital. In ganz Iphofen sollen nach dem Ende dieses Kriegs nur noch 70 Menschen gelebt haben. Die meisten Menschen der Gegend waren an Kriegsfolgen, Hunger und Pest gestorben. Auch im Spital hatte kaum jemand überlebt, man hätte es am liebsten verkauft. Es verfiel und wurde zeitweise als Schafstall genutzt.

Als sich Anfang des 18. Jahrhunderts Iphofen langsam erholte, renovierte man die Spitalkirche. Auch das Spitalgebäude konnte wieder seinem eigentlichen Zweck zugeführt werden. Über 250 Jahre war es noch möglich, dort den Willen des Stifters zu erfüllen.

Der Abzug der beiden letzten im Spital tätigen Ordensschwestern hatte im Jahr 1977 die Schließung des Alten- und Pflegeheimes zur Folge. Danach standen Spital und Kirche leer.

1983 wurden beide der jungen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Iphofen in Erbpacht überlassen. Heute sind im alten Krankensaal das Gemeindezentrum und das Gemeindebüro untergebracht. Die oberen Stockwerke des Spitals werden als Übernachtungshaus für Jugendgruppen genutzt und vom evangelisch-lutherischen Dekanat Kitzingen verwaltet.

Heute herrscht dort ein reges Gemeindeleben, das die Spitalkirche und das Spital in Iphofen wieder lebendig werden ließ. mm

Kolitzheimer in Iphofen: Am Sonntag nach Fronleichnam findet die traditionelle Wallfahrt statt. Foto: Rita Hell

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