GRAFENRHEINFELD

Örtliche Feuerwehren sollen Werksfeuerwehr im KKG ersetzen

Der Rückbau des Kernkrafwerks Grafenrheinfeld läuft, der Bau der neuen Bereitstellungshalle ebenfalls. Die Verantwortung für das Zwischenlager und später auch die Bereitstellungshalle, an der gerade gebaut wird, übernimmt der Bund – vertreten durch die Gesellschaft zur Zwischenla... Foto: Anand Anders

Auch wenn sie aus dem Fokus einer breiten Öffentlichkeit verschwunden zu sein scheint: Die Stilllegung und der Abbau des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld beschäftigen die Anrainergemeinden permanent – und das Verfahren hat nichts an Brisanz verloren. Dies bewies die Interkommunale Gemeinderatssitzung der Mainbogengemeinden Grafenrheinfeld, Grettstadt, Gochsheim, Röthlein, Schwebheim und Sennfeld, der sich auch der Bergrheinfelder Gemeinderat anschloss.

Die von den Mainbogengemeinden beauftrage Rechtsanwältin Joy Hensel schaute auf Erreichtes und noch offene Fragen. Diesen stellten sich der Pressesprecher der Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), Burghard Rosen, und deren Betriebsleiter Michael Hoffmann. Die BGZ übernimmt zum 1. Januar 2019 für den Bund das Zwischenlager, wie überall in Deutschland. Die Besucher, darunter auch fachkundige Vertreter des Bundes Naturschutz, hatten kein Rederecht.

Hensel erläuterte, wie weit der Rückbau und der Bau der Bereitstellungshalle (BeHa) sind. Von den ehedem 597 Brennelementen sind noch 388 im Lagerbecken, der Rest ist bereits in Castoren ins Brennelementbehälterlager (BELLA) gebracht worden. Was man erreicht habe, so Hensel, sei eine größere Transparenz und bessere Informationspolitik, die das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz zugesagt habe.

Anwältin: Die Angst vor einem faktischen Endlager ist groß

Da der Umgang mit den schwach- und mittelradioaktiven Stoffen in der BeHa anderen Genehmigungsverfahren unterliegt und angeblich kein Zusammenhang zur Stilllegung des KKW besteht, werde hier eine Beteiligung und Information der Öffentlichkeit verhindert, so Hensel. Sie fordert unter anderem, dass die BeHa nach dem vollständigen Rückbau des KKW auch nicht mehr bestehen dürfte. Die Angst, dass hier ein faktisches Endlager geschaffen werde, sei groß. Das gelte besonders, wenn Schacht Konrad nicht bis 2027 fertig werde oder dessen Kapazitäten nicht ausreiche, so die Anwältin.

Betriebsleiter rechnet mit einer Zeitspanne von 40 Jahren für die Bereitstellungshalle

An der rechtzeitigen Fertigstellung von Schacht Konrad aber hegte Pressesprecher Rosen keinen Zweifel. Außerdem habe die BGZ bis dahin dort längst ein „nationales Bereitstellungslager“ gebaut, in das die Abfälle aus den Kernkraftwerken des gesamten Bundesgebiets verbracht würden, um sie dann nach einem komplizierten System einzulagern. Auf Nachfrage von Bürgermeister Volker Karb, wann denn dann damit gerechnet werden könne, dass die BeHa leer sei, antwortete Betriebsleiter Hoffmann: Es sei nicht Ziel und Aufgabe dieses nationalen Bereitstellungslagers, irgendeine BeHa möglichst schnell auszuräumen, zumal die Zahl der Abfälle in den nächsten zehn bis 20 Jahren ja noch steige. Er rechnete mit einer Zeitspanne von 40 Jahren für die Einlagerungslogistik.

Angesichts langwieriger Genehmigungsverfahren fand Anwältin Hensel den Plan zum Bau dieser nationalen BeHa „sehr ambitioniert“. Thomas Geißler fragte nach, wer denn eigentlich die Verantwortung trage, wenn doch was passiere. Schließlich müssten die Lager über Jahrzehnte geschützt werden und terroristische Anschläge könne man nie ausschließen. Es seien verschiedene Szenarien erarbeitet und geprüft worden, erklärte Betriebsleiter Hoffmann, die Zwischenlager erfüllten heute alle Sicherheitsstandards, wie das in zehn Jahren aussehe, könne aber niemand sagen.

Betriebsleiter: Wird die Werksfeuerwehr aufgelöst, greift man auf örtliche zurück

„Und was ist, wenn ihnen die Hütte abbrennt“, fragte Doris Gill. Auch Hoffmanns Antwort darauf barg Sprengstoff und führte zu Unmutsäußerung bei anwesenden Gemeinderäten. Zunächst werde man auf die Werksfeuerwehr zurückgreifen, diese werde aber irgendwann aufgegeben und für die Zwischenlager brauche man keine eigene Feuerwehr. Die örtlichen Wehren würde man dann auf ihre Einsätze vorbereiten, in der Regel handle es sich dabei nicht um Brände. Bürgermeister Albrecht Hofmann erinnerte ihn daran, dass man eine klare Zusage der Regierung von Unterfranken habe, dass die Werksfeuerwehr bleibe, solang noch Brennstoffe vor Ort seien.

Aufgrund der Intervention der Mainbogengemeinden wird nun in Grafenrheinfeld ein Flügeldeckel für eine mögliche Reparatur von Castoren vorgehalten werden. Lorenz Göbel zweifelte dennoch an deren Sicherheit. Diese räumte Pressesprecher Rosen mit einem fast schwärmerischen Lob auf die Castorenbehälter, die das „maßgebliche Sicherheitskonzept“ seien, aus. Schließlich habe er früher bei der Firma gearbeitet, die diese Castoren entwickelt haben, und Deutschland könne stolz darauf sein.

Klaus Wörner fragte nach, wie lange denn die 24 Milliarden Euro reichen würden, die die Kernkraftbetreiber in einen Fond eingezahlt haben und wie eine GmbH denn dann mit eventuell höheren Kosten verfahre. Das Geld reiche, betonte Betriebsleiter Hoffmann, das habe eine Kommission des Bundestags ermittelt.

Anwältin: Maximale Strahlendosis bei der Bereitstellungshalle doppelt so hoch

Anwältin Hensel hatte für ihre Zuhörer noch eine weitere Überraschung bereit. Die maximale Dosis der Strahlung die von BELLA ausgeht liege am Sicherheitszaun bei 0,025 mSV/a (Millisievert im Jahr), die der BeHa allerdings bei mehr als dem Doppelten, nämlich 0,068 mSV/a. Das liege zwar unter den offiziellen Grenzwerten, die aber hätten Umweltmediziner ohnehin schon für zu hoch gehalten.

In ihrem Schlusswort nahm Bürgermeisterin Sabine Lutz Pressesprecher Rosen beim Wort, der versprochen hatte, auch die Bevölkerung umfassend zu informieren. „Wir werden sie daran erinnern und daran messen, wie sie weiter informieren.“

Pressesprecher Burghard Rosen und Betriebsleiter Michael Hoffmann (von links) von der Gesellschaft für Zwischenlagerung ... Foto: Ursula Lux

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