Oberwerrn

Oberwerrn: CSU-Chef Norbert Hart hat hingeschmissen

Seit 2008 stand er an der Spitze des Ortsverbands. Jetzt, kurz vor den Wahlen, ist der Vorsitzende der CSU Oberwerrn zurückgetreten. Ohne Kommentar. Versuch einer Erklärung.
Hat hingeschmissen: Norbert Hart, hier am Rednerpult im März 2019 bei der traditionellen Aschermittwochsveranstaltung "Am Tag danach" der Oberwerrner CSU, ist als Vorsitzender des Ortsverbandes zurückgetreten. Foto: Anand Anders

Nach außen hin, ging alles glatt über die Bühne. Hinter den Kulissen aber soll es im Vorfeld der Nominierungsversammlung mächtig gekracht haben bei der CSU Oberwerrn. Ortschef Norbert Hart hat danach sein Amt niedergelegt. Seit 2008 stand er an der Spitze des Ortsverbands. Der amtierende dritte Bürgermeister der Gemeinde Niederwerrn wird bei den Kommunalwahlen im März auch nicht mehr für den Gemeinderat kandidieren, nur noch für den Kreistag.  

Was ist los im CSU-Ortsverband Oberwerrn? Der zurückgetretene Vorsitzende Norbert Hart will keinen Kommentar abgeben. "Nicht vor den Wahlen." Und fragt man den Stellvertreter des Ortschefs, Michael Theiss, ist alles in bester Ordnung. Ist es das? 

Faktencheck: Sowohl in Oberwerrn als auch in Niederwerrn gibt es einen CSU-Ortsverband. Seit jeher ging man bei den Kommunalwahlen aber getrennte Wege. So schloss sich der kleinere Oberwerrner Ortsverband nicht etwa der größeren Niederwerrner CSU an, sondern nominierte seine Kandidaten in der Vergangenheit immer auf der örtlichen Liste der Christlichen Wählervereinigung Oberwerrn (CWVO). Bei der letzten Wahl war CSU-Ortschef Norbert Hart Bürgermeisterkandidat der CWVO, während für die Niederwerrner CSU Maximilian Schnös antrat. Er kam in die Stichwahl, bekam aber keine Unterstützungserklärung aus Oberwerrn. Stattdessen wurde Hart dritter Bürgermeister.

Bei der Kommunalwahl 2020 geht die Oberwerrner CSU nun einen "neuen Weg". Erstmals treten zwei Mitglieder des Ortsverbandes bei der Niederwerrner CSU an. Und zwar auf besten Plätzen. Michael Theiss, aktuell kommissarischer CSU-Vorsitzender in Oberwerrn, ist auf Platz drei nominiert. Und Jennifer Köhler, die junge Hoffnungsträgerin, sogar auf Platz eins als Bürgermeisterkandidatin und Herausforderin der amtierenden Bürgermeisterin Bettina Bärmann.

Die Oberwerrner CSU schickt mit Gabriele Ganzinger, Nina-Christin Pfister und Monika Schönstein noch drei weitere Kandidatinnen ins Rennen. Sie kandidieren aber alle drei wie gehabt auf der ortseigenen CWVO-Liste. 

"Wir sehen uns besser auf der CSU-Liste aufgehoben."
Michael Theiss, Stellvertretender Vorsitzender des CSU-Ortsverbandes Oberwerrn 

"Wir wollen für die Zukunft besser gerüstet sein und nicht mehr getrennte Wege gehen", begründet CSU-Vize Theiss den "neuen Weg". Schon lange habe man sich in verschiedenen Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen über eine Zusammenarbeit in der nächsten Wahlperiode Gedanken gemacht und schließlich beschlossen, dass der CSU-Ortsverband Oberwerrn sowohl Kandidaturen seiner Mitglieder auf der Niederwerrner CSU- als auch auf der Oberwerrner CWVO-Liste unterstützt. Mit Jennifer Köhler wurde dann in einer CSU-Gemeindeversammlung beider Ortsverbände am 29. November 2019 erstmals eine gemeinsame Bürgermeisterkandidatin nominiert.

"Wir sehen uns besser auf der CSU-Liste aufgehoben", begründet Theiss für sich und seine junge Parteikollegin die Kandidatur bei der CSU in Niederwerrn. Gerüchte, wonach die beiden gewechselt sind, weil sie unzufrieden mit hinteren Listenplätzen in Oberwerrn gewesen sein sollen, weist Theiss zurück: "Das stimmt nicht."

Ortsteildenken begraben

In Niederwerrn wurden die beiden Oberwerrner mit offenen Armen aufgenommen, wie die Listenplatzierung nahelegt. Und Ortsverbandsvorsitzender Martin Pensel freut sich, dass "wir nun etwas näher zusammengerückt sind". Man wolle die alten Zwistigkeiten ja nicht bis in alle Ewigkeiten fortsetzen. Sie rühren seinen Worten zufolge noch aus der Gebietsreform 1978, bei der Oberwerrn zu Niederwerrn eingemeindet wurde. In der Folge seien die "Einvernehmlichkeiten nicht so gut" gewesen. Pensel nimmt für seine CSU aber in Anspruch, im Gemeinderat immer auch die Oberwerrner Interessen vertreten zu haben. "Hier waren wir schon immer sehr nah beieinander." Deshalb sei es an der Zeit, das Ortsteildenken zu begraben und auf einvernehmliche positive Zusammenarbeit zu setzen. 

Dass die beiden Oberwerrner CSUler für ihren Listenwechsel extra die Erlaubnis des CSU-Kreisverbands einholen mussten, wie erzählt wird, dementiert Kreisvorsitzende Anja Weisgerber. Die Ortsverbände seien frei in ihrer Entscheidung, "wir regieren hier nicht hinein". Sie räumt aber ein, dass beim Kreisverband über den Listenwechsel gesprochen wurde und dass man "kein Problem" damit habe. "Wir gehen ganz locker damit um." 

"Politischen Aschermittwoch am Tag danach" ist nicht gefährdet

Die anderen drei Oberwerrner CSU-Kandidatinnen gehen den "neuen Weg" nicht mit. "Wir stehen für Oberwerrn ein, wir wollen Verlässlichkeit vermitteln", begründet Gabriele Ganzinger auf Nachfrage ihre Kandidatur auf der CWVO-Liste. Als Frau mit Oberwerrner Wurzeln und Wohnort in Niederwerrn liegen ihr allerdings beide Ortsteile "sehr am Herzen". Die CWVO hat in ihren Augen in den vergangenen Jahren "ausgezeichnete Arbeit" für beide Ortsteile geleistet, verweist Ganzinger auf das "Haus des Kindes" in Oberwerrn oder die "Niederwerrner Mitte". Deshalb wolle sie mit ihrer Kandidatur auf der CWVO-Liste weiterhin dazu beitragen, dass "die hervorragende Arbeit der CWVO auch in Zukunft weitergeführt werden kann".

Und wer organisiert nach dem Rücktritt von Norbert Hart nun den Oberwerrner "Politischen Aschermittwoch am Tag danach"? Um die Traditionsveranstaltung muss man sich laut Ganzinger keine Sorge machen. Sie sei eine Gemeinschaftsleistung des gesamten CSU-Ortsverbandes Oberwerrn. "Dies wird auch zukünftig so sein."

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