Stammheim

Oti Schmelzer begeistert Stammheim

Mit seinem Programm "Wenn's läfft, dann läfft's" gastierte Komödiant Oti Schmelzer in Stammheim. Auf Einladung des Gesangvereins war er ins Pfarrjugendheim gekommen und begeisterte mit seinem über zweistündigen fränkischen Feuerwerk aus Witz, Gestanzel und sympathischer Blödelei ... Foto: Dominik Dorsch

Ein Feuerwerk des fränkischen Derbleckens mit Witzen, Gestanzel und sympathischer Blödelei präsentierte Komödiant Oti Schmelzer auf der Bühne im Pfarrjugendheim in Stammheim. Der selbsternannte fränkische Kulturträger und Humorist aus dem Steigerwald streifte in seiner unverwechselbaren Art während seines über zweistündigen Auftritts so manche Abgründe der fränkischen Volksseele. Schnell kommt er dabei von einen zum anderen, wird eindeutig zweideutig und spricht auch mal ohne Punkt und Komma.

Der Titel seines Programms "Wenn's läfft, dann läfft's" trifft den Kern der Sache. Überregionale Bekanntheit erlangte der Künstler nicht zuletzt durch seine zahlreichen Auftritte in der Kult-TV-Sendung "Fastnacht in Franken".

Bis auf den letzten Platz war der Saal inmitten des Weinortes am Main gefüllt. Die Karten im Vorverkauf waren Anfang des Jahres in wenigen Tagen restlos vergriffen, wie Gerhard Scheller, Vorsitzender des ausrichtenden Gesangvereins, erfreut betonte. Er hatte zusammen mit seinem Vorstandsteam und vielen fleißigen Helfern die Veranstaltung organisiert. Diese war nun das vierte von vier Highlights im Jubiläumsjahr des Gesangvereins, der heuer sein 90-jähriges Bestehen feierte.

Nicht aufgesetzt, nicht gekünstelt

Oti Schmelzers Passion ist (neben dem Weinbau) die Leute zu unterhalten und zum Lachen zu bringen. Mit Leidenschaft und Hingabe steht er auf der Bühne. Schmelzer ist echt, nicht aufgesetzt, nicht gekünstelt – einfach er selbst und das kommt auch und ganz besonders in Stammheim gut an. Bereits beim Secco-Empfang vor Beginn mischte er sich unter "sein" Publikum, lernte so Land und Leute kennen und baute das Erfahrene fix auch in seine Gags und Gestanzel ein.

In Stammheim sei der Klimawandel noch nicht angekommen, mutmaßte Schmelzer. Es müsse viele kalte Winter geben, deshalb würden aktuell hier so viele Kinder geboren, erklärte er sich den derzeitigen Babyboom im Ort. Lediglich bei der richtigen Aussprache des Austragungsortes gab's während der Show für den Mann mit den unverwechselbaren Grimassen aus Oberschwappach (Lkr. Haßfurt) noch etwas Nachhilfe: Nicht "Stammi", sondern "Staaami" wird's hier originär ausgesprochen. Sein Lernprozess war in der Folge nicht gleich vollkommen authentisch, aber unfassbar komisch. Im Übrigen lag man in Punkto Dialekt, auch wenn zwischen "Schwappi" und "Staaami" rund 25 Kilometer zurückzulegen sind, auf einer Wellenlänge, was Übersetzung oder Untertitel fast entbehrlich machten.

"In Staaami is alles in Ordnung, alle halten zam. Wenn sie im Rest von Deutschland net so blöd wären, könnten dies genauso schö ham", so sein gereimt und im Sprechgesang vorgetragenes Fazit. Seine Lieder auf dem Schifferklavier spielte er den Abend über konsequent in Ess-Dur, wie er selbst sagte, denn: "gegessen und getrunken wird immer".

Schmelzer brillierte einmal mehr in der Person eines fränkischen Wallfahrers, der beschwipst vom Wallfahrerbier und unterdrückt von der eigenen Ehefrau, so manchen schweren Schlag im wahrsten Sinne des Wortes zu verkraften hatte. Auf die Frage "Weißt du was es bedeutet, nach der Wallfahrt wieder heim zu kommen zu einer Frau, die dich liebt und zärtlich zu dir ist?", sagte er konsterniert: "Dann bin ich in der falschen Wohnung". Ein blaues Auge trug er zudem davon, als er beim Vater-Unser-Beten bei der Stelle "Erlöse uns von dem Bösen" seine Schwiegermutter zu lange angeschaut hatte.

Alles in allem ein Abend, an dem die Lachmuskeln der Anwesenden arg strapaziert wurden. Gesangvereinsvorsitzender Scheller dankte dem Künstler abschließend für seinen fulminanten Auftritt.

Nachdem der Dirigent des Chores vor einigen Monaten überraschend verstorben war, freute sich Scheller, dass mit dem 22-jährigen Nico Heilmann aus Michelau kürzlich ein Nachfolger gefunden werden konnte und es mit dem gemischten Chor in der Zukunft weitergeht. Die 25 aktiven Sängerinnen und Sänger bereiten sich bereits auf den nächsten großen Auftritt vor: Denn am 2. Februar 2020 findet wieder das alljährliche Winterkonzert in der Stammheimer Pfarrkirche statt.

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