Schweinfurt

Pappel am Spitalseebunker: Stadt sagt, die Fällung war notwendig

Wegen der Fällung der rund 80 Jahre alten Pappel am Spitalseebunker wurde im Stadtrat gestritten. Warum die Stadt sich nun in ihrer Ansicht bestätigt sieht.
Rund eineinhalb Tage dauerte die Fällung der Schwarzpappel am Spitalseebunker, auch die Wurzel wurde gleich mit weggefräst, um einen neuen Baum pflanzen zu können. Foto: Oliver Schikora

Mitte Februar gab es im Stadtrat einen Streit über die Frage, ob die Schwarzpappel am Spitalseebunker tatsächlich in so schlechtem Zustand ist, dass sie gefällt werden müsste. SPD-Stadtrat Peter Hofmann war mit einem Eilantrag gescheitert, vor der Fällung noch ein Gutachten einzuholen. Am Aschermittwoch rückte eine Spezialfirma mit großem Gerät an, innerhalb von eineinhalb Tagen war die rund 80 Jahre alte Pappel gefällt, auch der Baumstumpf wurde ausgefräst. Nichts erinnert mehr daran, dass in unmittelbarer Nähe zum Mahnmal für die Bombenangriffe auf Schweinfurt im Zweiten Weltkrieg dieser Baum stand.

Die Fällung hatte nicht nur in kommunalpolitischen Kreisen für Aufmerksamkeit gesorgt, da die Straße am Spitalseebunker am Tag nach dem Faschingszug gesperrt war und der Verkehr umgeleitet werden musste. Von Seiten des Servicebetriebs Bau und Stadtgrün sieht man sich in der Ansicht bestätigt, dass die Entscheidung für die Fällung richtig war. Dies erklärte der stellvertretende Leiter Markus Peter auf Anfrage dieser Redaktion.

"Der Baum zeigte Kernfäule und Fraßgänge. Hauptgrund für die Fällung war aber die Gefahr durch Grünastabbrüche", so Peter. Auf die Frage, ob der Baum tatsächlich in dem im Stadtrat beschriebenen schlechten Zustand war, erklärt Peter: "Ja. Darüber hinaus wurde ein Riss, quer durch den Stamm verlaufend, vorgefunden." Außerdem seien Bilder gemacht worden vom Zustand des Baumes, die "gerne bei uns eingesehen werden" können.

Nach der Fällung der Schwarzpappel am Spitalseebunker wurde der Baumstumpf weggefräst, um in den nächsten Wochen gleich einen neuen Baum pflanzen zu können. Foto: Richard Lindner

Hauptgrund für die Fällung, so Peter, seien aber die so genannten Grünastabbrüche gewesen, die – wie er schon im Umweltausschuss und Stadtrat ausgeführt hatte – nicht vorhersehbar seien. "Sie stellten im vorliegenden Fall die Hauptgefahr dar. Grünastbrüche sind insbesondere an älteren Pappeln bekannt", so Peter.

"Der Baum zeigte Kernfäule und Fraßgänge. Hauptgrund für die Fällung war aber die Gefahr durch Grünastabbrüche"
Markus Peter, stellvertretender Leiter des Servicebetriebs Bau und Stadtgrün zur Fällung der Pappel am Spitalseebunker.

Das Holz von Pappeln sei nicht so elastisch und fest wie das anderer Bäume. Bei gleichzeitig hohem Frischgewicht der Äste mit Blättern sei diese Baumart "in besonderem Maße für Grünastbrüche prädisponiert. Darüber hinaus sind ältere Pappeln äußerst bruchgefährdet", so Peter. Es sei mehrfach passiert, dass an heißen Tagen große Äste an dem Baum abbrachen. "An den Ästen sind vor dem Abbruch äußerlich keine Schäden erkennbar. Auch die Bruchstelle zeigt in der Regel keine Anzeichen von Fäule oder anderer Defekte im Innern", erklärt Peter, weswegen ein Grünastbruch "unvorhersehbar“ sei und man deshalb habe handeln müssen.

Das Wegfräsen des Baumstumpfes, das manchen Bürger verwunderte, ist laut Peter ein übliches Vorgehen, wenn wie in diesem Fall zeitnah ein neuer Baum gepflanzt werde. Außerdem werden so die Wurzelausläufer einer Pappel mit beseitigt.

Ausführlich äußert sich Peter auch noch einmal zur Frage, ob ein Gutachten im Vorfeld nicht doch mehr Klarheit gebracht hätte. Das von Peter Hofmann geforderte schalltomographische Verfahren biete nur ein Querschnittsbild des Baumes in der Untersuchungsebene. Um beurteilen zu können, wie sich Fraßgänge des Hornissenglasflüglers, mit dem der Baum befallen war, in Richtung Wurzeln auswirken, sei das Verfahren nicht geeignet. "Der bodennahe Einsatz ist nicht möglich, da vorhandene Bodenfeuchtigkeit das Messergebnis beeinflusst", so Peter. Es ließen sich durch eine Schalltomographie "keine Aussagen zur Standsicherheit des Baumes treffen". Dafür müsse man immer den Baum als Ganzes betrachten, auch Kronengröße und die Verankerung des Baumes. 

Bahn beauftragte Baumfällung im alten Friedhof aus Sicherheitsgründen

Eine weitere Baumfällung sorgte derweil im alten Friedhof für Bürger-Nachfragen. Dort waren drei gesunde Bäume entlang der Bahnlinien Schweinfurt-Bamberg von Mitarbeitern der Bahn gefällt worden. Markus Peter erklärt auf Nachfrage, er habe im Umweltausschuss im Oktober schon darüber informiert. Die Bahn halte entlang ihrer Strecken vor allem wegen der Oberleitungen einen größeren Sicherheitsabstand ein. Wenn Bäume zu groß werden und die Gefahr besteht, dass Äste bei Stürmen abbrechen und auf den Leitungen lande, werde grundsätzlich gefällt, so Peter.

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