GEROLZHOFEN

Partnerschaft schon fast historisch

Im Sport vereint: Durchaus mit Ernst und Ehrgeiz traten die Handball-Herrenmannschaften des HBC Mamers (dunkle Trikots) und des TV Gerolzhofen gegeneinander an. Die Gerolzhöfer gewannen knapp mit 30:28. Foto: Norbert Finster

„Ich habe noch nie so viel über Politik geredet wie in den vergangenen beiden Tagen“, sagt Bürgermeister Thorsten Wozniak. Und meint damit seine Gespräche mit seinem französischen Amtskollegen aus Mamers. Frédéric Beauchef war am Donnerstag zum ersten Mal an der Spitze einer Reisegruppe in die Partnerstadt gekommen.

„Gerolzhofen ist eine sehr schöne Stadt“, sagt Frédéric Beauchef zu Beginn eines Gesprächs mit den beiden Bürgermeistern. „Wir haben ähnliche Vorzüge“, gibt Wozniak zurück. Und ähnliche Ziele. Nämlich vor allem die Menschen in der Kleinstadt zu halten. Beide Stadtoberhäupter berichten von den Schwierigkeiten mit diesem Unterfangen. Die jungen Leute gehen nach dem Abitur zum Studieren und kommen oft nie mehr wieder in ihre Heimatstädte zurück.

So gibt es in Mamers seit 30 Jahren eine Einwohnerrückgang. In Gerolzhofen dagegen ist zuletzt wieder ein leichter Anstieg festzustellen, freut sich Bürgermeister Thorsten Wozniak. Erstmals habe man wieder die 6800 überschritten.

Eine Möglichkeit, Menschen in der Kleinstadt zu halten, ist ein gutes Kindergartenangebot. Hier sind die Unterschiede zwischen Mamers und Gerolzhofen groß. Dort ist die Gemeinde Träger eines kleinen Kindergartens (jardin d'enfants) mit nur rund 30 Plätzen. Eine viel größere Rolle spielt die Vorschule (école maternelle). In Gerolzhofen dagegen ist die katholische Kirche Träger eines Kinderhauses an zwei Standorten, das rund 200 Plätze anbietet. Die Gebühren sind dagegen fast auf gleichem Niveau mit 100 bis 140 Euro pro Monat.

Beauchef ist Ehrenamtler

Wirtschaftliche Probleme schlagen von nationaler Ebene auf die lokale durch, berichtet Frédéric Beauchef. Auch in der Innenstadt von Mamers stehen immer mehr Geschäfte leer.

Der Bürgermeisterposten ist in Mamers ein Ehrenamt. Frédéric Bauchef verdient sein Geld nicht überwiegend im Rathaus, sondern im Büro eines Politikers. Im Gegensatz zu Deutschland wird er nicht direkt von der Bevölkerung, sondern vom Stadtrat gewählt.

Welche Rolle spielt nun die Städtepartnerschaft mit Gerolzhofen für den neuen Mamerser Rathauschef? „Diese Partnerschaft ist inzwischen schon fast historisch und schon deswegen wichtig“, sagt der 42-jährige gelernte Jurist, der über die konservative Liste „Unis pour Mamers“ (Vereint für Mamers) an die Stadtspitze gekommen ist. Die Inhalte der Partnerschaft sollten nicht vom Bürgermeister gesetzt werden, sondern vom Partnerschaftskomitee, das bei Michel Corbin, Beauchefs Amtsvorgänger, in guten Händen liege.

Hier sind sich die beiden Bürgermeister nicht ganz einig. Thorsten Wozniak meint, dass es sehr wohl von einem Bürgermeister erwartet werden könne, sich in der Partnerschaft zu engagieren. Aktuell hat er den positiven Eindruck, dass diese wieder durch breitere Kreise getragen werde, wie der Besuch der Handballer mit vielen jungen Leute gezeigt habe.

Guter Handballsport

Die sportliche Seite hat die Handballabteilung des TV Gerolzhofen perfekt organisiert. Viele Handballer nahmen Gäste aus Mamers bei sich auf. Sehr freundschaftlichen Charakter hatte das Spiel der Jugendmannschaften, bei dem die Mamerser durch Gerolzhöfer Spieler ergänzt wurde. Der TVG gewann 27:21.

Sehr ambitioniert und mit großem Ernst traten dagegen die Herrenmannschaften gegeneinander an. Da wurde auf beiden Seiten auch schon mal zugelangt. Die Franzosen hatten einige Top-Spieler in ihren Reihen, allen voran die Brüder Christopher und Florian Désiré. Gerolzhofen führte zwar fast immer, doch entscheidend absetzen konnte sich der Neu-Landesligist nicht, so dass am Ende ein knappes 30:28 herauskam. Beim HBC Mamers stand übrigens 2. Bürgermeister Erich Servatius im Tor.

Beim gemeinsamen Feiern in der Aula der Realschule erhielt jeder Handballer aus Mamers eine Erinnerungsmedaille. Dabei sprachen die Franzosen auch eine Gegeneinladung aus.

Tags zuvor hatte die 51-köpfige Delegation – viele Franzosen waren zum ersten Mal in Gerolzhofen und auch in Deutschland – Würzburg besucht. Danach ging es auf die Kart-Bahn, wo die neuen Leihkarts der Motorsportvereinigung bei den Franzosen sehr gefragt waren. Ihre Runden drehten nicht nur Jugendliche, sondern auch Frauen und die Bürgermeister stiegen ein.

Nach dem Empfang im Rathaus (wir berichteten) gab es noch eine Stadtführung und die Möglichkeit zum Besuch des Geomaris.

Beim Abschied äußerten auch die Gastgeber gegenüber Hannelore Hippeli, der wieder sehr rührigen Präsidentin des Partnerschaftskomitees, dass sie durch diesen Besuch viel gewonnen hätten. Im kommenden Jahr soll der Austausch auf der Ebene der Feuerwehren weitergehen.

Der erste Handschlag: Der Gerolzhöfer Bürgermeister Thorsten Wozniak (rechts) begrüßt seinen Mamerser Amtskollegen Frédéric Beauchef und seine Frau Anne beim Antrittsbesuch in Gerolzhofen.

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