WETZHAUSEN

Pfarrgarten Wetzhausen: Der Schatz im Verborgenen

Manchmal sind es Türen, die neue Horizonte eröffnen. Henriette Dornberger nutzt diese Tür, die es von Amsterdam nach Wetzhausen geschafft hat, als Stilmittel für den Eintritt in eine grüne Welt.
Manchmal sind es Türen, die neue Horizonte eröffnen. Henriette Dornberger nutzt diese Tür, die es von Amsterdam nach Wetzhausen geschafft hat, als Stilmittel für den Eintritt in eine grüne Welt. Foto: Helmut Glauch

Schätze, die jeder sehen kann, verlieren schnell ihren Glanz. Schätze im Verborgenen dagegen wollen entdeckt und behutsam dem persönlichen Schatzkästlein im Gemüt des Betrachters hinzugefügt werden, wo sie weiter leuchten können. Einen solchen Schatz im Verborgenen gibt es im Pfarrgarten von Wetzhausen zu entdecken.

Kein Schatz im Sinne von Gold und Juwelen, sondern – und vielleicht deshalb noch wertvoller – ein Garten voller Geschichte und Geschichten. Ein Ort an dem es nicht schwer fällt Ruhe zu finden und Kraft zu tanken. Nicht umsonst sind Führungen und Erfahrungen durch und in diesem wunderschönen Stück Natur – behutsam von kundiger Hand gestaltet – Teil der Veranstaltungen der Bayern-Tour-Natur2018.

Viel Arbeit beim Schätze heben

Henriette Dornberger ist in Personalunion Gestalterin, Hüterin und Bewahrerin dieses Schatzes. Seit vier Jahren bewohnt sie ein Stockwerk des altehrwürdigen Wetzhäuser Pfarrhauses gleich neben dem idyllischen Schlosssee oder Mühlsee, in dem sie im Sommer auch sehr gerne baden geht. Die meiste Zeit, nicht nur im Sommer, verbringt sie aber in ihrem Garten.

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Pfarrgarten Wetzhausen

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Die pensionierte Fachlehrerein für Sport und Gestaltung hatte schon immer ein kreatives Händchen, hat zum Beispiel bei Wettbewerben des Hotel- und Gaststättenverbandes 2009 und 2010 mit Gestaltungs-Ideen wie „Weinfreuden mitten im Grünen“ die deutsche Meisterschaft geholt. Wenn eine solche Frau auf einen solchen Schatz im Verborgenen trifft, den es im wahrsten Sinne des Wortes mit viel Arbeit und oft im Schweiß des Angesichtes zu bergen galt, dann kann es eigentlich nur gut werden.

Teil der Bayern-Tour-Natur

Da haben sich zwei gesucht und gefunden, der Garten und die kreative Frau, die es geschafft hat, aus dieser – sagen wir mal wohlmeinend Wildnis – einen Ort der Ruhe und Geborgenheit zu machen. „Dieser Platz gehört nicht nur einem allein, sondern der Pfarrgarten hat die Reife erhalten für alle da zu sein“, sagt Dornberger, die den fast verlorenen Garten mit seinen Besonderheiten zu neuem Leben erweckt hat. Wer mal da war, wird diesen Satz unterstreichen. Und das waren schon viele. An den Bayern-Tour-Natur-Sonntagen (in der Regel der erste Sonntag im Monat, das nächste Mal am 5. August ab 14 Uhr) tummeln sich bis zu 50 Gäste auf dem weitläufigen, rund 3000 Quadratmeter umfassenden Areal, und lassen sich verzaubern vom Charme zum Beispiel der Vergänglichkeit, denn nicht nur dem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Vergänglichkeit ist nur eines der Themen, denen sich Dornberger widmet. Da wäre zum Beispiel eine alte Tür, die irgendwann einmal in Amsterdam die Sonne hereinließ, heute öffnet sie sich für ein grünes Zimmer, eine Pforte die den Eintritt in die Natur plastisch darstellt. Baumstümpfe, alte Balken, geflochtene Zäune, die doch keine Grenzen sind, und viele kleine und große Dinge, die ihren Platz gefunden haben, machen den Reiz dieses eigentlich fast schon komponierten Gartens aus.

Komponiert auch deshalb, weil es darin, fern von Straßen und Alltag, auch eine selten gewordene „Musik“ zu hören gibt – die Stille. Stille, die immer noch eine solche ist, selbst wenn sie vom Wind in den Bäumen und vom Gesang der Vögel aufgelockert wird.

Überreste der alten Zehnscheune integriert

Eine wirkliche Entdeckung und deshalb Namensgeber für den „Schatz im Verborgenen“ waren die Überreste der alten Zehntscheune, die vor Jahrhunderten in diesem Pfarrgarten, der auf einer gedachten Linie zwischen Schloss Craheim und Schloss Wetzhausen liegt, stand. Der gefallene Giebel – wieder ein Zeichen der Vergänglichkeit – ist nun Teil des Gartenbodens. Farne, Funkien und Schattengewächse versinnbildlichen den Triumph der Natur.

Fünf Themenbereiche und Elemente

Was wäre ein Pfarrgarten ohne religiöse Symbole. Ein riesiger alter Tisch erinnert von seinen Dimensionen her an das letzte Abendmahl. Heute schmeckt dort zum Beispiel die aus duftenden Gartenkräutern selbst gemachte Kräuterlimonade. Mit so einer „Mädesüß-Limo“ in der Hand, findet der Besucher weitere religiöse Symbole wie „Himmelsleitern“, die sich an alte Bäume schmiegen, oder lässt die unvergänglichen Texte großer Dichter, die sich zum Beispiel auf liebevoll beschrifteten alten Fensterläden finden, auf sich wirken. „Ich möchte, dass jeder, der hier war etwas für sich mitnimmt“, meint Henriette Dornberger, die den Garten in die fünf Themenbereiche Ursprung und Anfang – Vergänglichkeit – Wasser als Lebenselixier – Schatz im Verborgenen – Licht und Schatten, aufgeteilt hat. Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser finden zusammen zur Einheit mit der Natur. Was jeder für sich mitnimmt, das entsteht im Auge des Betrachters.

„Ein Garten ist nie vollendet, er soll sich mit seinem Besitzer immer wieder aufs Neue entfalten können“, so Henriette Dornberger, die auch das „Café Altes Fortshaus“ immer Sonntags von 14 bis 18 Uhr in Wetzhausen betreibt. Für sie ist der Garten, der auch schon im Fernsehen präsentiert wurde, eine schier endlose Quelle der Inspiration. Ihre Augen leuchten, wenn sie davon berichtet, was sie noch alles vorhat – unter der Woche versteht sich – denn „am Sonntag wartet der Garten auf seine Gäste“.

Kontakt: Atelier Henriette Dornberger – Kunst und Gestaltung – Alter Schlossweg 2 – 97488 Wetzhausen/Stadtlauringen. Tel. (0 97 24) 90 72 474 Mobil: 0 160 99 164452. Geöffnet :Jeden Sonntag von 14 bis 18Uhr. Führungen und weitere Termine nach telefonischer Vereinbarung.

Begegnungen von Holz, Stein, Metall  und Natur. Wie zufällig sind verschiedene Formen und Handwerkstechniken aneinandergereiht. Hier wurden zum Beispiel auch schon Taufen durchgeführt.
Begegnungen von Holz, Stein, Metall und Natur. Wie zufällig sind verschiedene Formen und Handwerkstechniken aneinandergereiht. Hier wurden zum Beispiel auch schon Taufen durchgeführt. Foto: Helmut Glauch
Den traumhaften Ausblick auf den Schlosssee oder auch Mühlsee gibt es obendrauf. Henriette Dornberger geht auch gerne dort schwimmen.
Den traumhaften Ausblick auf den Schlosssee oder auch Mühlsee gibt es obendrauf. Henriette Dornberger geht auch gerne dort schwimmen. Foto: Helmut Glauch
Der Vorhof zu einem Paradiesgarten. Wer das Tor zum Pfarrhaus Wetzhausen hinter sich gelassen hat, betritt den Pfarrgarten, einen von Frankens Paradiesgärten.
Der Vorhof zu einem Paradiesgarten. Wer das Tor zum Pfarrhaus Wetzhausen hinter sich gelassen hat, betritt den Pfarrgarten, einen von Frankens Paradiesgärten. Foto: Helmut Glauch
Persönliche Rückzugsorte zwischen Bäumen und alten Mauern. Auch Henriette Dornberger hat sich persönliche Liegblingsplätze gebaut, denn jeder hat das Recht sich ein eigenes kleines Paradies zu schaffen.
Persönliche Rückzugsorte zwischen Bäumen und alten Mauern. Auch Henriette Dornberger hat sich persönliche Liegblingsplätze gebaut, denn jeder hat das Recht sich ein eigenes kleines Paradies zu schaffen. Foto: Helmut Glauch

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