Schraudenbach

Planen sollen Menschen vor Raupen schützen

Der Staatsforst bei Schraudenbach wird heuer wieder nicht gegen Schwammspinner gespritzt, weil die Prognose nur eine geringe Gefährdung des Waldes sieht.
Ein altes Schwammspinner-Gelege an einem Baum.
Ein altes Schwammspinner-Gelege an einem Baum. Foto: Silvia Eidel

Die Anwohner des Glockenberg und der Forststraße in Schraudenbach sind skeptisch. Was erwartet sie, wenn in diesem Jahr im angrenzenden Bayerischen Staatswald wieder nicht gegen den Schwammspinner gespritzt wird? Wird ein Zaun aus Planen, den die Gemeinde im Falle einer erneuten Invasion der Raupen bauen will, ihnen auch Schutz bieten? Wer wird sich kümmern oder werden sie wieder allein gelassen? Viele Fragen, die bei einer Ortseinsicht im Schraudenbacher Wald – noch vor Ausrufung des Kathastrophenalarms in Bayern – gestellt wurden. 

Die Bilder von gefräßigen Schwammspinner-Raupen, die im vergangenen Juni einige Hektar Wald kahlgefressen und dann über die angrenzenden Gärten und Häuser hergefallen waren, sind bei den Anwohnern noch präsent. "Hier war alles weggefressen, nur am Kirschbaum nicht", deutet Ludwig Rumpel auf sein Grundstück an der Forststraße, direkt am Waldrand. Wochenlang hatten er und seine Nachbarn die Tierchen abgeflammt, gesammelt, abgesaugt oder abgekehrt. Die Belastung, vor allem psychischer Art, war extrem, denkt auch Janine König zurück, deren Kinder nicht mehr draußen spielen konnten. Dass sich das nicht wiederholen soll, ist erklärtes Ziel des Waldbesitzers, der Bayerischen Staatsforsten, und der Gemeinde Werneck.

Schwammspinner-Prognose

Bei einem Waldgang bereits vor einigen Tagen erhielten 40 Interessierte Einblick, wie die Forstleute die Situation zum Waldschutz beurteilen und wie die Gemeinde den Menschenschutz sichern will. Vertreter beider Institutionen demonstrierten, dass sie diesmal vorbeugend miteinander arbeiten.

Bei der Erstellung der jährlichen Schwammspinner-Prognose hatten im Herbst die Forstleute im 80 Hektar großen Schraudenbacher Staatswald doppelt so viele Bewertungsbereiche gegenüber dem Vorjahr gebildet und die Eigelege des Falters gezählt. Christoph Riegert, Leiter des zuständigen Forstbetriebs Arnstein, informierte, dass zusätzlich in einem Waldstück parallel zum bewohnten Glockenberg Daten erhoben wurden.

Während 2019 in drei Abschnitten die Gelegedichte bei 2,1, 4,5 und 15,3 lag, sind es diesmal zwischen 0,1 und 1,3, verwies Stephan Thierfelder, Bereichsleiter Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt, auf viel niedrigere Zahlen. Ein kritischer Wert für Kahlfraß liege bei einer Dichte von fünf Gelegen, wobei aber immer die Gesamtsituation betrachtet werde. Das Prognose-Verfahren sei diesmal noch detaillierter, beispielsweise wurde die Zahl der Eigelege in Relation zur Stärke der Bäume gesetzt.

Warum die Bayerischen Staatsforsten bei Schraudenbach keine Chemie gegen den Schwammspinner einsetzen und was die Gemeinde Werneck, hier in der Mitte Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl, zum Menschenschutz unternimmt, erfuhren zahlreiche Interessierte bei einer Ortsbesichtigung. Der Termin fand bereits vor einigen Tagen statt, als Versammlungen noch erlaubt waren.
Warum die Bayerischen Staatsforsten bei Schraudenbach keine Chemie gegen den Schwammspinner einsetzen und was die Gemeinde Werneck, hier in der Mitte Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl, zum Menschenschutz unternimmt, erfuhren zahlreiche Interessierte bei einer Ortsbesichtigung. Der Termin fand bereits vor einigen Tagen statt, als Versammlungen noch erlaubt waren. Foto: Silvia Eidel

Die Bewertungsmethodik erläuterte Hannes Lemme, eigens angereister Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising (LWF). Bis in zwei Meter Höhe am Stamm sowie an der Unterseite der Äste der Krone werden Eigelege gesucht. Unterschieden werden muss zwischen alten, leeren und neuen, gefüllten Nestern. Die Gelegegröße – heuer wesentlich kleiner als 2019 – ist ein weiterer Faktor. Aufgenommen werden Baumarten, Waldbestand, vorherige Situation, Krankheiten, Pilze oder andere Schädlinge.

Keine bekämpfung aus der Luft

Bei möglichen Gefährdungsflächen werden noch Naturschutzrecht und ein 50-Meter-Abstand zur Siedlung berücksichtigt. Die Ergebnisse beraten LWF und Forstamt erneut gemeinsam. Insgesamt 3000 Suchtrakte in ganz Bayern müssen bewertet werden. Für den Schraudenbacher Staatswald lautet das Urteil: Aus Waldschutzgründen wird es keine chemische Bekämpfung des Schwammspinners aus der Luft geben.

Alte, leere Eigelege des Schwammspinners sind am Baum hinter einem Vogelnistkasten sichtbar.
Alte, leere Eigelege des Schwammspinners sind am Baum hinter einem Vogelnistkasten sichtbar. Foto: Silvia Eidel

Bereits beschlossen hat der Wernecker Gemeinderat, für den Menschenschutz einerseits einen Schutzzaun vorzubereiten, andererseits den Einsatz von Bioziden zu beantragen, informierte Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl. Noch stehe man hier am Anfang.

Konkreter sind die Informationen, die sowohl Forstbetriebsleiter Riegert als auch die Gemeinde aus Gunzenhausen einholten. Dort wurde 2019 die Raupenplage auch mit Schutzplanen verringert.

Man werde ab Ende März beobachten, wann und in welcher Zahl die Larven aus den Eiern schlüpfen, sicherte Riegert zu. Wandern würden diese erst, wenn sie innerartlich Nahrungskonkurrenz erhielten. Für den Fall der Fälle unterstütze der Forstbetrieb die Gemeinde bei der Errichtung und Überwachung des Schutzzaunes. "Aber die Gemeinde hat den Hut auf".

1,2 Kilometer lang könnte ein Schutzzaun werden

"Wer bestellt, der zahlt", wusste auch die Bürgermeisterin, die zusicherte, die Gemeinde werde sich rüsten, werde recherchieren, wo und wann welche Planen geordert werden könnten. 1,2 Kilometer lang könnte ein Schutzzaun entlang des Waldweges oberhalb der Glockenberg-Siedlung aufgestellt werden, so Riegert. Ob am Sportplatz auch die Straße zu überqueren sei, müsse man sehen.

Oberhalb der Glockenberg-Siedlung könnte im Falles einer erneuten Invasion der Schwammspinner-Raupen am Waldweg ein Schutzzaun aus Planen errichtet werden.
Oberhalb der Glockenberg-Siedlung könnte im Falles einer erneuten Invasion der Schwammspinner-Raupen am Waldweg ein Schutzzaun aus Planen errichtet werden. Foto: Silvia Eidel

Pfosten könne der Bauhof schon vorbereiten, so Baumgartl. Klebestreifen müssten auf den Planen aufgebracht und gewechselt werden. Mit einem Industriestaubsauger müssten die Raupen häufig abgesaugt werden, eine Kehrmaschine sei ebenfalls nötig. Organisatorische, personelle und logistische Hilfe sagte Riegert zu.

Er machte aber auch deutlich, dass ein vorbeugendes Spritzen des Waldes mit Pflanzenschutzmitteln hier nicht verhältnismäßig wäre. Eine Garantie, dass es keine Probleme mit dem Schwammspinner gebe, wie von Anwohnern gefordert, könne niemand geben.

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