Sennfeld

Planer glaubt weiter an Tiny Houses

Eine Studie zur Sennfelder Freizeitanlage sieht wegen Trinkwasserschutz keine Chancen für neue Bauten. Gibt es ein "Experimentelles Kulturgelände mit Tiny Houses Park"?
In die Jahre gekommen sind die Flächen und Einrichtungen der Freizeitanlage Sennfeld, hier der Eingang zur ehemaligen SKF-Erholungsanlage. Eine Machbarkeitsstudie hat Neubauten dort keine Chance gegeben.  Foto: Silvia Eidel

Die Vorstellung der Machbarkeitsstudie zur Sport- und Freizeitanlage im Gemeinderat Sennfeld hatte für einige Ernüchterung gesorgt. Denn für die ehemalige SKF-Erholungsanlage hatte der beauftragte Gutachter kaum neue bauliche Möglichkeiten in Aussicht gestellt, keinen Campingplatz und keine Tiny House-Siedlung für Miniwohnhäuser (wir berichteten). Anders sieht das Architekt und Stadtplaner Andreas Unser vom Tiny House Netzwerk. Er interpretiert das Ergebnis positiver und glaubt, das Projekt "Experimentelles Kulturgelände mit Tiny Houses Park" sei möglich.

In der Gemeinderatssitzung hatte der beauftragte Planer Roland Breunig vom Büro Archicult zum einen die Problematik des 100-jährigen Hochwassers am Gelände erläutert, zum anderen und vor allem die des Trinkwasserschutzgebiets Zone 2, aus dessen Brunnen die Stadt Schweinfurt über zwei Drittel ihres Wassers bezieht. Dort gelten höchste Auflagen und Einschränkungen, der Schutz des Trinkwassers ist oberstes Gebot.

Bei einem sogenannten Scoping-Termin mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes, der Abteilungen Wasserrecht, Untere Naturschutzbehörde und Hochbauamt des Landratsamts Schweinfurt sowie mit den Stadtwerken Schweinfurt im Dezember 2019 hatten diese erklärt, so Breunig, bauliche Maßnahmen seien dort "schwierigst bis nicht möglich". Baumhaus-Hotel oder Tiny House-Siedlung seien "definitiv ausgeschlossen, trotz Stelzen". Auch auf Nachfrage seien "die Männer keinen Millimeter gewichen".

Nach den Vorstellungen eines "Netzwerks Tinyhouse" könnte auf dem Freizeitgelände Sennfeld trotz des Ergebnisses der Machbarkeitsstudie ein "Experimentelles Kulturgelände und Tiny Houses Park" entstehen.  Foto: Skizze: Andreas Unser, Architektur Werkstatt Freiraum

In einer umfangreichen Pressemitteilung formuliert dagegen Andreas Unser für das Tiny House Netzwerk seine Sicht der Dinge. In dem Netzwerk engagieren sich Ideengeber und drei Projektpartner. Die Grünen in Sennfeld unterstützen es. "Alles ist möglich – was das Schutzziel nicht gefährdet", nennt Unser das Ergebnis der Machbarkeitsstudie. Er beruft sich auf die von Archicult vorgestellten Ausbaustufen Null bis Drei nach Attraktivität und Planungsaufwand für das Gelände, "auch was das Genehmigungsverfahren betrifft".

Für Null hatte Archicult-Geschäftsführer Breunig angenommen, den aktuellen Stand zu belassen. Stufe 1 bedeute, die vorhandenen Anlagen – Sportflächen, Gaststätte, Seezugang – zu sanieren, technisch zu ertüchtigen, attraktiver zu machen und Marketing zu betreiben. Stufe 2 benötige bereits ein Genehmigungsverfahren, sehe aber keine dauerhaften Einbauten vor, wie einen Outdoor-Park oder einen Bike-Park. Stufe 3 wäre eine dauerhafte Anlage, die eine Genehmigung brauche, etwa ein überregional attraktiver Motorik-Park.

Hoffen auf eine Ausnahmegenehmigung

Andreas Unser ist der Ansicht, selbst für die Ausbaustufe 3, für die er das "Experimentelle Kulturgelände mit Tiny House Park" nennt, könne es eine Ausnahmegenehmigung geben. Er fokussiert sich in seiner Mitteilung vor allem auf die Hochwasserproblematik, lässt aber den Trinkwasserschutz großteils außen vor.

Auf Nachfrage der Redaktion bei der Gemeinde Sennfeld erklärte Thomas Mahr von der Bauverwaltung, ein Scoping-Termin mit den Behördenvertretern, wie er im Dezember 2019 stattgefunden habe, werde immer vor Beginn einer Bauleitplanung der Gemeinde gehalten, um schon im Vorfeld zu sehen, was möglich sei und was nicht.

Ein ehemaliger Bunker mit einem Pavillon darüber zählt zu den Einrichtungen auf der Freizeitanlage Sennfeld. Foto: Silvia Eidel

Das Ergebnis dieses Termins habe eindeutig gezeigt, dass "eine Bauleitplanung in dem Gebiet der SKF-Anlage hinsichtlich der Errichtung eines Tiny House Parks, welcher eindeutig mehrere bauliche Anlagen darstellt, keine Aussicht auf Erfolg hat." Hauptsächlich der Schutz des Grundwassers der Stadtwerke Schweinfurt, der keinen Spielraum für Wohnraumnutzung zulasse, sei an diesem runden Tisch genannt worden. Dieser Schutz basiert auf der Wasserschutzgrundverordnung von 1989. Auch alle anderen Wünsche der Gemeinde Sennfeld, wie Zeltplatz, Campinganlage, Grillplatz wurden kritisch betrachtet. "Ein Beachvolleyballfeld war das einzige Entgegenkommen".

Einen Bebauungsplan mache man aber nicht, so Mahr, wenn man wisse, dass er nicht zielführend sei. Denn auch wenn die Gemeinde ihr Einvernehmen erteile, würde die negative Stellungnahme der Fachbehörde am Landratsamt das Vorhaben verhindern. "In diesem Fall wäre sogar die Änderung der Wasserschutzgebietsverordnung notwendig, was – wenn man realistisch darüber nachdenkt – sehr unwahrscheinlich ist."

Wie Bürgermeister Oliver Schulze sagte, müsse auch die hölzerne Event-Hütte von Radio Primaton auf dem Gelände wieder abgebaut werden. "Nach heutigem Stand ist bauliche Aktivität dort sehr, sehr schwer." Der Gemeinde sei das Problem Hochwasser- und Trinkwasserschutz schon bewusst gewesen, sie habe dies aber mit der Studie konkret überprüfen lassen wollen.

Weil Bestandsschutz für die vorhandenen Gebäude und Einrichtungen gelte, "ist uns jetzt aber bewusst, was wir haben, und das wollen wir pflegen". Man müsse sehen, was man moderat modernisieren könne. Als Festplatzwiese für Sennfeld sei das Gelände sicher, dort soll 2021 auch das siebte Varieté-Festival stattfinden.

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