Schweinfurt

Plötzliche Bewusstlosigkeit – harmlos oder tödlich?

Leopoldina: Chefarzt Prof. Dr. Karl Mischke sprach beim Arzt-Patienten-Seminar über die Ursachen von Ohnmacht. Welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Etwa 30 Prozent der Bevölkerung erleidet im Laufe ihres Lebens eine oder mehrere Synkopen. Die Ursachen für die plötzliche Bewusstlosigkeit können harmlos, manchmal aber auch Herzrhythmusstörungen sein.
Etwa 30 Prozent der Bevölkerung erleidet im Laufe ihres Lebens eine oder mehrere Synkopen. Die Ursachen für die plötzliche Bewusstlosigkeit können harmlos, manchmal aber auch Herzrhythmusstörungen sein. Foto: Ivo Knahn

Eine plötzliche Ohnmacht, Mediziner sprechen von einer plötzlicher Bewusstlosigkeit, kann ein einmaliges Ereignis sein, aber auch immer wieder passieren. Die Lebensqualität der betroffenen Menschen ist stark eingeschränkt. Ihr Alltag verändert sich, oft leiden sie unter Ängsten. Meist sind die Ursachen für eine Ohnmacht (auch Synkope) harmlos – bis auf die Sturzgefahr – aber manchmal können auch lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen der Auslöser sein.

Klärende Informationen zu diesem Thema gab Prof. Karl Mischke, Chefarzt der Medizinischen Klinik I des Leopoldina, bei seinem Arzt-Patienten-Seminar "Plötzliche Bewusstlosigkeit – von harmlos bis tödlich". Er definiert eine Ohnmacht (Synkope) als einen vorübergehenden Bewusstseinsverlust durch verminderte Blutversorgung des Gehirns mit spontaner Erholung. Etwa 30 Prozent der Bevölkerung erleidet im Laufe ihres Lebens eine oder mehrere Synkopen.

Deshalb ist in solchen Fällen der erste Schritt einer Behandlung, den Betroffenen sicher auf den Rücken zu lagern, die Beine hochzulegen und für frische Luft zu sorgen. Ist der Ohnmächtige wieder bei Bewusstsein, sollte er noch kurz liegen bleiben. Bei der Synkope erlangt der Betroffene also sehr schnell wieder das Bewusstsein. Anders ist das Vorgehen, wenn es sich nicht um eine Synkope handelt, sondern um eine andere Form der Bewusstlosigkeit, bei der Betroffene nicht innerhalb von kurzer Zeit wieder zu Bewusstsein kommen: Hier sollte der Notarzt gerufen und der Patient in eine stabile Seitenlage gebracht werden.

Synkopen durch Nervenreflexe

Die durch Nervenreflexe verursachten Synkopen sind mit über 40 Prozent die häufigsten. Man unterscheidet: 1. Die so genannte neurokardiogene Synkope, die durch langes Stehen ohne Bewegung oder durch einen plötzlichen Schmerz, Angst oder unangenehmen Geruch ausgelöst wird. 2. Bei einem Karotissinus-Syndrom handelt es sich um eine Überempfindlichkeit im Bereich der Halsschlagader, die bei Kopfdrehung oder zu engem Kragen zu Schwindel und Ohnmacht führt. 3. Situations-Synkopen entstehen beim Husten, Schneuzen, Schlucken, Stuhlgang, während/nach Wasserlassen, nach körperlicher Belastung, beim Gewichtheben oder nach dem Essen.

Eine Ohnmacht nach plötzlichem Aufstehen entsteht durch Ansammeln von Blut in den Beinvenen und durch eine gestörte Blutregulation (Orthostatische Hypotonie). Lebensgefährlich können Synkopen sein, die durch Herzrhythmusstörungen und strukturelle Herz- und Lungenerkrankungen verursacht werden. Von all dem zu unterscheiden ist eine Bewusstlosigkeit durch einen Krampfanfall, durch Unterzuckerung, durch Hyperventilation und Vergiftungen.

Was passiert vor, bei und nach dem Ereignis?

Zur Diagnose sei eine gründliche Erhebung der Krankengeschichte unverzichtbar, betont Mischke. Dabei geht es um Fragen an den Patienten oder Zeugen seiner Ohnmacht wie: Liegende, sitzende, stehende Körperposition? Ruhe, Belastung, Toilettengang, Husten, Menschenansammlungen, Wärme, nach dem Essen, Angst, starker Schmerz, Halsbewegung? Begleitsymptome wie Brustschmerz, Übelkeit, Schweißausbruch, Tunnel- oder Verschwommensehen, Aura? Zeugenbeobachtung: Zusammensacken, Dauer der Synkope, Zuckungen, Zungenbiss, Einnässen?

Zur Diagnose gehört auch eine körperliche Untersuchung: Herzgeräusche, Strömungsgeräusche über der Halsschlagader, Pulsstatus, Blutdruck im Stehen und Liegen. Gibt es einen Hinweis auf eine organische Herzerkrankung? Daneben, nicht immer, spezifische kardiologische Diagnostik wie Herzultraschall, Belastungs-Langzeit-EKG, Kipptisch-Untersuchung, seltener Herzkatheteruntersuchung, elektrophysiologische Untersuchung. Bei Herzrhythmusstörungen kann zusätzlich die Implantation eines Ereignisrekorders hilfreich sein, um die Störung genau einordnen zu können. Mischke: "Trotz aller ausführlichen Diagnostik lässt sich bei etwa 30 Prozent aller Synkopen die Ursache nicht feststellen."

Behandlungsmöglichkeiten

Bei den neurokardialen Synkopen sollten enge Räume und hohe Temperaturen vermieden werden, Empfehlung von ausreichend Flüssigkeit und kochsalzreicher Diät. Beim ersten Anzeichen hinsetzen oder hinlegen. "Auch auf der Straße, keine falsche Scheu vor Passanten, ein Sturz auf den Kopf ist gefährlich", ermuntert Mischke. Selten werden Medikamente oder ein Herzschrittmacher eingesetzt. Beim "Halsschlagader-Syndrom" sollten die auslösenden Ursachen genauso vermieden werden wie bei der orthostatischen Hypotonie. Diesem Patientenkreis empfiehlt Mischke zusätzlich ebenso eine ausreichende Salz- und Flüssigkeitszufuhr, Schlafen mit erhöhtem Oberkörper und Sport, besonders Schwimmen.

Therapie bei Herzrhythmusstörungen: Bei zu langsamem Herzschlag prüfen, ob  Medikamente die Ursache sind, eventuell Schrittmacherimplantation. Bei zu schnellem Herzschlag Therapie durch Medikamente, durch eine Katheterablation oder eine Defibrillator-Implantation. Abschließend erläuterte Mischke lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen wie Kammertachykardie (Herzrasen) und Kammerflimmern bis zum plötzlichen Herztod.

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