NIEDERWERRN

Podiumsdiskussion mit vier Bürgermeisterkandidaten

Vier Bürgermeisterkandidaten präsentierten sich in der Hugo-von-Trimberg-Halle.

Auf Erden unterliegt alles dem Wandel – so dichtete Hugo von Trimberg um 1300, Namensgeber der Turnhalle, wo vier Bürgermeisterkandidaten zur Podiumsdiskussion unter Moderation des Schweinfurter Tagblatts aufeinandertreffen. Noch-Amtsinhaber Peter Seifert ist nicht da, aus terminlichen Gründen. Die 420 Stühle, die vom Verwaltungsteam aufgestellt wurden, sind am Dienstagabend größtenteils besetzt.

Recht sportlich verläuft das Politturnier, nach zwei Stunden sachlicher Debatte bleiben Abwasserzweckverband, ein gescheitertes Bürgerbegehren gegen den Kanalverkauf sowie der Kreisel an der Ludwigstraße fast einzige Aufreger. Die Redakteure Josef Schäfer und Mathias Wiedemann moderieren.

„Ich will die erste Bürgermeisterin von Niederwerrn und Oberwerrn werden“, sagt Freie Wählerin und Vizebürgermeisterin Bettina Bärmann. Sie betont Kontinuität bei Erfolgen und Eigenständigkeit in der Zukunft. Angesichts künftiger Herausforderungen möchte sie als Bindeglied zwischen Bürger und Politik wirken.

Auf Kernkompetenz für den harten Bürgermeisterjob verweist Norbert Hart (CWVO), mit Erfahrungen als Verwaltungsbeamter und dritter Bürgermeister, im Ehrenamt oder an der Spitze der Oberwerrner CSU. „Ich weiß sehr wohl, auf was ich mich einlasse.“

„Sehr viel schöne Kindheitserinnerungen“ verbindet Neueinsteiger Maximilian Schnös (CSU) mit der Hugo-von-Trimberg-Halle, 27-jähriger Lehrer und deutscher Meister im Formationstanz. „Es ist Ihre Chance auf einen Generationswechsel“, wirbt der Enkel von Bürgermeister Edwin Schnös und geht in die Charmeoffensive: „Ich bin mit Abstand die langfristigste Perspektive für diese Gemeinde.“

Schnös hat iPad und grünen Wahlkampfschal, Thomas Wohlfahrt den schönsten Slogan dabei – glaubt man dem Applaus: „Wohlfahrt für alle“, verspricht der Oberwerrner Sozialdemokrat. Auch im künftigen Gewerbepark Conn Barracks müsse es Arbeitsplätze mit „vernünftigen Verdienstmöglichkeiten“ geben, müssen die dortigen Brunnen erhalten und die Kanalgebühren in die Erschließungskosten einberechnet werden, fordert der AZV-Verbandsrat.

Erster Themenblock: Konversion. Schnös glaubt an ein Happy End, möchte aber keinen Flächenkauf. Wohlfahrt warnt vor der „Wüstung“, die SPD habe sich früh für einen Zweckverband eingesetzt. Es gelte, nicht nur Großbetriebe anzusiedeln. „Ich bin sehr glücklich, dass die Konversion so schnell vorangeschritten ist“, sagt Geschäftsfrau Bärmann. „Wir müssen mit Augenmaß reagieren“ – Norbert Hart rät zur Vorsicht.

Thema Altortsanierung kontra Neubaugebiete. Mathias Wiedemann erinnert an die Oerlenbacher Erklärung der Interkommunalen Allianz Oberes Werntal, die ersteres bevorzugt. „Wir waren nicht die ersten, die die Erklärung gebrochen haben“, sagt Hart, es gebe Förderprogramme wie „Jung kauft Alt“, die Landflucht beginne weiter draußen. „Wir fahren schon immer zweigleisig“, bestätigt Bärmann. Schnös geht in den Zweikampf: Er vermisse im Internet Wohnraum-Infos für Neubürger. Das Angebot gebe es als Portal der Werntalgemeinden, kontert Bärmann.

Thema Energiewende: „Wenn man sich auf die großen Firmen verlässt, ist man verlassen“, fordert Wohlfahrt Dezentralisierung. Die Gemeinde habe schon einiges unternommen, sagt Bärmann. „Man kann sich schnell verrennen“, warnt Hart. Schnös fordert, den Energieverbrauch zu senken. Die nächste Runde geht um Attraktivität für junge Familien, bei 20 Prozent Rentnern. Hier liegt Bärmann am Erhalt der Infrastruktur einer „Premiumgemeinde“, DSL müsse gestärkt werden. „Der Empfang war nicht so prickelnd“, sagt Schnös zur Handy-Anbindung in der Halle. Niederwerrn müsse früher investieren für die junge Generation, bevor er angriffslustig die AZV-Geschichte in den Ring wirft. Der Gemeinderat habe sich bei der Schaffung einer verbandsweiten Einheitsgebühr gegen den Bürgerwillen entschieden, mit Gebührenanstieg als Folge. „Mir hat die Alternative gefehlt“, widerspricht Hart. Das Bürgerbegehren sei zu spät gewesen, rechtfertigt sich auch Bärmann. Er sei gegen den Kanalverkauf gewesen, sagt Wohlfahrt. Spontanapplaus, als Schnös fehlende Transparenz beklagt.

In der Publikumsrunde geht es um die demnächst abgedrehte Wasserversorgung der Conn Barracks: „Was tun, wenn's brennt?“, fragt ein Insider. Die SPD habe Mittel einstellen wollen, sagt Wohlfahrt. Die übrigen Kandidaten verweisen auf Eigentumsrechte des Bundes. Beklagt wird der „ÖPNV-Missstand“. Schnös will Flexibilität, auch für die Jugend. Wohlfahrt und Hart erwähnen das Topticket, Bärmann hofft auf Einigung überm Kreistag. Gefragt wird nach dem Einfluss des Internets – für Schnös ein Schlüsselthema. Es geht um Regenwassernutzung, den Lückenschluss beim Radweg, den Erhalt Oberwerrner Bildungsstätten, was alle begrüßen. Ein Umweltschützer beklagt zu wenig Grün in der „Agrarwüste“ rund um den Ort. Schnös nützt es für einen Appell an Kinderfreundlichkeit, Bärmann erinnert an die Aufforstung.

Zum Schluss wird es noch mal hitzig, Schlagwort Kreisel: Die beiden Oberwerrner und die Niederwerrnerin bewerten ihn als alternativlos, Schnös hätte Bodenschwellen gebaut, Hart erinnert an den Lärm. Bei den Schlussworten geht es um Wohlfahrt, Glück und Zufriedenheit für alle (Wohlfahrt), um Transparenz, Rechtzeitigkeit und Bürgernähe (Schnös), um stärkere Einbindung der Bürger durch Norbert Hart als „Teamplayer“ sowie um die volle Einsatzbereitschaft einer Vizebürgermeisterin Bärmann mit neuem Stil.

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