REGION GEROLZHOFEN

„Politik gegen erklärte Interessen der Bürger“

Nicht einverstanden sind die Bürgermeister von Michelau und Oberschwarzach mit Aussagen des Bamberger Landrats Günther Denzler (CSU), die dieser beim Neujahrsempfang von Geo-net am 17. Januar in Gerolzhofen gemacht hat (Bericht in der Main-Post am 20. Januar). Dazu haben der Bürgermeister von Michelau, Siegfried Ständecke, sowie das Oberschwarzacher Ortsoberhaupt Josef Radler und sein Stellvertreter Manfred Schötz eine gemeinsame Pressemitteilung verfasst.

Sie schreiben, sie haben die Einladung von Geo-net zum Empfang gerne angenommen, nicht zuletzt wegen Landrat Denzler, der als Gastredner angekündigt war. Die Bürgermeister hatten erwartet, etwas über seine Beweggründe zu erfahren, warum er 750 Hektar im Ebracher Staatsforstgebiet als „Landschaftsbestandteil“ per Verordnung aus der Nutzung heraus nehmen will. Das wäre mehr als die Gemeindeflächen von Michelau und Oberschwarzach zusammen. Eine solche Fläche entspricht nach dem Verständnis der Bürgermeister einer Landschaft und nicht einem Landschaftsbestandteil.

Denzler wolle auf rechtlichen Krücken die Entwicklung der Region stützen – ein sehr fragliches Verhalten in den Augen der Bürgermeister. „Leider haben wir auch sonst statt griffiger Argumente nur die übliche Polemik der Nationalparkbefürworter gehört“, schreiben die Drei.

Mit seiner Absicht, nur das Beste für die Menschen zu wollen, stehe Denzler allerdings im Widerspruch zu den 28 Gemeindegremien im Steigerwald, die per Beschluss Mitglied im Verein „Unser Steigerwald“ geworden sind und sich damit eindeutig gegen einen Nationalpark ausgesprochen haben. Das sind fast so viele Gemeinden wie der Landkreis Schweinfurt hat. Gäbe es also einen Landkreis Steigerwald, wäre Denzler ein Landrat, der eine Politik gegen die erklärten Interessen seiner Bürger betreibe.

Denzler, so die Bürgermeister, hätte als Vorsitzender des Touristikvereins „Naturpark Steigerwald“ im vergangenen Jahrzehnt beweisen können, wie er den Tourismus im Steigerwald voranbringen kann. „Leider war in der Funktion nicht viel von ihm zu hören“, sagen Ständecke, Radler und Schötz. Der Tourismus im Steigerwald erfreue sich trotzdem, dank vieler kommunaler und regionaler Initiativen, seit Jahren umwelt- und strukturverträglicher Zuwachsraten.

Die Ortsoberhäupter verwahren sich gegen die „Unterstellung“ des Gerolzhöfer Stadtrats Thomas Vizl, sie würden als Gegner eines Nationalparks nicht ergebnisoffen die Für und Wider für ihre Gemeinden und die Region abwägen. In den Gemeinderäten von Michelau und Oberschwarzach sei die Abwägung auf der Basis von vorhandenen Fakten und Erfahrungen sehr sachlich und differenziert geschehen. „Wem das Ergebnis nicht gefällt, der möchte all den oben genannten Gemeindegremien die Entscheidungskompetenz absprechen“, so die Pressemitteilung.

Es sollen, so das Trio, genau die Wissenschaftler zu Rate gezogen werden, die von einem Nationalpark profitieren würden und die man nicht für ihre Entscheidungen verantwortlich machen könnte.

„Wir dagegen wollen nichts auf andere abwälzen, wir haben unsere Meinung fundiert gebildet und stehen zu unserer Verantwortung“, sagen die Gemeindevertreter. Sie gehen davon aus, dass auch die Mitglieder des Stadtrats von Gerolzhofen so eingestellt sind. Wer trotzdem Zweifel habe, sollte sich selbst die Mühe machen und kommunale und wirtschaftliche Daten der bestehenden Nationalpark-Regionen der vergangenen Jahrzehnte analysieren.

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