Schweinfurt

Politik und Frauen: Da ist noch viel Luft nach oben

Hanne Weisensee (links) und Julia Holleber gaben den Teilnehmerinnen des Aktionstages "Politik braucht Frauen" wertvolle Impulse. Foto: Ursula Lux

Es sieht nicht gut aus mit Frauen in kommunalen Ämtern. Dass da noch viel "Luft nach oben" ist, belegte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Heide Wunder, mit Zahlen. Im Bundestag liegt der Frauenanteil bei knapp 31 Prozent, im Bayerischen Landtag bei 27 Prozent und in Schweinfurt bei 33 Prozent. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Petra Müller März aus Würzburg begrüßte sie zum fünften Aktionstag der unterfränkischen Gleichstellungsbeauftragten unter dem Motto "Politik braucht Frauen".

Neben dem Austausch untereinander ermutigten zwei Referentinnen die rund 90 Frauen, sich einzubringen und sich politisch zu engagieren. Inzwischen hätten alle Parteien erkannt, dass Frauen gehört werden müssen und nicht marginalisiert werden dürfen, meinte Bürgermeisterin Sorya Lippert in ihrem Grußwort. Manchmal habe sie das Gefühl, dass Frauen selbst nicht verstünden, was sie Wichtiges beitragen können. Frauen seien immer gerne bereit mitzuhelfen, aber sie müssten auch darauf achten, gehört zu werden. Denn Frauen wüssten eher, wo der Schuh drückt, würden das System aber oft nicht kennen oder die Verwaltungssprache nicht beherrschen. Hier gelte es Unterstützung einzufordern. Lippert betonte, dass es Menschen brauche, die jenseits von Lagerkämpfen die Probleme gemeinsam angehen.

Tipps für Frauen: Netzwerke knüpfen

Hanne Weisensee, Coach in Politik, Verwaltung und Wissenschaft, gab den Frauen Strategien mit auf den Weg, um in der politischen Landschaft zu bestehen. Sie machte ihnen auch deutlich, mit welchen Fallstricken sie zu rechnen haben. So seien immer noch Geschlechterstereotypen in den Köpfen der Menschen verankert, und Frauen würden bis heute viel mehr nach dem Äußeren beurteilt als Männer. Sie riet den Frauen, Netzwerke zu knüpfen und den Männern klar zu machen, "welchen Nutzen und Mehrwert sie von Frauen haben".

Marietta Eder war nicht die Einzige, die sich mehr Solidarität unter Frauen wünschte. Und sie ermutigte zur Sachpolitik. "Ein Haushaltsplan hat ein Geschlecht", erklärte sie, Frauen würden Geld für andere Dinge ausgeben als Männer. Die Frage einer Teilnehmerin nach dem Sinn einer Frauenquote, löste eine lebhafte Debatte aus. Frauen hätten die besseren und höheren Schulabschlüsse, die geringste Schulabbrecherquote, wieso also von inkompetenten Frauen ausgehen, fragte eine Zuhörerin. Auch gebe es viele inkompetente Männer in Gremien, da sei es es ein Akt der Gleichberechtigung, wenn auch mal eine inkompetente Frau gewählt werde.

Frauen ermutigen, Frauen zu wählen

Man müsse Frauen ermutigen, auch Frauen zu wählen, meinte eine Teilnehmerin. Ute Suckfüll erzählte vom Erfolg einer Frauenliste im Landkreis, die den Anteil der Frauen im Gemeinderat auf 40 Prozent gesteigert habe. Frauen seien zudem eher bereit, überparteilich zu arbeiten, so Weisensee. Diskutiert wurde auch die Frage, wie soziale Medien zu nutzen sind. Julia Holleber, Dozentin für E-Commerce und Online-Marketing, zeigte Gefahren und Nutzen der verschiedenen Internetportale auf.

Grenzüberschreitend, überparteilich und kooperativ wünschen sich die Gleichstellungsbeauftragten des Bezirks Frauen in der Kommunalpolitik. Solche Aktionstage sollen den Weg dazu ebnen. Die Zahl der anwesenden Frauen, die bei der nächsten Kommunalwahl antreten wollen, macht Weisensee Hoffnung, dass der Frauenanteil in den Räten steigt. Bayernweit gebe es aktuell unter zehn Prozent Bürgermeisterinnen, nur drei Oberbürgermeisterinnen bei 25 kreisfreien Städten und fünf Landrätinnen in 71 Landkreisen. Das sei zu wenig.

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