Schweinfurt

Polizei war interessiert an "Gras" und Kokain

Einer wollte an Rauschgiftkunden gelangen, der andere konnte ihm welche aus seiner Kneipenkundschaft vermitteln – gegen Provision. Dabei gerieten sie aber an den Falschen.
Haftstrafen für den Dealer und seinen Kundenbeschaffer. Die Drogengeschäfte, die ein 49-Jähriger und der zwei Jahre jüngere Gastwirt in Schweinfurt einfädelten, waren von A bis Z polizeilich überwacht.
Haftstrafen für den Dealer und seinen Kundenbeschaffer. Die Drogengeschäfte, die ein 49-Jähriger und der zwei Jahre jüngere Gastwirt in Schweinfurt einfädelten, waren von A bis Z polizeilich überwacht. Foto: Oliver Berg/dpa

Am dritten Verhandlungstag hat die Große Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt das Urteil gesprochen. Der 49-jährige Marihuana- und Kokain-Dealer wurde wegen Betäubungsmittelhandels in vier Fällen – in einem davon "mit Waffen", die im Keller deponiert waren – zu fünf Jahren Haft verurteilt. Sein Mittäter, ein Schweinfurter Gastwirt (47), muss für drei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Er hatte sich an den Taten beteiligt, indem er dem 49-Jährigen Kunden aus seiner Kneipe für zehn Prozent vom Umsatz vermitteln wollte. Er wurde wegen zweifachen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln verurteilt. Durch eine Telefonüberwachung des 49-Jährigen war auch er ins Visier der Ermittler gerückt.

Alles polizeilich überwacht

Beim letzten und größten Geschäft, am 30. Juni letzten Jahres, floss kein Geld, dafür klickten auf dem Parkplatz der Gaststätte des genannten Wirts die Handschellen. 1,7 Kilogramm "Gras" (Marihuana) und 124 Gramm Kokain sollten für 21 000 Euro den Besitzer wechseln. Es war ein Scheingeschäft, der Käufer eine "Vertrauensperson" (VP) der Polizei, genannt "Dimi". Vorausgegangen waren zwei kleinere Geschäfte mit dem Lockvogel "Dimi" . Von A bis Z war letztlich alles polizeilich überwacht, so die Kammervorsitzende am Montag bei der Urteilsverkündung.

Die beiden Angeklagten sind dem Gericht zufolge im Mai 2019 überein gekommen, arbeitsteilig mit Drogen Geld zu verdienen, nach dem Motto: der Wirt besorgt Abnehmer aus seinem Lokal, der 49-Jährige die Ware. So kam es zunächst zu zwei kleineren Geschäften mit "Dimi", bevor die Rede auf größere Mengen kam. Bis zu drei Kilogramm Marihuana wurden in Aussicht gestellt. Am Ende wechselten weniger als zwei Kilogramm "Gras" den Besitzer, aber ohne Bezahlung. Der "Käufer" war die Polizei, die den Stoff einkassierte und die beiden Angeklagten gleich mit.

Drogen und Waffen im Keller

Der Oberstaatsanwalt hatte für den 49-Jährigen eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren gefordert. Zu seinen Gunsten spreche, dass er nicht vorbestraft und "pauschal geständig" sei; zu seinen Lasten die erhebliche Menge. In seinem Keller seien neben einigen Gramm Drogen und allerlei Verpackungsmaterial auch eine PTB-Waffe sowie ein Teleskopstock gefunden worden, der ebenfalls als Waffe gilt, weshalb hier der Vorwurf des bewaffneten Handeltreibens erfüllt sei. 

Für den Wirt hatte der Anklagevertreter viereinhalb Jahre Haft beantragt. Dieser war seiner Meinung nach nicht nur Gehilfe, sondern Mittäter. Er habe Geschäfte eingefädelt, die in seinem Lokal durchgeführt worden seien. Er sei sogar auch an den Scheinaufkäufer herangetreten, um von ihm seinen Provisionsanteil von 2000 Euro zu fordern, nicht vom 49-jährigen Abnehmer der Drogen. 

Verteidiger: "Tatprovokation"

Die beiden Verteidiger des Gastwirts sprachen von einer "Tatprovokation" durch den polizeilichen Vertrauensmann, wenngleich dieser Einsatz rechtsstaatlich zulässig sei. Dies müsse aber bei der Strafzumessung berücksichtigt werden. Nach Ansicht der Verteidiger handelte es sich um einen minderschweren Fall. Der Wirt sei nicht einschlägig vorbestraft. Zwei Jahre auf Bewährung seien ausreichend.  

Die Anwälte des 49-Jährigen hatten auf eine Freiheitsstrafe unter vier Jahren plädiert. Auch ihr Mandant, der die 1,7 Kilogramm "Gras" und 124 Gramm Kokain in Mannheim beschafft hatte, war im Hauptverfahren geständig. Und: von den Waffen habe er, der auch Haushaltsauflösungen mache, nach eigener Aussage nichts gewusst. Die Schreckschusspistole und der Teleskopschlagstock hätten sich "zumindest nicht zugriffsbereit" in der Nähe der Drogen befunden. Das Gericht sah es anders. Gegen das Urteil ist Revision möglich.

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