SCHWEINFURT

Preise ohne Ende

Eine-Welt-Preis, Preisverleihung in Nürnberg: (von links) Christine Bender (stellvertretende Landrätin), Rainer Schöler (Schulleiter BSZ), Jonas Kruse (Schülersprecher), Renate Käser (Lehrerin und Motor vieler Aktionen rund um das Thema Eine-Welt) und Kathi Petersen (Jurymitglied und Laudatorin). Foto: Guido Chuleck

Kaum eine andere Schule wird derzeit so mit Preisen überhäuft wie das Staatliche Berufliche Schulzentrum (BSZ) Alfons Goppel in Schweinfurt. Zunächst gab es in München für den Dokumentarfilm „Vielleicht“ der Filmgruppe den ersten Preis beim Filmwettbewerb von DOK.education (DOK.fest München) und der bayerischen SPD-Landtagsfraktion, dann am Wochenende in Nürnberg den dritten Platz des von der Staatsregierung ausgelobten Wettbewerbs „Eine-Welt-Preis“, und noch in dieser Woche erhält die Schule in Berlin einen der drei ersten Preise des Nachhaltigkeitspreises des Bundespräsidenten.

Wir haben die Delegation für den „Eine-Welt-Preis“ ins historische Rathaus in Nürnberg begleitet. Die Spannung war schon auf der Hinfahrt nach Nürnberg zum Greifen nahe. Es gab nur ein Thema: der zu erwartende Platz. Dass es einer der vorderen Plätze sein musste, glaubten die Lehrerinnen daran erkannt zu haben, dass sie einen Stand mitbringen sollten, um ihr Projekt „Globalisierung im Kleiderschrank“ vorzustellen.

Stände der Preisträger

Letztlich war der untere Bereich des historischen Rathauses wie bei einer kleinen Messe übersät mit Ständen der Preisträger aus ganz Bayern, und die Konkurrenz war groß. Urlaub in Afrika zum Beispiel, oder Fair-Trade-Bälle „Eine-Welt-Kita“, „Brot für die Welt“ oder gleich eine ganze Stadt, nämlich Fürth, die später einen Sonderpreis abräumen sollte.

An ihrem Stand informierten die Lehrerinnen über ihre Projekte, neben der „Globalisierung im Kleiderschrank“ ist das insbesondere das 18 Jahre alte Erfolgsmodell „Apfelprojekt“: Äpfel von einem Obsthof der Region werden verkauft. Natürlich waren auch zwei Körbe mit Äpfeln bereit gehalten, 40 Cent pro Apfel, und es waren auch viele Teilnehmer der Preisverleihung äpfelkauend gesichtet worden.

Die wurden alle hastig zu Ende gekaut, als es an die Preisverleihung ging und Alexander Fonari, Vorsitzender des Eine-Welt-Netzwerkes Bayern, seine Zuhörer begrüßte. Für die Festrede war Michael Hinterdobler, Ministerialdirigent und Leiter der Abteilung für Europapolitik und internationale Beziehungen in der Staatskanzlei, nach Nürnberg gekommen.

Gegenseitige Verantwortung wichtig

Er spannte den Bogen vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die heutige Zeit, in die gegenseitige Verantwortung. „Überall da, wo die Regierungsarbeit ihre Grenzen finden, sind Sie alle miteinander gefragt“, betonte er. Und diese Arbeit, die geleistet werde, „ist vorbildlich“.

So vorbildlich etwa wie das Engagement des BSZ Schweinfurt, sagte die SPD-Landtagsabgeordnete und Jurymitglied Kathi Petersen. Dass der dritte Preis an eine „Berufsschule“ gehe, fand sie besonders bemerkenswert. Denn neben dem berufspraktischen Unterricht „nehmen Schüler und Lehrer ganz konsequent das globale Lernen in den Blick, sei es durch das Apfelprojekt, sei es durch die Partnerschaft mit der Berufsschule Centro Educativo Richard-von-Weizsäcker in Cochabamba in Bolivien, aber insbesondere durch die ,Globalisierung im Kleiderschrank‘, die den Schülern die Augen für die Wertigkeit ihrer Bekleidung öffnet“.

Hinzu käme die Situation der Flüchtlinge, die in dieser Schule unterrichtet würden. „Zu deren Lage in den Heimatländern kommt noch die Zukunftshoffnung, und das hat die engagierte Filmgruppe in einem preisgekrönten Film auch bewiesen.

Und genau dieser Film, entstanden unter der Federführung der Lehrerin Sabine Otter, hat beim Wettbewerb in München den ersten Preis (bei 47 Bewerbungen) abgeräumt. „Wir kriegen eigentlich ständig irgendwelche Preise für die Filme“, sagt Otter, die an der Schule unter anderem sozialpädagogische Praxis unterrichtet. Dieser Preis aber sei etwas Besonderes für sie, sagt Otter, „weil der bayernweit ausgeschrieben worden ist“. Er sei „sehr authentisch“, hatte die Jury geurteilt.

Beim Wettbewerb der Jugend Unterfrankens hat sich „Vielleicht“, der sich mit genau dieser Wartezeit zwischen Ankommen und positivem Asylbescheid befasst, für das Finale in München qualifiziert. Außerdem könnte „Vielleicht“ vielleicht auch in Berlin mit einem Preis versehen werden.

Denn die Schule hat sich zum einen insgesamt und zum anderen mit diesem Film für den Nachhaltigkeitspreis des Bundespräsidenten beworben. „Dass die Schule einen der vorderen Preise bekommt wissen wir schon“, sagt Otter, „jetzt kommt es noch darauf an, ob auch der Film einen Preis erhält.“

Zu sehen ist der preisgekrönte Film unter www.dokfest-muenchen.de

Eine-Welt-Preis, Preisverleihung in Nürnberg: Jonas Kruse (rechts), Schülersprecher des BSZ Schweinfurt, erklärt einem anderen Wettbewerber das Konzept – und verkauft nebenbei noch Äpfel. Foto: Guido Chuleck

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