SCHWEINFURT

Premiere auf Türkisch

Probenszene zu "Hangisi Karisi?" Foto: Andreas Schuller

„Hangisi Karisi?“ – so lautet der türkische Titel der weltweit populären Komödie „Run for your wife“ (deutsche Fassung: „Doppelt leben hält besser“) des englischen Autors Ray Cooney. Die Erstaufführung auf Türkisch von „Hangisi Karisi?“ findet am 7. Mai in der Stadthalle Schweinfurt statt (zwei Akte, etwa zwei Stunden), danach geht es mit dem von Orhan Azizoglu ins Türkische übertragenen Stück auf Deutschlandtournee, eine Aufführung in Istanbul ist ebenfalls geplant. Der vielseitige Schweinfurter Schauspieler und Geschäftsmann Engin Secgin (34) hat bei dem turbulenten Theaterstück gleich drei Rollen übernommen: Hauptdarsteller, Regisseur und Produzent.

Secgin und das Ensemble haben sich zum Ziel gesetzt, vor ausverkauftem Haus zu spielen. Das nimmt man ihnen ohne Weiteres ab: Die türkische Community ist gut vernetzt. Zur Premiere hat sich außerdem türkische Prominenz angesagt: Gürkan Uygun (Schauspieler), Oya Dogan (TV Moderatorin), Gül Sunal (Witwe der türkischen Comedy-Legende Kemal Sunal).

Eine besondere Ehre für die Schauspieler bedeutet es, dass der in der Türkei berühmte Theater- und Filmdarsteller, Regisseur, Produzent und Autor Haldun Dormen, Jahrgang 1928, als Supervisor gewonnen werden konnte.

Mehrmals ist der aktive 88-jährige langjährige Theaterbetreiber trotz vollen Terminkalenders aus Istanbul eingeflogen, um das Schweinfurter Ensemble bei den intensiven Proben zu betreuen. „Hangisi Karisi?“ ist auch in der Türkei schon lange ein Publikumsrenner, 250-mal ist Haldun Dormen in der Rolle des John Smith aufgetreten. Kein Wunder also, dass die Darsteller sich in seiner Gegenwart noch mehr ins Zeug legen.

Engin Secgin ist als Schauspieler gefragt, er wirkt bei türkischen und deutschen Theater- und TV-Produktionen mit. Vor kurzem gastierte er 14 Tage in der Türkei in einer tragenden Rolle bei vier Folgen einer türkischen Primetime Soap auf TRT1.

2011 übernahm er eine Rolle in der ARD-Reihe „Mordkommission Istanbul“, 2014 in der Sat-1-Produktion „In Gefahr: Laura – ein Leben in Angst“, 2015 im türkischen Film „Ne münasebet“, auf der Theaterbühne zuletzt in „Einmal Türke immer Türke“ (Erden Alkan Theatre).

Gefragt, wie er Theater, Film und Beruf miteinander in Einklang bringt, sagt Secgin: „Indem ich Prioritäten setze und während der heißen Probenphase und für Dreharbeiten manches andere zurückstelle – beispielsweise Urlaub.“ Doch ohne seine Frau Nesrin, die voll hinter dem Theaterprojekt stehe und auch für Kostüme verantwortlich zeichne, würde vieles weniger reibungslos funktionieren. „Ich verkörpere professionell meine Rolle in meinem Hauptberuf, wie in Film und Theater.“ Beeinflusst hat ihn als Darsteller das Method Acting. Engin Secgin nennt es „das Leben der anderen ausborgen“. Dynamik und Engagement bei allen Beteiligten sind enorm, an vier bis fünf Abenden pro Woche wird geprobt, am Wochenende von früh bis spät. Supervisor Dormen entgeht keine Nuance, jedes Detail ist wichtig, da gibt es keine halben Sachen.

Wer bei den Proben zuschauen darf, spürt genau, an welchen Stellen das Publikum in der Stadthalle vor Lachen toben wird. Als erfahrener Spezialist der Boulevardkomödie weiß Theatermann Dormen, wie wichtig Timing ist. Jüngst wurde Haldun Dormen im Schweinfurter Rathaus empfangen, wo unter anderem über eine Aufführung seines Musicals „Kantocu“ („Der Kanto Sänger“) im Theater der Stadt gesprochen wurde. Autor Dormen und die türkische Komponistin Serpil Günseli ließen sich dabei von Afife Jale inspirieren, der ersten schauspielernden Muslimin der Türkei, die sich damals noch vor den Behörden tarnen musste.

Jale hat bereits den zwölfjährigen Haldun Dormen nachhaltig beeindruckt: „Bevor unser erster Präsident Mustafa Kemal Atatürk 1923 die Beschränkungen für muslimische Schauspielerinnen aufhob, konnten nur nichtmuslimische Frauen der griechischen, armenischen oder jüdischen Minderheiten Frauenrollen übernehmen.“ Afife Jale gelte als Theaterpionierin in der Türkei, von ihrem Mut als muslimische Mimin profitieren bis heute junge türkische Schauspielerinnen.

Ihr zu Ehren werden seit 1997 jährlich die Afife Theater Awards vergeben, bei denen Haldun Dormen mitwirkt. Nicht nur die türkische Theaterszene sei heute überaus kreativ, auch türkische TV-Soaps und Filme seien Exportschlager, erzählt Engin Secgin. Und trotz der vielen medialen Unterhaltungsformate ist Haldun Dormen der Überzeugung: „Theater übersteht alles.“

„Hangisi Karisi?“ – eine englische Erfolgskomödie auf Türkisch

Haldun Dormen, geboren 1928 in Mersin, Türkei, hat seinen Hochschulabschluss einst am Theater Department der Yale-Universität in den USA gemacht. In der Türkei ist er vielfach ausgezeichnet und längst Legende.

„Hangisi Karisi?“ – Sa., 7. Mai, 20 Uhr, Stadthalle. Karten im Vorverkauf für 10, ermäßigt 8 Euro (Abendkasse 12/10 Euro) bei Agentur Engin Secgin, Cramerstraße 12, Schweinfurt, Tel. (0 97 21) 54 19 58 4, E-Mail info@the-companies.com, oder Nargile Cafe Shisha Lounge, Niederwerrner Straße 58, Schweinfurt, Tel. 47 28 60 3

Die Handlung: Taxifahrer John Smith ist zugleich mit zwei Frauen verheiratet, die nichts voneinander ahnen. Die Sache läuft plötzlich aus dem Ruder, als John nach einem Unfall wirres Zeug von sich gibt und einiges verwechselt. Die Ehefrauen bitten daher – jede für sich – zwei Polizeiinspektoren um Aufklärung. John muss sich etwas einfallen lassen, um nicht aufzufliegen. Johns bester Freund Stanley und der homosexuelle Nachbar Bobby sollen ihn raushauen. Es kommt zu immer absurderen Verwicklungen, bis am Ende allen der Kopf schwirrt. Ray Cooneys Komödie hatte 1982 Premiere am Londoner Shaftesbury Theatre.

Rollen und Darsteller John Smith, Taxifahrer (Engin Secgin)

Stanley, Freund (Oktay Turkut)

Bobby, Nachbar (Murat Alis)

Mary Smith, Ehefrau 1 (Aylin Altergott)

Barbara Smith, Ehefrau 2 (Elif Özkök)

Polizeiinspektor Thompson (Bedirhan Bedir)

Polizeiinspektor Porter (Bekir Sener)

Journalist (Ali Cinkilic)

Probenszene zu "Hangisi Karisi?" Foto: Andreas Schuller
Probenszene zu "Hangisi Karisi?" Foto: Andreas Schuller
Premiere auf Türkisch
Regisseur Haldun Dormen Foto: Andreas Schuller

Rückblick

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