SCHWEINFURT

Premiere im KuK für den unberührten Garten

Filmstill: Merle im „unberührten Garten“. Foto: Diana Michl

Diana Michl ist eine ungewöhnlich begabte junge Frau. Sie schreibt Kurzgeschichten und Theaterstücke, sie spielt Theater, macht Musik, tanzt und hat zusammen mit einem Freund einen Film gedreht, der nun in Schweinfurt Premiere hat. Und das alles nebenbei. Denn die 29-Jährige, die in Dittelbrunn aufgewachsen ist, glaubt nicht, dass sie einmal von der Kunst leben wird. Also hat sie studiert und promoviert derzeit in Neurolinguistik.

Als sie 2011 die Kurzgeschichte „Der unberührte Garten“ schrieb, dachte Diana Michl nicht daran, dass sich die Story für einen Film eignen würde. Bis sie bei einer Hochzeit Karl Stefan Röser kennenlernte, einen Webdesigner und Filmemacher, der nach einem geeigneten Stoff für einen Film suchte. Gemeinsam schrieben sie das Drehbuch, suchten nach geeigneten Drehorten, Schauspielern und einem jungen Kamerateam. Nur das Geld fehlte. Obwohl die Schauspieler auf Gage verzichteten und Michl und Röser die Ausrüstung bei einer Filmhochschule leihen konnten, rechneten sie mit Kosten von mindestens 2500 Euro. Am Ende wurde es fast doppelt so viel, aber das ahnten die beiden damals noch nicht.

Um das Geld zusammenzubekommen, nutzten sie Crowdfunding über Startnext, eine Internet-Plattform, die sich auf die Finanzierung von kreativen Projekten spezialisiert hat. 73 Einzelpersonen spendeten zwischen 3 und 500 Euro. Zum Dank stehen ihre Namen im Abspann des Films. Viele Unterstützer kommen aus der Region, denn das Schweinfurter Tagblatt berichtete vor zwei Jahren über Diana Michls Filmpläne und ihre Mutter Claudia Rausch-Michl mobilisierte ihren Freundes- und Bekanntenkreis. Und am Ende legten Michl und Röser selbst noch jeweils gut 750 Euro drauf.

Der Aufwand war riesig

Die unzähligen Stunden, vor allem für die Nachbearbeitung des Films, hat Michl nicht gezählt, der Aufwand war riesig, hat sich aber gelohnt. „Der unberührte Garten“ ist ein spannender Film geworden, sehr dicht, mit einem ungewöhnlichen Ende, das hier nicht verraten wird. Es ist die Geschichte von Merle, einem jungen Mädchen, das offensichtlich nur eines will: laufen. Die Mutter macht sich große Sorgen um ihre Zukunft, der Vater hat mehr Vertrauen, will seiner Tochter Zeit geben, ihren Weg zu finden. Ihr Freund Lars liebt sie, versteht sie aber oft nicht.

Eines Tages landet Merle beim Laufen in einem ungewöhnlichen Garten und lernt dort Cynthia kennen, eine Frau, die sie sofort fasziniert. An dieser Stelle fragt sich der Zuschauer zum ersten Mal, ob er hier eine reale Szene oder einen Traum von Merle sieht. „Das war das Ziel“, sagt Diana Michl. Die Traumsequenzen wirken fast realer als die Wirklichkeit und selbst am Ende gibt es keine eindeutige Auflösung. Der Zuschauer wird zwar Zeuge, wie Merle ihre Liebe zu Frauen entdeckt – der Garten von Cynthia wird plötzlich zur Metapher für diese unbekannte Welt – aber ob sie diese Liebe jemals leben wird, bleibt offen. Und – vielleicht hat Merle ja auch nur geträumt, dass sie läuft.

Gedreht wurde an elf Tagen im Raum Tübingen, wo Diana Michl 2013 ihr Magisterstudium in Linguistik der englischen Sprache, Rhetorik und Philosophie abgeschlossen hat. Einige Schauspieler sind Profis, auch die Hauptdarstellerin, der Rest Laien. Diana Michls Vater Horst hat es offenbar großen Spaß gemacht, den Vater von Merle zu spielen. Michl und Röser hoffen, ihren 30-minütigen Film auf möglichst vielen Festivals zeigen zu können.

„Der unberührte Garten“ läuft im Rahmenprogramm der Kurzfilmtage im KuK (Kino und Kneipe) am Samstag, 4. April, ab 17 Uhr.

Crowdfunding

Crowdfunding ist eine Form der Finanzierung, die immer beliebter wird. Sie stammt ursprünglich aus den USA und hilft Kapital für Projekte und Existenzgründungen zu sammeln. Eine Crowd, also viele Menschen, unterstützen ein Vorhaben mit einem bestimmten Geldbetrag. Im Internet gibt es zahlreiche Plattformen, die Projektfinanzierungen in dieser Form vermitteln. Startnext hat sich auf die Vermittlung im kreativen Bereich spezialisiert und wird vor allem von Filmemachern, Musikern, Designern, Fotografen und Autoren genutzt.

Diana Michl: Ihr Film hat im KuK Premiere. Foto: Katharina Winterhalter

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