GRAFENRHEINFELD

Preussen-Elektra wirbt um Vertrauen

Bergrheinfelds Bürgermeister Ulrich Werner nahm am Donnerstagabend vielfach den Begriff „Vertrauen“ in den Mund. Um das geht es im Wesentlichen, wenn Anwohner des AKW Grafenrheinfeld über den angelaufenen Rückbau sprechen. Werksleiter Bernd Kaiser will dieses Vertrauen schaffen, präsentierte bei einem Infoabend viele Bilder und Zahlen und kündigte weitere Informationsveranstaltungen an.

Kaiser räumte ein, dass in der Vergangenheit der Kraftwerksbetreiber, früher E.ON und heute Preussen-Elektra, eher defensiv gewesen sei. Kaiser – mit Nonchalance und gelegentlicher Flapsigkeit ausgestattet – will das anders handhaben. Daher zeigte er 20 Besuchern – darunter etwa zehn Vertreter des Gemeinderats, der den Termin angeregt hatte – den aktuellen Stand der angelaufenen Rückbauarbeiten und vermittelte dabei Offenheit und Transparenz. Auch auf kritische Fragen hatte er Antworten parat.

Rückbau wird vorbereitet

Derzeit sei man dabei Räume leer zu machen, die benötigt werden, um Gerätschaften für den Rückbau aufzustellen. Er bemühte ein Bild: Das sei wie bei einem Umzug; erst müsse man Platz schaffen, um die Umzugskartons aufstellen zu können. Diese Vorbereitungsphase mit ersten Ausbauten soll 2020 beendet sein, wenn die letzten Brennelemente aus dem Reaktorgebäude ins Zwischenlager umgebettet werden können. Dann starte die eigentliche Rückbauphase. Sie soll 2033 beendet sein; dann stehen dort nur noch Rohbauten, die zwei Jahre später verschwunden sein sollen.

Teile werden zerlegt

Kaiser erläuterte auch, warum der Rückbau, der 1,3 Milliarden Euro kosten wird, so lange dauert. Die allermeisten Geräte müssten in etwa tischgroße Stücke zerlegt werden, damit sie in die Messanlage passen. Erst wenn die Tests radioaktive Werte unterhalb der vorgeschriebenen Grenzwerte erreichen, dürfe das Teil das Gebäude verlassen. Mehrfach betonte Kaiser, dass alle Schritte nur in Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde und dem TÜV als Sachverständige ausgeführt werden dürfe. Kontrollmechanismen seien installiert.

97 Prozent des anfallenden Mülls könne wiederverwertet werden. Andere Abfälle wie gepresste Betonstäube würden deponiert. Zwei Prozent zählen demnach zu den schwach- und mittelradioaktiven Stoffen. Sie werden getrocknet, gepresst, in Behälter verpackt und in der Bereitstellungshalle gelagert. Insgesamt 3500 Tonnen. Die Halle befindet sich laut Kaiser derzeit im Bau und soll im zweiten Halbjahr 2020 bereit sein.

„Kritisch und konstruktiv“

Kaiser kündigte weitere vertrauensbildende Maßnahmen an. Vor allem bei den Gemeinderäten konnte er aber eine gewisse Skepsis nicht ausräumen. Die Gemeinde Bergrheinfeld begleitet mit Anwaltshilfe den Prozess. Werner nannte die Haltung der Kommune „kritisch und konstruktiv“.

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