Schweinfurt

Produktive Patenschaft der Chöre aus Schweinfurt und Kissingen

Zwei Chöre waren beteiligt, die Konzertchöre aus Schweinfurt und aus Bad Kissingen, das Orchester Würzburg Ensemble, die Solistin Anna Nesyba und ihre Kollegen Eric Fergusson und Falk Hoffmann. Foto: Martina Müller

Über Musik zu schreiben, ist eine undankbare Aufgabe, sind es doch die Augen, die wir beim Hören am wenigsten brauchen und die hier beim Lesen gefordert sind. Aber die Vorstellungskraft ist bei beiden Sinnesprozessen gefragt und vermittelt uns Ahnungen und Empfindungen, auf die es die Kunst ja abgesehen hat. Beim Konzert von Joseph Haydn "Die Jahreszeiten" im Stadttheater gab es in Fülle zu hören und auch zu sehen.

Zwei Chöre waren beteiligt, die Konzertchöre aus Schweinfurt und aus Bad Kissingen, das Orchester Würzburg Ensemble, die Solistin Anna Nesyba und ihre Kollegen Eric Fergusson und Falk Hoffmann. Letzterer konnte sich  krankheitsbedingt nicht im geplanten Ausmaß beteiligen, sein Part wurde jedoch von den anderen gekonnt aufgefangen.

Zuerst ist es nicht so einfach gewesen, sich auf die Sprache des Librettos einzulassen – warum ist denn der Lenz hold, und eilte der Ackersmann wirklich so froh zur Arbeit auf das Feld? Und wann "träufte Segen" jemals über unser Land herab? Aber schon bald führte die suggestive Musik in die heitere Beschwingtheit des Frühlings und seines herausbrechenden Wachstums und ließ Bilder entstehen, Ausdrucksformen des Gefühls.

Das Werk erzählte außerdem viel über das Verhältnis des Menschen zur Natur, über das Verhältnis der Geschlechter, und so kurz vor dem Umbruch in die industrielle Epoche ist die Erfahrung einer heute kaum vorstellbaren Abhängigkeit vom Wetter, von Klimaerscheinungen noch sehr groß. Anders als heute, wo die Abhängigkeit vom Klima noch eine eher rationale Erfahrung ist.  Es wundert nicht, dass bei Haydn die religiöse Verankerung immer noch tief heraushörbar ist, auch die Jahreszeiten als weltliches Oratorium bezeichnet werden.

Überwältigender Erfahrungen der Natur

Die Darstellung überwältigender Erfahrungen der Natur im Jahreslauf sind es, die das Neue ausmachen an diesem im April 1801 in Wien uraufgeführten Werk, der religiöse Kontext steht nicht mehr im Mittelpunkt. So wie der Frühling eine Jahreszeit ist, die am besten nur in Ausrufezeichen beschrieben wird, so ist ja auch Musik das pure Gefühl. Im Moment dieses Erlebens kann man sich hineinwerfen wie ein Vogel in den ersten Morgenstrahl der Sonne. Ab da führen Gesang und Orchester in alle Stimmungen des Jahreslaufs, der glühende Sommer und die Glücksmomente in kühlen "dunklen Hainen" unter "bejahrter Eiche Dach", der Herbst mit seinen Erntefesten, Jagdereignissen und Weinfesten, wenn "die Tonnen gefüllt" sind und die "Burschen aus vollem Halse schrei'n". Das Orchester lässt den Donner grollen, die Vögel zwitschern und die Spinnfäden schnurren.

Auch der Winter hat, in symbolischer Gleichsetzung mit dem menschlichen Lebenslauf, seine tiefe Würde und Größe, wen könnte man denn anflehen in einer dunklen gottlosen Zeit: "Verleih uns Kraft und Mut!" –? Tief berührt verharrt das Publikum im Schlussmoment, erst der lang anhaltende Beifall führte wieder zurück in den Theatersaal und in die Schweinfurter Novembernacht.

Genau am Tag der Aufführung feierte der Schweinfurter Chor sein 186. Jahresjubiläum, der Kissinger Chor feiert nächstes Jahr 175-jähriges Bestehen. Zwischen den beiden besteht eine produktive Patenschaft. Die Dirigenten Matthias Göttemann, künstlerischer Leiter des Liederkranz Schweinfurt,  und Hermann Freibott, musikalischer Leiter der Kissinger Sängervereinigung, zeigten sich sichtlich stolz auf die herausragende Leistung ihrer Chöre und der gelungenen Aufführung.

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