SCHWEINFURT

Radfahrer haben eine Stimme

Die höchstrichterliche Rechtssprechung sagt, dass insbesondere in Tempo-30-Zonen die Radwegebenutzung nicht mehr verpflichtend ist. Auf Initiative des ADFC Schweinfurt hat die Stadt beispielsweise in der Elsa-Brändström-Straße die Beschilderung schon so geändert, dass Radfahrer wählen kann, ob er Radweg oder Straße benutzt. Der ADFC sagt: Die Sicherheit auf dem Radweg ist nur trügerisch. Foto: Hannes Helferich

Den Schweinfurter Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) gab es schon Mal. Berufsbedingt verließen einige Akteure die Stadt, die Aktivitäten erlagen einige Jahre.

Bis vier Radfahrer aus Stadt und Landkreis eine Wiederbelebung beschlossen. Im Herbst 2013 zur Neugründung kamen dann auch nur diese Vier: Adalbert Leuner, Martin Dettmar, Hildegard Hermann und Helmut Bach. Letzterer, seitdem Vorsitzender, berichtete darüber bei der Jahreshauptversammlung mit einem Schmunzeln.

Die Zahl der Mitglieder steigt kontinuierlich

Denn: Die Zahl der Mitglieder steigt kontinuierlich. Von unter 100 auf 133, aktuell sind es 154 Mitglieder. 21 kamen 2015 hinzu, kein einziger trat aus. Mit einer Zuwachsquote von fast 16 Prozent liegt Schweinfurt damit im Ranking bayerischer Kreisverbände ganz vorne.

Das Thema Radverkehrspolitik stand im Mittelpunkt der Versammlung im Kletterzentrum des DAV. Das Radfahren in der Stadt beleuchtete Martin Dettmar. Die Sperrung der Spitalstraße machte er mitursächlich für den Mitgliederzuwachs. „Das hat uns bekannt gemacht“.

Die Kontakte ins Rathaus sieht er als mittlerweile gut an. Der ADFC gehört dem vom „fahrradfreundlichen Baureferenten“ Ralf Brettin ins Leben gerufenen Fahrrad-Forum an, kann also an entscheidender Stelle seine Stimme erheben, tut das auch. Bei der Radwegeplanung „werden wir nicht mehr übergangen“, sagte Dettmar und nannte als Beispiel den Bereich Ignaz-Schön-/Fritz-Drescher-/Georg-Schäfer-Straße. Einige seiner Anregungen seien akzeptiert worden.

Eine Radspur in der Zehnstraße verträgt keine lebensgefährlichen Ein- und Zufahrten

Dettmar lobte die geplante Radspur durch die Zehntstraße als dringend nötige Ost-West-Tangente und den Mut, die Einfahrt in den Parkplatz Wissenswerkstatt in den Graben zu verlegen. „Anders ginge es auch nicht“.

Erfreut registrierte er die auf Anregung des ADFC aufgestellten „echten Radabstellanlagen“ wie neuerdings am Theater. Unechte Anlagen sind einfache Stangen wie bei der Stadtgalerie.

Dettmar erinnerte, dass eine Radwegebenutzung nur noch angeordnet werden kann, wenn aufgrund besonderer Verhältnisse eine erhöhte Gefahrenlage besteht. Im Umkehrschluss entfällt die bisher zwingende Benutzungspflicht an Stellen, wo der Radfahrer gesichert im Verkehr fahren kann. Das ist insbesondere in Tempo-30-Zonen der Fall.

Der ADFC hat die Stadt auf diese Rechtsprechung hingewiesen und sie habe erfreulicherweise reagiert. In der Elsa-Brändström- und Babenberger Straße etwa ist die Beschilderung schon so geändert, dass Radfahrer wählen kann, ob er Radweg oder Straße benutzt.

ADFC: Sicherheit auf Radwegen ist nur trügerisch

Nach dem alten ADFC-Grundsatz, dass die „Sicherheit auf dem Radweg nur eine trügerische ist“, begrüßt der ADFC die Abschaffung der Radwegebenutzungspflicht. Und Dettmar präsentierte dazu drei Unfälle. Ein Rentner brachte eine in der Ignaz-Schön-Straße ordnungsgemäß auf dem Radweg fahrende 25-Jährige zu Fall.

Er hatte sie beim Abbiegen übersehen. Verletzungen erlitt auch ein Radfahrer auf dem Radweg in der Nikolaus-Hofmann-Straße (er hatte Vorfahrt), den ein 89-jähriger Autofahrer beim Abbiegen in die Franz-Liszt-Straße übersah. Dritter Fall: Eine Autofahrerin holte bei der Ausfahrt aus der Filmwelt einen 28-Jährigen vom Rad.

Was die Stadt schon hat, einen Radverkehrsbeauftragten als den Ansprechpartner, wünscht sich der ADFC auch für den Landkreis. Dem zudem ein regelmäßiges Radforum nach Stadtvorbild gut zu Gesicht stünde. Im Kreistag im März soll das alles Thema sein.

Auf der Positivseite wurde eine Befahrung (Stadtverantwortliche und ADFC-Akteure) von Gerolzhofen erwähnt. Die Stadt und ihre Verantwortlichen müssten jetzt auch liefern, beispielsweise Hindernisse wie Umlaufsperren entfernen und durchgängige Radwege schaffen, hieß es.

Wenn ein Radweg plötzlich im Nichts endet

Leuner und Bach schilderten aber auch zahlreiche Problemfälle: Etwa den auf halber Strecke endenden Radweg zwischen Zeilitzheim und Herlheim, den beim Bau der Kläranlage Herlheim wegen der Baustelleneinrichtung nicht nutzbaren Radweg oder „Umfahrungen“, die sie konzeptlos nannten.

„Der Radfahrer wird in den Köpfern nur als Tourist wahrgenommen“, nicht als Verkehrsteilnehmer, der wie der Autofahrer möglichst direkt von A nach B fahren wolle. Oft fehle das „Gefühl für den Radfahrer“, so Bach.

Hildegard Hermann berichtete mit Bedauern, dass die von ihr ausgearbeiteten sechs Tourenangebote trotz Werbung 2015 auf geringe Resonanz stoßen. Sie wirft die Flinte aber nichts in Korn, bietet für 2016 wieder Touren an.

Dann noch die Neuwahlen. Das bewährte Trio wurde wenig überraschend im Amt bestätigt: Bach als Vorsitzender; Hermann und Dettmar als Stellvertreter, Leuner sitzt im Landesvorstand.

Verkehrspolitisches, die Termine für Radtouren und Veranstaltungen sowie der Hinweis auf den Stammtisch jeden zweiten Dienstag eines Monats finden Radfahrer auf der Homepage des ADFC unter www.adfc-schweinfurt.de

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