VASBÜHL

Radler erleben hautnah, wo Bio herkommt

Schmecken lecker: Gästeführerin Jutta Göbel wirbt bei der Biohöfe-Radltour für die Bio-Pastinaken, die auf dem Jakobushof in Vasbühl angebaut werden.
Schmecken lecker: Gästeführerin Jutta Göbel wirbt bei der Biohöfe-Radltour für die Bio-Pastinaken, die auf dem Jakobushof in Vasbühl angebaut werden. Foto: Anand Anders

Sie war ein echter Genuss, die kühle, frische Erdbeermilch – aus Bio-Erdbeeren. Zuvor konnte man sich mit Bio-Kartoffeln stärken, danach durfte man Bio-Weine kredenzen und dazwischen immer wieder in die Pedale treten. Denn das Bio-Mehrgänge-Menü wurde an vier verschiedenen Biohöfen im Werntal serviert.

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Gästeführerin Jutta Göbel hatte am Radlspaß-Sonntag zur Biohöfe-Radtour durch die Öko-Modellregion eingeladen. Und das Interesse war enorm. Über 30 Radler fanden sich am Jakobushof in Vasbühl ein – von der rad- und biobegeisterten Familie über den gemütlichen Tourenradfahrer bis hin zum sportlichen Mountainbiker sowie Liegeradfahrer. Sie kamen aus der gesamten Region Mainfranken, allen gemein ist das Bewusstsein für eine nachhaltige Lebensweise, ob in der Fortbewegung oder bei der Ernährung.

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„Bio und nur Bio ist die Zukunft“, davon ist Manfred Schulz überzeugt. Der Vasbühler Landwirt hat 1999 seinen Jakobushof auf ökologische Anbauweise umgestellt und vor einem Jahr seinen Hofladen eröffnet. „Die Leute sind begeistert“, sagt Schulz, als justament zur Bestätigung eine Kundin aus dem Spessart vorfährt, die sich am Sonntagmorgen noch schnell mit Bio-Gemüse fürs Mittagessen eindecken will. Auf dem Jakobushof ist das möglich, der Hofladen ist täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet, auch samstags, sonn- und feiertags. Schulz verkauft hier auch Produkte anderer Biobauern. Kooperation und Kommunikation ist in der Bio-Branche ein wichtiges Thema. Erstmals hat er heuer Tobinambur im Angebot. Die Knolle galt früher als Delikatesse, bevor sie von der Kartoffel verdrängt wurde. In den vergangenen Jahren hat man sie wegen ihrer gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe nun wiederentdeckt.

Mohnblütenfest am 17. Juni

Schulz probiert gern Neues aus. „Das macht wahnsinnig Spaß.“ So gibt es seit kurzem den Jakobushof-Dinkel-Kaffee, den der Bio-Landwirt mit dem Euerbacher Kaffeeröster Heinz Wehner kreiert hat. Bereits im zweiten Jahr baut der Vasbühler Bio-Speisemohn an. „Das hat sich richtig gut entwickelt, die Nachfrage ist groß.“ Und heuer wird es sogar eine Punktlandung mit dem Mohnblütenfest am 17. Juni geben, verspricht Schulz, dass sein Mohnfeld genau an diesem Tag in voller Blüte stehen wird.

Schulz ist einer von 46 Öko-Bauern in der Öko-Modellregion Oberes Werntal. Wie wichtig es ist, die Landwirte zu vernetzen und auch den Austausch mit den Verbrauchern zu fördern, das unterstreicht Anna-Katharina Paar, die Managerin der Öko-Modellregion. „Der Verbraucher soll erleben, wo Bio herkommt.“ Aus diesem Gedanken heraus entstand vor drei Jahren die Biohöfe-Radtour. Dass diese voll ins Schwarze trifft, zeigen das große Interesse und die regen Gespräche der Radler mit dem Vasbühler Biobauer.

Vier Kartoffelsorten im Angebot

Jutta Göbel muss zum Aufbruch drängen. In einer Stunde wird die Radfahrtruppe in Garstadt erwartet. Dort wird Halt gemacht auf dem Naturlandhof von Christine und Paul Knoblach. Die sind erst einmal überrascht von der großen Gruppe. „Hoffentlich reichen die abgekochten Kartoffel“, sorgt sich die Hofherrin. Sie serviert ihre vier Anbausorten Ditta, Agria, Belinda und die rotschalige Laura mit selbst gemachtem Kräuterquark. Alle bekommen genug und loben die schmackhaften Bio-Knollen.

Die Knoblachs waren 1992 einer der ersten Naturlandhöfe in Garstadt. „Der Boden ist das Wichtigste, das wir haben, man geht viel zu leichtfertig damit um“, begründet Paul Knobloch sein Engagement im Ökolandbau. Das heißt nicht, dass der Biobauer einfach die chemische Keule weglässt. Nein, Biobauern müssen auch etwas tun. Sie tun es halt anders. Eines der wichtigsten Instrumente zur Bodenverbesserung ist der Fruchtwechsel. „Er hilft, dass der Boden nicht ausgelaugt wird“, erklärt Knoblach. Mais, Weizen, Dinkel, Ackerbohne, Sonnenblumen und Kartoffeln wechseln sich deshalb auf dem Acker ab. Gedüngt wird mit Humus aus einer Kompostierungsanlage in Oberpleichfeld. Abnehmer für das Bio-Getreide ist die Hofpfisterei, die Kartoffeln werden ab Hof verkauft. Während sich die Ersten schon aufs Rad schwingen, wird im Hof noch gefachsimpelt. „Empfehlen sie den Ökolandbau weiter“, ruft Paul Knoblach den Radfahrern hinterher.

Erdbeerernte hat begonnen

Nur 100 Meter weiter, im Garstädter Bio-Spargelhof Braun, ist der nächste Stopp. Zur Begrüßung gibt es eine erfrischende Bio-Erdbeermilch. Vor einer Woche hat die Ernte im Gewächshaustunnel begonnen. Armin Braun ist in der Region der Einzige, der Erdbeeren, Spargel und Tafeltrauben nach biologischen Richtlinien anbaut. „Die Zukunft liegt in Bio“, davon ist der Garstädter überzeugt. Deshalb hat er vor drei Jahren umgestellt. Und die Kundschaft goutiert das. In seinem Hofladen, der täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet ist, herrscht reger Betrieb, auch an diesem Sonntag. Motorradfahrer halten an und decken sich mit Bio-Spargel ein. Bis zum 24. Juni wird gestochen. Der Weiße geht nach wie vor am besten. Und seit die Brauns eine Schälmaschine im Einsatz haben, „sind die Kunden begeistert“.

Armin Braun hat 1991 von seinem Vater den landwirtschaftlichen Betrieb übernommen, damals wurde nur Schweinmast und Ackerbau betrieben. Schrittweise erfolgte die Betriebserweiterung auf die Sonderkulturen Spargel, Erdbeeren und Tafeltrauben. Bei letzterem ist Braun mit rund vier Hektar der größte Erzeuger in Bayern und beliefert hauptsächlich die Supermarktkette Tegut. „Man braucht viel Fingerspitzengefühl“, nennt Braun eine Voraussetzung für den Biolandbau. Doch die natürliche Anbauweise zahle sich aus. „Man merkt den Unterschied.“ Vor allem schmeckt man ihn, eine Schale saftig roter Erdbeeren macht die Runde. „Die wurden vor vier Stunden gepflückt“, erklärt Braun den Unterschied zu südländischen Früchten, die grün geerntet werden und auf dem Transportweg reifen müssen. „Denen fehlt der Zucker, der beim Reifeprozess erst ganz zum Schluss in der Frucht eingelagert wird.“

Backpulver gegen Fäulnis

Es gibt kritische Nachfragen zur Ökobilanz angesichts der verwendeten Folien, ohne die eine Erdbeerernte im April in hiesigen Breiten nicht möglich wäre. Braun hält dies für verantwortbar. Die Folien seien zehn Jahre im Gebrauch und würden danach anderweitig verwendet. „Und was macht der Biobauer gegen Fäulnis?“, will jemand wissen. Braun spritzt in Wasser aufgelöstes Backpulver. „Das funktioniert, wenn man es richtig und oft genug macht.“ Es steckt also auch viel Arbeit drin. Ohne rumänische Hilfskräfte geht es deshalb nicht. Sie sind von Frühjahr bis Herbst im Einsatz. Morgens wird Spargel gestochen und nachmittags das Erdbeerfeld geharkt.

Wieder muss Jutta Göbel zur Weiterfahrt drängen, denn auch an der letzten Station, im Gästehaus von Renate König und Michael Schmid in Hergolshausen, gibt es noch viele Informationen. Dort können die Radler zuerst die Gästezimmer in dem umgebauten Bauernhof besichtigen und danach die Bio-Weine des Jungwinzers Sebastian Huter aus Theilheim kredenzen. Vor zehn Jahren hat er mit 100 Rebstöcken angefangen, inzwischen bestellt er fünf Hektar Rebfläche ausschließlich nach ökologischen Richtlinien. Statt chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln setzt er Extrakte aus Schachtelhalm, Brennesselsud, Urgesteinsmehl oder Molkepulver ein. Das Unkraut wird noch mit der Harke gejätet, und gedüngt wird mit Leguminosen. „Bio ist eine Herausforderung für den Weinbau“, gibt Sebastian Huter zu, „aber die Weine sind wesentlich besser.“

Ein Radler will unbedingt den Bacchus testen. „Ich heiße nämlich so.“ Der Bacchus ist allerdings nicht der Lieblingswein von Thomas Bachus (mit einem c). Er genießt lieber den Müller-Thurgau und dazu die von Sebastian Huters Ehefrau selbst gemachten „Grammelpogatscherln“, ein burgenländisches Weingebäck aus Germteig und Grieben. „Einfach köstlich.“

Voll im Trend, die gesunde Knolle Tobinambur.
Voll im Trend, die gesunde Knolle Tobinambur. Foto: Anand Anders
Die Hofpfisterei beliefert der Garstädter Naturlandhof Knoblach mit seinem Bio-Getreide.
Die Hofpfisterei beliefert der Garstädter Naturlandhof Knoblach mit seinem Bio-Getreide. Foto: Irene Spiegel
Auf dem Weg nach Garstadt: Gut 30 Radfahrer beteiligten sich an der Biohöfe-Radltour durch die Öko-Modellregion. Vom Jakobushof in Vasbühl ging es nach Garstadt zum Naturlandhof Knoblach und dem Spargelhof Braun.
Auf dem Weg nach Garstadt: Gut 30 Radfahrer beteiligten sich an der Biohöfe-Radltour durch die Öko-Modellregion. Vom Jakobushof in Vasbühl ging es nach Garstadt zum Naturlandhof Knoblach und dem Spargelhof Braun. Foto: Anand Anders
Vier verschiedene Kartoffelsorten konnten die Radler auf dem Naturlandhof Knoblach in Garstadt verkosten.
Vier verschiedene Kartoffelsorten konnten die Radler auf dem Naturlandhof Knoblach in Garstadt verkosten. Foto: Irene Spiegel
Vor einer Woche hat Armin Braun mit der Erdbeerernte begonnen. In den Folientunneln bei Garstadt reifen schon im April Bio-Erdbeeren heran.
Vor einer Woche hat Armin Braun mit der Erdbeerernte begonnen. In den Folientunneln bei Garstadt reifen schon im April Bio-Erdbeeren heran. Foto: Irene Spiegel
Christine Knoblach kommt mit dem Kartoffelschälen kaum hinterher. Die schmackhaften Bioknollen sind ratzfatz aufgegessen.
Christine Knoblach kommt mit dem Kartoffelschälen kaum hinterher. Die schmackhaften Bioknollen sind ratzfatz aufgegessen. Foto: Irene Spiegel
Letzte Station: Im Gästehaus König in Hergolshausen schenkt Jungwinzer Sebastian Huter aus Theilheim edle Bioweine aus.
Letzte Station: Im Gästehaus König in Hergolshausen schenkt Jungwinzer Sebastian Huter aus Theilheim edle Bioweine aus. Foto: Irene Spiegel

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