Grettstadt

Ramadama förderte Rarität zu Tage

Stefan Firsching zeigte stolz seinen Fund: eine Wasserflasche des Burkarts-Brunnen aus den 70ern Foto: Ruth Volz

Stefan Firsching entdeckte bei einer Flursäuberung vor einer Woche unter einer Hecke eine Wasserflasche des Burkarts-Brunnen. Alle älteren Teilnehmer der Ramadama-Aktion erinnerten sich beim Anblick der Flasche an den früheren weit über Grettstadt hinaus bekannten Brunnenbetrieb.

Karl Treutwein schrieb 1961 in seinem Werk "Unterfranken": "Grettstadts Heilquelle, der Burkarts-Brunnen, bildet seit 25 Jahren einen beachtlichen Wirtschaftsfaktor innerhalb der Gemeinde. 1921 bohrte sich der Mechaniker Franz Burkart einen Gartenbrunnen, dessen Wasser jedoch den Pflanzen nicht bekam. 1933 blieb das Motorrad des Schweinfurter Chemikers Dr. Emil Schiller in Grettstadt stehen und wollte nicht mehr weiter. Während der Reparatur in Burkarts Werkstatt kam das Gespräch auch auf den seltsamen Brunnen; der Chemiker erbot sich, das Wasser zu untersuchen. Die Analyse ergab einen hohen Gehalt an Mineralstoffen. 1935 wurde das erste Grettstadter Mineralwasser auf Flaschen gefüllt und vertrieben; heute beliefert der moderne Abfüllbetrieb von Burkarts Erben Vertriebsstellen im Umkreis von 50 km. Die Heilkraft des Mineralwassers bei Nieren- und Blasenleiden ist ärztlich anerkannt; es lindert ferner Schleimhautentzündungen, neutralisiert Magensäure und normalisiert die Darmtätigkeit."

Franz Burkart war nicht nur Mechaniker und später Besitzer des Burkarts-Brunnen, sondern auch Heimatdichter und Herausgeber des Pegasus. Er verstarb 1953.

Stefan Firsching zeigte stolz seinen Fund: eine Wasserflasche des Burkarts-Brunnen aus den 70ern Foto: Ruth Volz

Seine Nachfolger, Tochter Karola und ihr Mann Arthur Söllner, vergrößerten in der Folgezeit den Betrieb, richteten eine Abfüllstraße ein, erweiterten das Getränkesortiment und den Fuhrpark. Rund 20 Grettstadter fanden im Burkarts-Brunnen einen Arbeitsplatz, reinigten Flaschen, klebten Etiketten und stellten die Bestellungen zusammen. Mit Handwagen holten die Dorfbewohner "ihr" Burkarts-Wasser und –Limo. Die Kinder bewunderten den Springbrunnen und die fast ein Meter großen Gartenzwerge im Anwesen Söllner.

Als Anfang 1976 der EZB, ein Großmarkt des Bambergers Hans Beyer, der auch Getränke verkaufte, in Grettstadt eröffnete, damals eine Sensation im Umland von Schweinfurt, erwuchs dem Brunnenbetrieb ernsthafte Konkurrenz. Ihm blieb die Wahl, seine Getränke im EZB-Markt zu Dumpingpreisen anzubieten oder den Verkauf weiterhin unter eigener Regie fortzuführen. Der Kostendruck wuchs immer mehr. Statt der Bügelverschlussflaschen wurden jetzt 0,7-Liter-Brunnenflaschen abgefüllt, teilweise auch für andere Brunnenbetriebe. Brunnenbohrfirmen aus Kassel und München wurden hinzugezogen, um größere Mengen an Wasser mit entsprechendem Magnesium-, Calcium-, Hydrogenkarbonat-Gehalt zu fördern.

Gemeindearchiv: Abfüllraum des Burkardts-Brunnen um 1950 Foto: Ruth Volz

Die Auflagen für Brunnenbetriebe wuchsen und waren für einen mittelständischen Betrieb nicht mehr zu schultern. So stellte der Burkardts-Brunnen vor 40 Jahren seinen Betrieb ein. Die vier beteiligten Familien Söllner und die anderen Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Arthur Söllner war in den guten Zeiten zweiter Bürgermeister und viele Jahre Gemeinderat gewesen, Gönner vieler Ortsvereine, besonders des TSV Grettstadt, Mitbegründer und Namensgeber der Grettschter Wasserelf und stiftete zusammen mit seiner Frau Karola 1960 ein steinernes Wegkreuz am Eingang des Eichig als bleibende Erinnerung. Ihre Söhne leben noch heute mit ihren Familien in Grettstadt.

Gemeindearchiv: Dr. Emil Schiller analysierte das Quellwasser des Mechanikers Franz Burkardt und bestätigte dessen hohen Mineraliengehalt und die heilende Wirkung. Foto: Ruth Volz
Luftaufnahme aus dem Gemeindearchiv: Anwesen des Burkarts-Brunnen mit Springbrunnen vor dem Haus Foto: Ruth Volz
Ein echter Hingucker: Das Brunnen-Logo in Türkisblau, das auch die drei Lastwagen trugen. Foto: Ruth Volz

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