Schweinfurt

Raubkunstforschung: MGS-Leiter Eiermann erklärt sich im Stadtrat

Ende des Jahres hat Raubkunstforscherin Sibylle Ehringhaus ihre Arbeit am Museum Georg Schäfer mit Kritik beendet. Warum ihre Vorwürfe nun Thema im Stadtrat waren.
Die Raubkunstforscherin Sibylle Ehringhaus kritisiert das Museum Georg Schäfer für seinen Umgang mit dem Thema und beendete die Zusammenarbeit. Die Grünen wollten im Stadtrat eine Erklärung zu den Umständen haben.
Die Raubkunstforscherin Sibylle Ehringhaus kritisiert das Museum Georg Schäfer für seinen Umgang mit dem Thema und beendete die Zusammenarbeit. Die Grünen wollten im Stadtrat eine Erklärung zu den Umständen haben. Foto: Josef Lamber

Es war in der Museumsszene ein kleiner Paukenschlag, der sich Ende des Jahres 2019 ereignet hatte: Nach drei Jahren, in denen die Forscherin Sibylle Ehringhaus der Frage nachging, welche Bilder im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt als Raubkunst einzustufen sind, lehnte sie die Verlängerung ihres Vertrags ab. Aus ihren Befunden seien keine Konsequenzen gezogen worden, kritisierte sie (wir berichteten): "Die aufklärende Aufgabe der Provenienzforschung hatte in Schweinfurt keine Unterstützung. Sie wollen meine Arbeit nicht."

Das Echo ließ nicht lange auf sich warten, das Thema wurde Teil des Kommunalwahlkampfes. Die Grünen stellten einen Antrag an die Verwaltung und baten um Auskunft. Fraktionsvorsitzender Reginhard von Hirschhausen wollte im Stadtrat mehr zu den Hintergründen wissen und wie es nun weitergeht. Der Beitritt zur so genannten Washingtoner Erklärung durch das Museum Georg Schäfer ist Teil des grünen Wahlprogrammes, auch wenn das Museum als Privatsammlung nicht dazu verpflichtet ist. Bei einer Podiumsdiskussion dieser Zeitung mit den OB-Kandidaten für die Kommunalwahl am 15. März fragte ein Bürger explizit nach dem Standpunkt der Kandidaten zum Thema Raubkunst.

Dr. Wolf Eiermann, Leiter des Museums Georg Schäfer, nahm im Stadtrat ausführlich Stellung zu den Vorwürfen von Ehringhaus, die eine klare Meinung vertrat im Gespräch mit dieser Zeitung: "Das, worum es eigentlich geht, Verantwortung für die Geschichte zu übernehmen, das ist in Schweinfurt noch nicht angekommen."

Wolf Eiermann, Leiter des Museums Georg Schäfer, gab im Stadtrat Auskunft zum Thema Raubkunst. 
Wolf Eiermann, Leiter des Museums Georg Schäfer, gab im Stadtrat Auskunft zum Thema Raubkunst.  Foto: Martina Müller

Der Museumsleiter erläuterte die etwas komplizierten Besitzverhältnisse, aus denen sich auch erklärt, dass dem Museum selbst die Hände gebunden sind. Der Museumsbestand beinhaltet gut 1000 Gemälde und 5000 Zeichnungen, Aquarelle und Gouachen, zumeist aus dem 19. Jahrhundert. Diese sind Eigentum und Dauerleihgabe der Sammlung-Dr.-Georg-Schäfer-Stiftung an das im Jahr 2000 eröffnete Museum. Bauherr und Eigentümer ist der Freistaat, Betreiber die Stadt. Das Museum selbst besitzt keine Bilder. Die 6000 Werke im Bestand sind Teil der deutlich größeren Sammlung des 1975 verstorbenen Industriellen Georg Schäfer, der diese zum Großteil nach dem Zweiten Weltkrieg über den Münchner Kunsthandel erwarb.

Eiermann wehrte sich gegen Vorwürfe, das Museum tue zu wenig in Sachen Provenienzforschung. "Wir verstecken nichts bei uns", betonte der Museumsleiter und fügte an, man gehe offen mit dem Thema um, spreche es bei allen Führungen an und habe auch ein Werk ausgestellt, das als Raubkunst identifiziert wurde und informiere darüber. Laut Eiermann handele es sich im Moment um gut 20 Werke, die als Raubkunst gelten. "Wir sind uns bewusst, dass es ethisch-moralisch und rechtlich heikel ist", so Eiermann. 

Kunsthistorikerin Sibylle Ehringhaus beendete Ende 2019 nach drei Jahren ihre Provenienzforschung im Museum Georg Schäfer mit Kritik an den Verantwortlichen.
Kunsthistorikerin Sibylle Ehringhaus beendete Ende 2019 nach drei Jahren ihre Provenienzforschung im Museum Georg Schäfer mit Kritik an den Verantwortlichen. Foto: Anand Anders

Eines sei aber wichtig zu wissen: Weder die Stadt noch er selbst seien in der Georg-Schäfer-Stiftung vertreten. "Wir können und wollen nicht in Stiftungsfragen eingreifen." Eiermann kritisierte Ehringhaus im Stadtrat, er hätte sich mehr Mitarbeit gewünscht, auch Führungen durch sie zum Thema habe es nicht gegeben. Ein Workshop oder Kolloquium zum Thema Provenzienzforschung sei sicher sinnvoll, aufgrund der Personalkapazitäten in Schweinfurt vom MGS aber nicht leistbar.

Keine eigene Raubkunst-Ausstellung in nächsten Jahren geplant

Eine eigene Raubkunst-Ausstellung zu machen, lehnt Eiermann ab: "Dann verwandeln wir das Museum zum Gerichtssaal, das mute ich unseren Mitarbeitern nicht zu." Die Stiftung habe problematische Bilder zurückgezogen, im Jahr 2022 will Eiermann im Rahmen einer Ausstellung des Malers Ferdinand Georg Waldmüller auch das Thema Provenzienforschung abdecken. Erst dann ist die Datenbank-Inventarisierung abgeschlossen.

Es ist seit längerem bekannt, dass sich in Schweinfurt Gemälde aus der Sammlung des in Auschwitz ermordeten Kunstsammlers Max Silberberg befinden. Die Frage etwaiger Rückgaben stellt sich der Stiftung nicht, da die Washingtoner Erklärung von 1998 bei Privatsammlungen nicht greift. In der Erklärung verpflichten sich 44 Staaten und etliche Organisationen, Werke der Raubkunst zu identifizieren, Vorkriegseigentümer oder Erben ausfindig zu machen und "gerechte und faire" Lösungen zu finden.

Wichtig für die Stiftung ist auch, dass das Stiftungsvermögen nicht geschmälert werden darf. Dieses besteht zum Großteil aus den Bildern. Kritiker erklären demgegenüber, Bilder unter Raubkunstverdacht seien im Prinzip wertlos. Außerdem hatte Kulturstaatsministerin Monika Grütters im November 2018 Sanktionen für Privatmuseen angekündigt, die sich der Washingtoner Erklärung verweigern. Die historische und moralische Verantwortung für die Aufarbeitung des NS-Kunstraubes, so Grütters, liege nicht allein beim Staat.

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