SCHWEINFURT/BERGRHEINFELD

Rauchverbot sorgt für einigen Ärger

Bei der Jahresversammlung der Wirte und Hoteliers war das Rauchverbot Hauptthema. Nicht allen Gastronomen gefällt, dass ... Foto: FOTO dpa

Das strenge Rauchverbot in der bayerischen Gastronomie hat, wie erwartet, eine selten besser besuchte Jahresversammlung des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG) im Hotel Astoria in Bergrheinfeld beherrscht. Josef Albert (Brückenbräu Schweinfurt) wird die 110 Mitglieder aus Stadt und Landkreis weitere zwei Jahre führen. Er wurde einstimmig bestätigt. Herzliche Dankesworte gab es für den Gastgeber und nicht mehr für den Vorstand kandidierenden Hotelier Wolfgang Weide.

Spannend wurde es nach Wahl und Ehrung unter dem Punkt „Aktuelles“. Thema: Natürlich das Rauchverbot, das der Bergrheinfelder Gastronom Otto Rudloff los trat. Er sprach von einem „Rauchertheater“, nannte die Rigorosität des weißblauen Gesetzes einen „Irrsinn“ und eine „Dummheit“.

Er lebe von Reisenden und Gästen, die „ihre Heimat eine zeitlang in den Gasthof“ legten. Viele seien Raucher, und die konsumierten jetzt nicht mehr in der Gaststube, sondern verbrächten ihre Abende auf den Zimmern, mit vorher irgendwo gekauften Bierdosen- oder -flaschen. „Der Umsatz ist dahin“, schimpfte Rudloff und kündigte wegen der sich abzeichnenden Verluste einen Stellenabbau an.

Kritik am Verband

Rudloffs Kritik an seinem Verband, „total falsch gepokert“ zu haben, wiesen der Bezirks-Geschäftsführer des BHG, Michael Schwägerl, und der Bezirksvorsitzende Michael Berghammer, Betreiber mehrerer Raststätten im Würzburger Raum, vehement zurück. „Wir haben die Gesetze weder gemacht noch gewollt“, sagte Jurist Schwägerl. Berghammer erinnerte, dass ihm die Freiwilligkeit, also die selbstbestimmte Entscheidung der Wirte für Raucherbereiche, lieber gewesen wäre. Seine intensiven Appelle vor Jahresfrist seien aber von zu wenigen Kollegen gehört worden.

Die jetzigen harten Gesetze befürwortete Berghammer aus Gründen der Gleichbehandlung allerdings ausdrücklich. Er forderte die Kollegen auf, auch die Vorteile zu sehen. Einzige Ausnahme seien geschlossene Gesellschaften, überall sonst herrsche aber striktes Rauchverbot.

Dass viele Wirte und Veranstalter derzeit dennoch nach Schlupflöchern suchten, zeigten viele weitere von mehreren Wirten genannte Beispiele. Rudloff berichtete von einem örtlichen Sportverein, wo sehr wohl geraucht werde. „Die deklarieren das dann als Spielerbesprechung“. Weide informierte über die Ankündigung zu einer Faschingsfeier in Bergrheinfeld, in der ausdrücklich auf das Vorhandensein eines Raucherraums hingewiesen wurde. Werner Dürr, Gastwirt und Hotelier vom Bergl in Schweinfurt, berichtete, dass einer seiner Stammtische wegen des Rauchverbots jetzt in eine zum Raucherklub deklarierte Gaststätte nebenan gewechselt sei. Dort werde Eintritt verlangt, den schluckten die Raucher, um qualmen zu können. Auch Hotelgäste habe der Stammtisch mit rüber gezogen. „Der Wettbewerb wird verzerrt“, schimpfte auch Dürr.

Schwägerl beruhigte. Alle genannten Beispiele seien illegal. Beim Fasching einen Raucherraum auszuweisen, „das geht nicht“. Auch das Rauchen „in Sportstätten ist nicht gestattet“. Die Raucherklubs müssten bestimmten Kriterien (Mitgliederliste, Ausweiskontrolle beim Einlass) entsprechen. Außerdem rechne er hier mit einer Verschärfung, weil der Gesetzgeber „das so nicht will“.

Appell an die Stammgäste

Berghammer forderte die Kollegen unmissverständlich auf, die Missbräuche Schwägerl zu melden, der die Anzeigenerstattung dann übernehme. Dürr hatte vorher bedauert, dass sich weder Polizei noch das Ordnungsamt der Stadt zuständig fühlten. Berghammer forderte in diesem Zusammenhang dazu auf, die Rathäuser mit ins Boot zu nehmen, die für die Einhaltung der Gesetze sorgen müssten. Außerdem riet er zu einem moralischen Appell an die Stammgäste, ihrer Kneipe die Treue zu halten.

Der Urnengang ging problemlos über die Bühne. Alberts neuer erster Stellvertreter ist Edmund Beck (Zell). Neu dem Vorstand gehört als zweite Stellvertreterin Ruth Döpfner-Leikam (Tor zum Steigerwald, Gerolzhofen) an. Schriftführerin bleibt Sabine Böhm (Madenhausen), neuer Kassier ist der Herlheimer Wirt Gerhard Gutbrod, der das Amt nach dem Tod von Elmar Kraus schon kommissarisch übernommen hatte.

Revisoren sind, wie gehabt, Ute Hess (Schweinfurt), Rudloff und neu Weide, dem von allen Seiten für sein stetes Engagement herzlich gedankt wurde.

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