WAIGOLSHAUSEN

Rechte Maschen für den Winter

Im Strickkreis Waigolshausen treffen sich 13 Frauen, um gemeinsam für Hilfsbedürftige zu stricken
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Die roten Wollknäuel auf dem Tisch symbolisieren den roten Faden, der durch unsere Adventsgeschichten läuft. Zwar ist das Handwerkszeug dieser Strickerinnen im Waigolshäuser Pfarrsaal ziemlich bunt.

Aber das warme Rot weist darauf hin, wie menschenfreundlich die Frauen agieren: Indem sie für hilfsbedürftige Menschen stricken und gleichzeitig in der Adventszeit ein Stück gemeinsam gehen.

Genau genommen sind es die Wintermonate November bis März, an denen sich 13 Frauen aus Waigolshausen alle zwei Wochen treffen. So wie früher, als es noch Spinnstuben gab, in denen gemeinsam Handarbeit gemacht, erzählt und gesungen wurde. Lange Winterabende wurden so ein Stück kürzer.

Klappernde Nadeln, so wie damals, sind allerdings kaum zu hören. Weil das Metall heutzutage beschichtet ist oder weil die Strickerinnen gar mit Nadeln aus Bambusholz hantieren. Ganz geräuschlos geht es dennoch nicht zu: Hier wird geplaudert, dort ein Tee nachgeschenkt oder ein Stück Kuchen angeboten. „Der ist richtig saftig“, lautet das Lob für Anni Niesner, die wegen ihres Geburtstages das Backwerk mitgebracht hat. „Wir machen es uns halt gemütlich“, meint auch Margit Hammer in die Strickrunde. Eine brennende Kerze am rot geschmückten Adventskranz hilft dazu.

Schals werden zu Decken

Vor allem aber bestimmt Wolle das Bild: Ein Berg Knäuel liegt auf dem Tisch, gespendete und gekaufte. Jede Menge gestrickter Decken garnieren den Anblick. „Wir stricken immer lange Schals, die wir dann zusammennähen oder -häkeln“, erläutert Ida Strobel. Sie stimmt sich gerade mit Sigrid Rumpel ab, ob die Farbe und Länge deren Strickstückes mit ihrem zusammenpasst. Größere und kleinere, dicke und robuste Wolldecken entstehen dadurch.

Das Strickmuster ist denkbar einfach: Kraus rechts, nennt es sich, was bedeutet, dass die Frauen auf der Vorder- und Rückseite stets nur rechte Maschen stricken. „Das geht ganz automatisch, da muss man nichts denken“, erklären die geübten Handarbeiterinnen ihre flotte Strickweise. Eigentlich ideal für Einsteigerinnen, für Nachwuchs in der Runde, die sich die meist älteren Waigolshäuserinnen wünschen.

Früher hätten sie aber nicht nur einfache Schals, sondern auch Pullover, Mützen oder Socken gestrickt, erzählen sie. Früher, das war 1988, als sich ein Kreis aus dem Katholischen Frauenbund des Dorfes zusammenfand, um gemeinsam zu handarbeiten. Für die Mission des Münsterschwarzacher Klosters wurde damals gestrickt. Heute wandert der Großteil der Decken in die Sömmersdorfer Rumänienhilfe. „60 Stück haben wir an Frau Seemann weitergegeben“, sagt Rita Mauder.

Kinderdecken für Asylbewerber

Einige Exemplare kamen auch an die Asylbewerber in der Wernecker Notunterkunft. Für diese Einrichtung stricken die Waigolshäuser Frauen jetzt kleinere Kinderdecken. „Die werden dort gebraucht“, hat Margit Hammer vom Asyl-Helferkreis erfahren.

In der Strickrunde hat jede Frau ihren festen Platz. „Das hat sich so eingebürgert“, schmunzelt Gerda Saam. Das Zwiegespräch mit der Tischnachbarin ist ihnen genauso wichtig wie der Austausch in der großen Runde.

Da kann es auch um ihre ersten Strickversuche gehen, die den Frauen noch in Erinnerung sind. „In der Schule mussten wir so Tafellappen stricken“, kann sich eine noch entsinnen. Oder sie lernten das Handwerk von der Oma zuhause. „Die langen Strümpfe, die haben immer furchtbar gekratzt“, ist etlichen Frauen unter allgemeinem Gelächter und Zustimmung im Gedächtnis geblieben.

Auch heute könnten die Kinder in der Grundschule noch stricken lernen, wirft die Vorsitzende des Frauenbundes, Susanne Kling, ein. Diese Fertigkeit müsse also nicht verloren gehen. Auch wenn heute wohl viel weniger gestrickt werde als früher. Und die Wolle sei auch richtig teuer geworden, meinen einige andere.

Es sei früher eine schöne Zeit gewesen, meint Betty Zufraß. Da habe es am Abend nicht nur Fernsehen gegeben und „die kleinen Dinger, in die jeder dauernd hineinstiert“.

Weil den Strickerinnen ihre Gemeinschaft gerade an den langen Winterabend viel wert ist, wollen sie den Strickkreis beibehalten. „Wir machen's so lange, bis wir keine Lust mehr haben.“

Gemütliche Strickrunde: Alle 14 Tage treffen sich im Winter die Strickerinnen im Waigolshäuser Pfarrsaal (von links): Anni Niesner, Maria Hofmann, Betty Zufraß, Anni Fenn, Sigrid Rumpel, Rita Mauder, Margit Hammer, Marianne Heil, Ida Strobel, Gerda Saam, Juliane Endres, Susanne Kling. Es fehlt die Älteste, die 85-jährige Mina Michel. Foto: Silvia Eidel

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