WERNECK

Regional einkaufen und im Hausgarten nicht spritzen

Deutschland wird wärmer, der Klimawandel ist voll im Gange. Die Folgen sind vermehrt durch Hitze und Trockenheit geprägte Wetterlagen, zugleich aber auch mehr Starkregenereignisse. Im eh schon niederschlagsarmen Nordbayern sei das „eine mittlere Katastrophe für die Landwirte“, sagt Martin Primbs.

Um den Gefährdungen des Klimawandels vorzubeugen, spielt aus Sicht des Demeter-Landwirts die Bodengesundheit eine entscheidende Rolle. Sie ist eines der Themen von Primbs Vortrag, der am Wochenende zum Rahmenprogramm beim ersten Regional- und Biomarkt der Ökomodellregion Oberes Werntal zählt und sowohl Verbraucher, als auch Landwirte und Vertreter der Politik ansprechen soll.

Viele konventionell bewirtschaftete Böden könnten kein Wasser mehr aufnehmen, weil sie durch den Einsatz schwerer Maschinen flächig verdichtet seien. Starkregen führe dann zu Verschlämmung, nachfolgende Trockenheit zu „Betonböden“ mit Winderosion und schnellem Wasserabfluss bei Regen, was Hochwassergefährdungen verstärke. Solchen Böden stellt der aus Hemmersheim (bei Uffenheim) stammende Primbs, der auch Ausbilder von Bodenpraktikern ist, biologisch bewirtschaftete Böden gegenüber.

Gekennzeichnet seien diese durch Humusreichtum, stabile Ton-Humuskomplexe, gute Krümelstruktur und ein Bodenleben mit zahllosen Bakterien, Pilzen und Tieren. Aufgrund des Porenreichtums und Dränageröhren von Regenwürmern liege der Luftanteil bei 50 Prozent, könne ein solcher Boden wie ein Schwamm 100 bis 200 Liter Regen in einer Stunde aufnehmen, sagt Primbs. Und weil solche Böden das Wasser halten, könnten sie Trockenperioden besser überbrücken.

Um solche unverdichteten Böden zu bekommen, plädiert Primbs für ein „nachhaltiges Arbeiten mit der Natur“. Das heißt: Zurück zu kleineren Maschinen, mehr Sortenvielfalt und Zwischenfruchtanbau oder auch Pflügen zum richtigen Zeitpunkt.

„Bester Humusaufbau gelingt mit tierischem Mist“, merkt Primbs zur Tierhaltung an. Auch die Politik könne etwas tun. So schlägt der Landwirt die Erfassung aller Tiefbrunnen, ein regionales Wassermanagement, den Schutz der Wasserreserven, die Anlage von Wasserspeichern und Zuschüsse für wassersparende Bewässerungstechniken vor.

Gesunde Böden, der Schutz der Umwelt und die Förderung der Biodiversität sind für Primbs, der auch Arzt ist, noch nicht genug Argumente für den ökologischen Landbau. Im zweiten Teil hält er ein Plädoyer für biologisch erzeugte Lebensmittel, die besser – weil gesünder – für den Menschen seien. Dazu geht er auf die sogenannte Biophotonenforschung und Kristallisationsbilder-Tests bei konventionellen und Bio-Lebensmitteln ein, verweist auf die Mikroangiopathie und Phytoalexine, die beim Menschen krebshemmende Wirkung haben sollen und nur im ungespritzten Gemüse vorkommen. Kurz und bündig sind am Ende im gut besuchten evangelischen Gemeindehaus Primbs Empfehlungen an das kräftig Beifall spendende Publikum: Beim Biobauern regional einkaufen und im heimischen Garten keine Pestizide einsetzen.

Unter dem Motto „So schmeckt die Region“ gönnten sich im Anschluss 61 angemeldete Feinschmecker im Hotel Krone-Post ein Drei-Gänge-Bioschlemmermenü. Kreiert hatte dieses Christoph Kruppa aus saisonalen Zutaten von Biolandwirten aus dem Oberen Werntal.

Als Vorspeise gab es eine Kürbiskernsuppe mit Rote-Bete-Sahne, als Hauptgang ein Rinder-Ragout auf Sankt Petersburger Art mit schmackhaftem Wurzelgemüse und zum Abschluss ein Karamelleis auf Zwetschgen-Grütze mit Kartäuser-Kloß auf Weinschaum.

Anna-Katharina Paar, die Projektmanagerin der Öko-Modellregion, spricht mit Blick auf die Gastronomie bei der Essens-Organisation von einem Probelauf, um Erfahrungen zu sammeln.

Das Fazit von Koch Kruppa ist positiv: Die Zutaten für das Bioschlemmermenü zu bekommen, sei viel einfacher gewesen als gedacht. Man müsse nur ein bisschen vordenken.

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