KREIS SCHWEINFURT

Rendezvous an der Brutröhre

Schweinfurt summt, und Niederwerrn summt mit: Bürgermeisterin Bettina Bärmann (rechts) und Angelika Imgrund von der Umweltstation Reichelshof weihten das erste Wildbienenhotel im Landkreis ein.
Schweinfurt summt, und Niederwerrn summt mit: Bürgermeisterin Bettina Bärmann (rechts) und Angelika Imgrund von der Umweltstation Reichelshof weihten das erste Wildbienenhotel im Landkreis ein. Foto: Eichler

Der Winter ist nah, der Himmel grau – beste Gelegenheit für die Natur, sich auf den kommenden Frühling vorzubereiten. Tatsächlich gibt es bereits die ersten unscheinbaren, kleinen Knospen an den Ästen und Zweigen mancher Sträucher und Bäume. Auch für die fleißigen Bestäuber von Obst und Gemüse wird schon jetzt vorgesorgt. In diesem Fall durch den Menschen, genauer gesagt der Initiative „Schweinfurt summt“, mit dem ersten Wildbienenhotel im Landkreis in Oberwerrn.

Bürgermeisterin Bettina Bärmann und Angelika Imgrund als Leiterin der Umweltstation Reichelshof weihten es am Oberwerrner Schleifweg ein: in Form des Bienenmaskottchens der Initiative, mit zahlreichen Bohrlöchern und Brutröhren, die an die unterschiedlichen Größen und Formen der wilden Bienen angepasst sind.

Die Holzbiene selbst wurde in einer „Schweinfurt summt“-Werkstatt hergestellt, der Bauhof der Gemeinde hat dazu das Gestell geliefert, so dass nun der Gegenwert von rund 1500 Euro auf der grünen Wiese bei Oberwerrn steht.

„Niederwerrn ist durch die Interkommunale Allianz schließlich Teil der Öko-Modellregion Oberes Werntal“, so Bärmann. Zur Nisthilfe gesellt sich nun noch eine bienenfreundliche, winterfeste Hecke mit allerhand immenfreundlicher Vegetation, wie Kornelkirsche, Liguster, Gold-Johannisbeere und Haselnussstrauch, ebenso wie Bioschilf am Bartelsgraben.

„Unsere Bienen haben Hunger“, meint dazu Angelika Imgrund von der Umweltstation am Main bei Sennfeld, die zusammen mit dem Verein BSI (Bildung-Schulung-Information) die Initiative trägt: ein Verein, der sich nicht zuletzt Umweltprojekte auf die Fahnen geschrieben hat. Entsprechend sollen hier auch passende Blumen die kleinen Brummer ernähren. Die bedrohte Malvenhornbiene etwa ernährt sich, nicht überraschend, vom Pollen der Malve.

Eine Fibel des Bundeslandwirtschaftsministeriums listet ganze Tafeln bienennützlicher Pflanzen auf: vom Apfel bis zur Zierquitte. Aber auch Mohn, Klee, Ringel- oder Kornblumen gehören dazu.

„Jeder von uns kann etwas tun, indem er zum Beispiel bienenfreundliche Pflanzen setzt oder Hecken anpflanzt“, sagt Bürgermeisterin Bärmann, die in Niederwerrn verstärkt die Werbetrommel für Biene Majas kleine wilde Schwester rühren will. Aber auch Totholz und ein generell leicht verwilderter Garten mit zahlreichen Pflanzenstengeln, Blüten, Hohlräumen und Schlupfwinkeln sind ein Paradies für die Wildbiene.

Der Laie denkt bei Biene sofort an die staatenbildende, zivilisierte Honigbienen, dabei bestehen die meisten Immenarten aus Einzelfliegern. „Um die 520 Arten gibt es in Deutschland“, sagt Angelika Imgrund, „davon immerhin 260 im Raum Schweinfurt.“ Der damit ökologisch wertvoller ist, als man zunächst erwarten würde. Viele Wildbienen sind sensible Spezialisten, die auf eine Blütenart angewiesen sind, wie die Malvenhornbiene.

Die Nisthilfen brauchen sie dabei zur Fortpflanzung, wobei es in diesen Hotels recht erotisch zugeht: als erstes schlüpfen hier die Männchen und warten dann auf die Weibchen. Nach der Begattung legen diese ihre Eier in die Röhre, die raffiniert verschlossen wird. Oft noch mit einer Fehlkammer als Schutz vor Räubern, wie in einer altägyptischen Pyramide. Als Vorrat erhalten die Larven noch einen Pollenklumpen mit auf den Weg, das sogenannte Bienenbrot.

Nach der Verpuppung und dem Schlüpfen beginnt ein erneuter Lebenszyklus: der bei den Männchen wieder mal recht schnell zu Ende ist und bei den Weibchen meist nur wenige Wochen dauert. In dieser Zeit leisten aber gerade die wilden Bienen enorme Bestäubungsarbeit in Gartenbau und Landwirtschaft, bei Wind und Wetter. Und sind dabei harmloser als ihre honigliefernden Verwandten im Bienenkorb: „Wildbienen stechen nicht“, betont Imgrund. Die kleineren Arten wären gar nicht in der Lage, mit ihrem winzigen Stachel die menschliche Haut zu durchdringen und würden dabei nur selbst sterben. „Man soll sie nur nicht zu fest drücken, um sie nicht zu verletzen.“

Dafür sind viele Wildbienenarten vom Aussterben bedroht, durch Insektizide und schwindenden Lebensraum. Im Frühling können nun Spaziergänger und Kindergartenkinder Löcher-, Masken- Mauerbiene & Co. beim Schlüpfen und Nisten beobachten im neuen Domizil am Bartelsgraben. Nun werden von „Schweinfurt summt“ weitere Gemeinden, aber auch Firmen gesucht, die der Vorreiterrolle Niederwerrns folgen wollen.

Weitere Informationen im Internet unter www.schweinfurt-summt.de

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