REGION GEROLZHOFEN

Renditeversprechen gibt es nicht

Bürger können mitinvestieren: Die Unterfränkische Überlandzentrale hat die neue Genossenschaft ÜZ-plus gegründet, um Geld für neue Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energie einzusammeln. Im Bild der Bau einer Windkraftanlage bei Waldsachsen. Foto: ArchivNorbert Finster

Die in der Region erzeugte elektrische Energie soll auch in der Region bleiben. Das heißt, der Strom soll möglichst hier verkauft und verbraucht werden. Das spart den Bau weiterer Leitungen. Und die Menschen, die hier leben, sollen von der Energieerzeugung profitieren, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Das ist die Zielsetzung der Unterfränkischen Überlandzentrale (ÜZ). 74 Prozent des Stroms, den die Lülsfelder 2014 abgegeben haben, stammen aus regenerativer Erzeugung, ein absoluter Spitzenwert unter den Versorgungsunternehmen. Weil viele an der dezentralen Stromerzeugung interessiert sind, kam in Lülsfeld auch immer wieder die Anfrage, ob nicht eine Bürgerbeteiligung möglich wäre. Nach einigem Überlegen zur Form einer solchen Beteiligung reifte der Gedanke einer Bürgergenossenschaft.

Sie wurde am 19. Juni 2013 gegründet und trägt den Namen ÜZ-plus. 60 Gründungsmitglieder waren dabei, berichtet Norbert Meier (Dingolshausen), der Vorstandsvorsitzende. Den Aufsichtsrat führt der ehemalige Schwebheimer Bürgermeister Hans Fischer.

Anteile an der ÜZ-plus können sowohl Privatpersonen als auch Kommunen erwerben. Es gibt allerdings Voraussetzungen und Prioritäten. Ein neuer ÜZ-plus-Genosse muss zum einen im Versorgungsgebiet leben, zum Zweiten auch ÜZ-Kunde sein. Noch einmal Vorrang haben die, die beide Kriterien erfüllen und in der Nähe von Windkraftanlagen leben, erklärt geschäftsführender Vorstand Gerd Bock. Aktuell sind das insbesondere Bürger aus Euerbach und Obbach, wo solche Anlagen entstehen.

Rechtlich selbstständig

Die neue Genossenschaft muss überwiegend operativ tätig sein. Das heißt, sie muss auch Anlagen selbst bauen und betreiben. Sich nur bei andern einzukaufen, geht nicht. ÜZ-plus ist rechtlich selbstständig mit eigenen Gremien, natürlich aber eng mit der ÜZ-Genossenschaft verflochten. „Wir sammeln nur so viel Geld ein, wie wir für ein geplantes Projekt brauchen“, erklärt Norbert Meier. Trotzdem sind die Anteilseigner an die Genossenschaft gebunden, nicht an ein Einzelobjekt. Vor dem November 2014 war es nur möglich, maximal drei Anteile zu halten. Jetzt ist die Höchstzahl auf 25 Anteile a 1000 Euro begrenzt. Egal, wie viele Anteile ein Eigner hat, er hat immer nur eine Stimme. Das unterscheidet die Genossenschaft von der Gesellschaft, bei der die Stimmanteile nach Höhe der Einlage definiert sind. Wenn für ein Projekt mehr Anteile gezeichnet sind, als Geld gebraucht wird, dann entscheidet der Vorstand, wer wie viele Anteile bekommt. Beispiel: Der Stadtrat von Gerolzhofen hat sich für die Höchstzahl 25 entschieden. Ob die Stadt wirklich so viele bekommt, wird auch vom Interesse anderer Zeichner abhängen.

Bisher ist das Interesse groß. In Lülsfeld wurde noch keine Gemeinde bekannt, die keine Anteile möchte, sagt Gerd Bock. Bei der Nachfrage war das auch früher schon so. Da war die Bürgerbeteiligung allerdings noch projektgebunden. Bock: „Für die Windkraftanlage bei Schonungen hätten wir zehn Millionen Euro einnehmen können, gebraucht haben wir aber nur sieben.“

Im Laufe des Jahres sammelt ÜZ-plus Geld ein für die fünf genehmigten Windkraftanlagen bei Obbach. Diese Anlage entwickelt die ÜZ; ÜZ-plus beteiligt sich zwischen 15 und 22 Prozent. Weiteres Projekt ist eine Einzelanlage bei Schwanfeld. Sie ist zurzeit im Genehmigungsverfahren. Die ÜZ baut die Anlage, ÜZ-plus übernimmt sie.

Wetter ist nicht vorherzusehen

Schließlich ist die wichtig Frage: Was bringen die Anteile an Rendite? Die ÜZ gibt hier keine festen Versprechungen ab. Gerd Bock lässt sich aber doch bewegen, wenigstens Richtwerte zu nennen: „Nicht unter drei Prozent. Auch fünf Prozent wären denkbar.“ Die ÜZ, gewarnt durch die Beispiele anderer (wie Prokon, deren Rendite-Versprechen bis zu sechs und Ausschüttungen bis zu acht Prozent reichten), legt sich nicht fest, weil im Stromgeschäft mit Sonne und Wind zu viele Unwägbarkeiten liegen. „Die Wetterlage ist nun mal nicht langfristig vorherzusehen.“

Um das zu belegen, zeigt Gerd Bock eine Serie mit Grafiken aus den zwölf Monaten des Jahrs 2014, in denen der Wind ganz unterschiedliche Anteile an der gesamten Stromerzeugung hatte. Außerdem soll eine Rücklage für den Rückbau gebildet werden, der nach 20 Jahren Betriebszeit fällig werden könnte.

Den Weg der regenerativen Energien, den die ÜZ von Anfang an mitgegangen ist, will sie auch weiterhin konsequent begleiten. Gerd Bock ist sich sicher: „Er wird keine Wende von der Wende geben.“ Deshalb könnte es auch einmal ein Projekt für die Genossenschaft ÜZ-plus werden, eine Speicheranlage für regenerative Energien zu bauen. Sobald die Technik die Voraussetzungen dafür liefern kann.

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