Schweinfurt

Reparieren statt wegwerfen: Repair Café bei der Vesperkirche

Alten Gegenständen neues Leben schenken: das wollen die Männer des Repair Cafés schaffen. Bei der Schweinfurter Vesperkirche waren sie dabei – mal erfolgreich, mal weniger.
Georg Pfennig repariert bei der Vesperkirche ehrenamtlich Gegenstände aus dem Alltag.
Georg Pfennig repariert bei der Vesperkirche ehrenamtlich Gegenstände aus dem Alltag. Foto: Lisa Marie Waschbusch

Das Problem sei, sagt Georg Pfennig, dass heute viel zu viel entwickelt werde, das kurz nach der Garantiezeit kaputtgehe. Die sogenannte geplante Obsoleszenz. Das sei mit der neuen Elektronik wunderbar machbar. "Die kann man so programmieren, dass sie nach so und so vielen Betriebsstunden oder Jahren den Geist aufgibt", sagt er.

Freitagvormittag. Georg Pfennig, 70, und Peter Lehmann, 80, sitzen in der St. Johannis-Kirche in Schweinfurt in ihrem kleinen Repair Café, einer spärlichen Ecke in der Kirche mit zwei Tischen und jeder Menge Werkzeug. In wenigen Minuten wird die Tür zur Kirche geöffnet, eine Menschenschlange hat sich vor dem Eingang gebildet. Seit fast zwei Wochen findet die Vesperkirche in Schweinfurt statt und die beiden Rentner sind zum fünften Mal deren fester Bestandteil.  

Repair Café bei der Vesperkirche Schweinfurt. Georg Pfennig und Peter Lehmann reparieren ehrenamtlich Gegenstände.
Repair Café bei der Vesperkirche Schweinfurt. Georg Pfennig und Peter Lehmann reparieren ehrenamtlich Gegenstände. Foto: Lisa Marie Waschbusch

Reparatur ist Ehrenamt

Pfennig und Lehmann reparieren ehrenamtlich. Vor fünf Jahren gründeten die beiden studierten Maschinenbauer ihr Repair Café, mit dem sie mehrmals im Jahr unterwegs sind – nicht nur während der Vesperkirche. Zweimal im Jahr bieten sie den Dienst auch im Pfarrsaal von St. Kilian oder Maximilian Kolbe in Schweinfurt an. Ihr Publikum seien überwiegend Rentner, sagt Pfennig. "Jetzt um die Uhrzeit muss die Jugend Geld verdienen", scherzt Pfennig. Von 11.30 Uhr bis 14 Uhr können die Leute ihre Gegenstände bringen.

Ellengard Handschuh nimmt einen roten Föhn aus ihrem Stoffbeutel. Das Kabel ist an einer Stelle kaputt, die Drähte liegen frei. "Vielleicht kann einer helfen, wenn nicht, kommt er weg", sagt die Rentnerin. Lehmann nimmt sich viel Zeit, schraubt das Gehäuse auf. Es dauert einige Minuten. Die Kundin schaut ihm genau zu. Letztlich liegt die Elektronik frei, Lehmann schließt die offenen Stellen mit einem Band. 

Ellengard Handschuh lässt ihren defekten Föhn von Peter Lehmann reparieren.
Ellengard Handschuh lässt ihren defekten Föhn von Peter Lehmann reparieren. Foto: Lisa Marie Waschbusch

"Wir reparieren von A bis Z", sagt Pfennig. "Von der Armbanduhr bis zum Zweirad." Vor ihm auf dem Tisch liegt ein defekter Kopfhörer, daneben stehen ein alter CD-Player und ein Handrührgerät. Die Reparaturen seien "überwiegend elektrisch, elektronisch und mechanisch", sagt der 70-Jährige. Auf  Lehmanns Tisch nebenan steht eine Papierschneidemaschine. Das Messer bleibt nicht oben stehen. "Da müsste irgendwo eine Feder sein, aber es ist nirgendwo eine zu sehen", sagt Lehmann. Er schraubt weiter. 

Spenden erwünscht

Dass niemand zu ihrem Repair Café kam, daran können sich die beiden Männer nicht erinnern. Am Freitag zuvor, an dem sie schon bei der Vesperkirche waren, seien sie überrascht gewesen, wie groß der Ansturm war. Bezahlen müssen die Kunden für die Reparatur nichts – außer Materialkosten, die beispielsweise bei einem Batteriewechsel einer Uhr anfallen können. Wer dennoch etwas dalassen möchte, den rufen die beiden Männer dazu auf, etwas in die Spendenbox der Vesperkirche zu werfen.

Nicht immer können Pfennig und Lehmann die gebrachten Gegenstände reparieren. Bei einem elektrischen Tacker, der sich nicht mehr auslösen lässt, kann Pfennig erst einmal nicht helfen; wegen eines möglicherweise defekten Telefons, lässt sich Lehmann die Kontaktdaten des Kunden aufschreiben. "Wir haben Erfahrung, aber können nicht alles reparieren", sagt Pfennig. Oft sei das Problem, dass die Dinge nicht mehr wie früher aus Metallguss bestünden, sondern überwiegend aus Kunststoff, verschweißt oder verklebt seien. "Vieles ist konstruktiv gewollt, dass man es nicht reparieren kann", sagt er. Eine "reparaturfreundlichere" EU-Richtlinie begrüße er.

Ellengard Handschuh ist zufrieden. Jedes Jahr sei sie bei der Vesperkirche im Repair Café, sagt sie. Letztes Jahr habe sie einen Staubsauger gebracht. Doch der sei nicht mehr zu retten gewesen. Ihren alten Föhn nimmt sie an diesem Freitag wieder mit nach Hause.

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